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Interview mit Heimleitung: Corona-Demonstrantin gekündigt – Zu Recht?

Eine Mitarbeiterin eines Altenheims besucht am Wochenende die Corona-Demonstrationen in Berlin. Sie meldete sich am Montag krank und verweigerte einen Corona-Test.

Foto: www.haus-itzstedt.de (Screenshot)

Eine Mitarbeiterin eines Altenheims besuchte am Wochenende die Corona-Demonstrationen in Berlin. Sie meldete sich am Montag krank und verweigerte einen Corona-Test. Newsflash24 sprach mit der stellvertretenden Heimleiterin Frau C. Warneke.

NF24: Können Sie uns erläutern, wie es zu der Entscheidung kam?

Warneke: Ja, ich erzähle jetzt die ganze Geschichte, wie es zu der Kündigung kam. Die Dame ist eine Reinigungskraft in Teilzeit und erst vier Monate bei uns. Sie ist also noch in der Probezeit. Die (Mitarbeiterin) war bislang völlig unauffällig. Die Kollegen kamen alle gut mit ihr klar. Sie hat ihre Arbeit gut gemacht, war immer pünktlich. Alles so, wie es sein soll. Sie arbeitet nur jedes zweite Wochenende.

Anfang August fragte sie, ob sie das letzte Augustwochenende freihaben könne? Sie wollte mit ihrem Mann nach Berlin. Ihr Mann würde da etwas ganz Tolles mit ihr machen. Eine Kollegin tauschte dann mit ihr die Schicht. Es wurde noch von einem „Liebeswochenende“ gescherzt. Sie hatte noch ein paar Tage davor frei, weil sie nicht Vollzeit arbeitet.

Ein Kollege scherzte: „Ach die will auf die Demo nach Berlin.“ Alle waren davon überrascht. Wir wollten erstmal ganz ruhig bleiben und sehen, was daran ist. Vielleicht wollen die nur nach Berlin? Hätte ja sein können. Dann hatten sie aber schon bald etwas auf Facebook dazu gepostet und Berlin erwähnt. Da wollte ich ein Gespräch mit ihr führen.

NF24: Wie stehen Sie denn zur Teilnahme an Demonstrationen?

Warneke: Man kann an Demonstrationen teilnehmen und sich an Regeln halten. Sie kann ja daran teilnehmen und hier wäre gar nichts los. Das ist ihr Recht und das kann jeder machen. Wir sind natürlich dazu angehalten, Großveranstaltungen zu meiden. Und wenn nur mit Mundschutz usw. Jeder kann ansonsten in seiner Freizeit machen, was er will. Aber wir sagen: „Bitte denkt daran, ihr arbeitet im Altenheim.“ Sie hat sich Sonntag Mittag bei mir gemeldet. Die Angestellte sagte: „Ich muss mich krank melden, meine Tochter hat eine Erkältung.“ Ich sagte gut, ok und wollte das am Telefon nicht weiter klären. Am Montag Morgen rief sie wieder an und sagte: „Ich muss mich jetzt krank melden. Mich hat es richtig erwischt.“

NF24: Wann hätte sie wieder arbeiten müssen?

Warneke: Dienstag hätte sie erst wieder arbeiten müssen. Montag hatte sie noch frei. Bei uns ist es üblich, wenn man weiß, dass man nicht kommt, rechtzeitig Bescheid zu geben. Der Mann würde nachher die Krankmeldung bringen, hätte die Angestellte gesagt. Diese hätte auch gesagt, sie hätte Grippe. Darauf fragte ich: „Haben sie denn einen Corona-Test bei dir gemacht?“ „Nein, wieso denn?“, antwortete die Angestellte. „Klar du hast eine Grippe, da musst du einen Corona-Test machen.“ Ich sagte: „Das ist eine Massenveranstaltung. Hättest du nur am Rand gestanden und zugeschaut, dann wäre es etwas anderes und nicht schlimm gewesen.“ Ich habe darauf bestanden, dass sie einen Corona-Test macht.

NF24: Wie hat die Angestellte reagiert?

Warneke: Die Angestellte sagte: „Ich habe keinen gemacht und will auch keinen machen. Nein ich mache keinen Corona-Test“. Ich bin stellvertretende Heimleiterin, aber keine Inhaberin. Wenn der Chef und die Chefin nicht da sind, kann ich handeln. Ich bin dann runter zur Bürokraft und sagte: „Ich brauche eine fristlose Kündigung!“

Die Kündigung

Die Senioreneinrichtung reagierte konsequent und kündigte der Frau – doch ist die Entscheidung rechtens? Hätte sie vorher abgemahnt werden müssen? In den sozialen Medien wird die Entscheidung kontrovers geführt, nachdem die Mitarbeiterin das Kündigungsschreiben selbst veröffentlicht hat. Zum Schutz der Persönlichkeitsrechte der Betroffenen werden wir es nicht publizieren. Das Altenheim bestätigte Newsflash24 die Kündigung.

„In Itzstedt im Kreis Segeberg (Schleswig-Holstein) soll einer Mitarbeiterin eines Altenheims gekündigt worden sein, weil sie an den Corona-Demonstrationen in Berlin teilgenommen, sich anschließend krank gemeldet, einen Corona-Test aber verweigert haben soll“, schreibt das RND. Das Seniorenheim bestätigte am Dienstag den „Lübecker Nachrichten“ (LN), dass die Kündigung erfolgt sei. „Die Kündigung gibt es“, sagte die Verwaltungsleiterin der Einrichtung. „Wir werden uns um eine persönliche Stellungnahme bemühen und Sie auf dem Laufenden halten.“

In dem Brief heißt es: „Sie haben sich heute mit Erkältung krank gemeldet. Auf ihrem Facebook-Account ist zu sehen, dass Sie am vergangenen Wochenende an einer Kundgebung gegen die Maskenpflicht in Berlin teilgenommen haben.“ Wegen der Corona-Pandemie habe man die Mitarbeiterin gebeten, einen Corona-Test zu machen, schreibt RND. „Dieses haben Sie verweigert. Hiermit erhalten Sie Ihre fristlose Kündigung“, zitieren die LN aus dem Schreiben des Alten- und Pflegeheims Haus Itzstedt.

nf24