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Russland, ein Land in der Krise

Unter Putin, dem Herrscher auf Lebenszeit, leidet das Land nicht nur unter der Corona-Krise, sondern auch unter dem Preisverfall von Öl und Erdgas. Der Präsident muss jetzt seine Prestigevorhaben verschieben oder aufgeben.

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Unter Putin, dem Herrscher auf Lebenszeit, leidet das Land nicht nur unter der Corona-Krise, sondern auch unter dem Preisverfall von Öl und Erdgas. Der Präsident muss jetzt seine Prestigevorhaben verschieben oder aufgeben.

Putin, von Gottes Gnaden versprach zu seiner vierten Amtszeit viel, aber halten können, wird er nichts. Mit seinen „Nationalen Projekten“, die 2018 starten sollten, wollte er die Lebensqualität verbessern und die Geburtenrate steigern. Doch das Bevölkerungswachstum stagniert und die Lebenserwartung ist einer der niedrigsten in einem Industrieland. Zwischen 2001 und 2013 sank die Einwohnerzahl auf einen Rekord-Tiefstand von 142,7 Millionen. Russland wird nie mehr die Rekordanzahl an Einwohnern wie im Jahr 1992 mit 148,6 Millionen erreichen, so lautet die Prognose im World Economic Outlook Database, April 2020.

Gigantische Waldbrände

Die Wälder sollten gerettet werden, stattdessen brennen gigantische Waldflächen im Norden Russlands, Sibirien. „Wie der staatliche Forstschutzdienst mitteilte, brennt insgesamt eine Fläche von mehr als einer Million Hektar. Das ist mehr als die Größe Zyperns“, berichtet die Tagesschau. Die herrschende Hitzewelle in den arktischen Regionen Russlands alarmiert die Wissenschaft. Es droht ein möglicher Wärmerekord in der Arktis. In der Stadt Werkojansk wurden Ende Juni 2020 38 Grad Celsius erreicht.

Desaströse Öl- und Gas-Förderung

Die Energiewirtschaft bildet das Rückrat der russischen Staatseinnahmen. Sie tragen nach Schätzungen der Weltbank zusammen mit weiteren Rohstoffsektoren, zu 20 Prozent des Haushaltes bei. Zwei Drittel der Fossilen-Brennstoffe werden exportiert. Zu den föderalen Staatseinnahmen trägt laut Wikipedia die Energiewirtschaft etwa die Hälfte bei. Die Fördermengen machen etwa ein Fünftel der weltweiten Erdgasförderung und ein Zehntel der weltweiten Ölförderung aus. Russland ist derzeitig (Stand 2/2019) weltweit größter Exporteur von Erdgas und Erdöl und seine Wirtschaft in erheblichem Maße vom Ölpreis abhängig.

Doch Russlands Öl-Lobby will die Förderquote der Opex boykottieren. Den Lobbyisten ist Versuch der Preisstabilisierung durch die Opec ein Dorn im Auge. Die Probleme Russlands sind die veraltete Fördertechnik und die damit verbunden hohen Förderungskosten. Die Golfstaaten können dagegen deutlich günstiger produzieren und das Fördervolumen leichter anpassen. Durch die Wirtschaftskrise durch Corona sank zusätzlich die weltweite Nachfrage nach Rohstoffen. Deshalb steckt Russland in einer doppelten Zwickmühle. „Dort [Russland] ist der Etat bei einem Ölpreis von unter 80 Dollar bereits defizitär. Daher ist der Handlungsdruck dort größer. Das weiß Moskau genau“, berichtet das Handelsblatt. Der Preis für das Barrel WTI (West Texas Intermediate) kostet zurzeit 37,16 Dollar  die Nordseesorte Brent steht bei 39,88 US-Dollar das Barrel. Eine Katastrophe für Russland.

Kaum Investitionen möglich

Putin versprach, Krankenhäuser zu bauen. Doch dazu kommt es nicht. Russland ist nahezu hilflos Corona ausgeliefert. Der Präsident hat panische Angst, sich zu infizieren. Das Wohlergehen der Bevölkerung interessiert ihn dagegen kaum. „Spätestens 2024 sollte die russische Wirtschaft dadurch schneller wachsen als die Weltwirtschaft“, berichtet die Süddeutsche. Doch dieses Ziel, ist mit Sicherheit nicht zu erreichen.

Doch nicht nur die Pandemie, auch die katastrophale Lage der Wirtschaft, zwingt Putin seine Pläne aufzugeben. Er hofft, die Umsetzung der „Nationalen Projekte“ bis 2030 hinauszögern zu können. Seit ihm das illegale Verfassungsvotum die Macht auf Lebenslänge sichert, ist es nicht mehr wichtig seine Ziele zu erreichen. Die WHO geht davon aus, dass „die russische Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um sechs Prozent zurückgeht und sich nicht vor 2022 wieder erholt“, berichtet die Süddeutsche. „Nach einer Studie der Higher School of Economics in Moskau hat jeder Zehnte im Land bereits seinen Job verloren, das wären fast zehn Millionen Arbeitslose“, erläutert die Süddeutsche.

nf24