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TheDoDo „möchte Drogen nicht verherrlichen, wie es andere Rapper tun“

TheDoDo ist einer der großen Newcomer am Rap-Himmel. Im Interview spricht der Künstler über seine schwere Kindheit, den Umgang mit Drogen und die ersten Schritte in der Musikbranche.

TheDoDo hat sein Debütalbum "Flaschenpost" veröffentlicht.
Foto: Ozan Özdemir

Rap-Newcomer TheDoDo startet durch: Mit seinem Hit „Endorphine“ machte er 2020 auf sich aufmerksam. Die bisherige Bilanz: Der Song verzeichnet fast 45 Millionen Streams auf Spotify, TheDoDo kommt insgesamt auf beinahe 617.000 monatliche Hörer auf der Streamingplattform. Was der Rapper und Sänger aus diesem ersten großen Erfolg gelernt hat? „Aufzupassen, welche Menschen ich um mich herumhabe“, antwortet TheDoDo, der bürgerlich Dominic Niclas Seifert heißt, im Interview mit spot on news.

TheDoDo machte schwere Kindheit durch

Der bisherige Lebensweg des Rappers war nicht immer einfach. Seine Kindheit und Jugend waren von Einsamkeit geprägt. „In der Tat habe ich sehr viel Zeit in meinem Leben alleine und mit mir selbst verbracht“, bestätigt TheDoDo. Kurz vor seiner Einschulung erlebte der Sänger mit, wie ein Spezialeinsatzkommando seinen Vater festnahm. „Dieses Bild hat sich bis heute in meinen Kopf gebrannt. Und manchmal kommen die Gedanken wieder hoch“, sagt der Künstler. „Allerdings bin ich meinem Vater nicht böse. Ich bin älter geworden und wir haben heute ein sehr offenes Verhältnis, nicht das typische Vater-Sohn-Ding. Irgendwie viel cooler, finde ich.“

Zwar habe sein Vater „eine lange Zeit in meinem Leben gefehlt“. Nach der Haft habe er aber um seinen Sohn „gekämpft und mich zurückgeholt“. Das sei „sehr schwer“ gewesen, „da mein Sorgerecht beim Jugendamt lag“, erzählt TheDoDo. Auch über seine Mutter verliert er liebevolle Worte: „Auch wenn meine Mama krank war und von Drogen und Alkohol verleitet wurde, hat sie immer geschaut, dass es mir gut geht“, sagt der Rapper.

„Bis heute weiß ich noch, wie ich mit ihr auf dem Spielplatz war, sie mit mir Fahrradfahren war, mir meine ersten Fußballschuhe gekauft und mit mir gesungen hat“, erinnert TheDoDo sich. „Auch an meine Oma denke ich oft. Sie ist leider in der Zeit, als ich in der Pflegefamilie war, gestorben und ich konnte sie nicht mehr sehen. Meine Oma war eine sehr gute Frau. Ich glaube, dank ihr mache ich heute Musik!“

Er macht „kein Geheimnis“ aus seiner Drogen-Vergangenheit

Nicht nur im Leben seiner Mutter, auch in seinem eigenen hätten Drogen „eine große Rolle“ gespielt. „Ich wollte einfach verstehen, warum meine Mama das getan hat. Man vergisst einfach alles, was einen traurig macht. Allerdings nur für einen Moment“, sagt TheDoDo rückblickend. Heute spricht er ehrlich über seine Vergangenheit. „Ich habe mich dazu entschlossen, kein Geheimnis daraus zu machen. Alkohol und Drogen begleiten mich, seitdem ich ein kleines Kind bin. Irgendwann bin ich selbst reingerutscht“, gesteht TheDoDo offen. In seiner Jugend habe er „die Kontrolle verloren“. „Das alles hat es aber nicht besser gemacht, eher im Gegenteil“, erzählt er.

„Wer in seinem Leben schon viel erlebt hat und ertragen musste, weiß vielleicht, wovon ich rede und dass es Tage gibt, an denen all die seelische Belastung einen erdrückt“, erklärt TheDoDo weiter. „Vor gar nicht allzu langer Zeit habe ich Partys, Alkohol und Drogen als Ausweg gesucht. Allerdings hat mich das noch mehr zerstört. Mittlerweile habe ich gelernt, mit diesen Gedanken umzugehen.“

„Junge, du bist der Beste, gib nicht auf“

Auch der Weg seiner Musikkarriere war steinig: Noch vor kurzer Zeit zweifelte TheDoDo daran, war in Berlin sogar für kurze Zeit obdachlos. „Rückblickend bin ich froh, diese Zeit erlebt zu haben. Sie hat mich geformt und reifen lassen. Ich hatte die Musik, die mich am Leben gehalten hat“, reflektiert er heute.

TheDoDo hat offenbar einen sehr starken Selbsterhaltungstrieb. Er habe „gelernt, niemals aufzugeben“. „Eine lange Zeit habe ich keinen Weg gefunden, einen Ausgleich zu finden. Ich bin in Selbstmitleid versunken und habe zum Teil angefangen zu zweifeln.“ Immer, bevor er das Handtuch schmeißen wollte, habe er allerdings „in den Spiegel geschaut und gesagt: ‚Junge, du bist der Beste, gib nicht auf.'“

Debütalbum war „emotionale Achterbahnfahrt“

In der vergangenen Woche hat er schließlich sein Debütalbum „Flaschenpost“ veröffentlicht, das er als „reine Selbsttherapie“ bezeichnet. „Diese eineinhalb Jahre Album-Phase waren eine emotionale Achterbahnfahrt. Wie man in meinem Album hören kann, bin ich sehr tief in meine Seele gegangen und habe Themen hochgeholt, die ich mein ganzes Leben verdrängt habe. Zum Teil ging es mir sehr schlecht in dieser Zeit“, erzählt der junge Künstler.

Dennoch: „Im Nachhinein muss ich sagen, dass es mir sehr viel besser geht dadurch.“ Das Album sei „ein Stück weit Entzug für mich“ gewesen. „Ich bin reifer geworden. Dadurch, dass ich all das, was mich belastet hat, in meine Musik gesteckt habe, habe ich vieles verstanden, was ich davor nicht verstanden habe, und die Gründe bekämpft, die mich schwach gemacht haben.“ Den Tod seiner Mutter hat er etwa im Song „Tränen der Sonne“ verarbeitet.

Auch Drogen spielen auf dem Album eine Rolle. Der Rapper betont aber, dass er Drogen „nie in meinen Texten verherrliche“. Denn TheDoDo ist sich einer gewissen Verantwortung bewusst: Rap hat auch sehr junge Fans. „Mir ist klar, dass ich für manche Kids ein Vorbild bin. Genau deswegen bin ich so ehrlich in meinen Texten. Ich möchte Drogen nicht verherrlichen, so wie es andere Rapper tun“, erklärt er.

Neben ihm selbst sind etwa auch Rapper Bausa (*1989) und Sängerin Esther Graf (23) zu hören. „Es sind beides sehr nette Menschen. Was ich persönlich besonders an ihnen schätze, ist die Liebe zur Musik“, schwärmt TheDoDo von seinen Kollegen. „Sie sind Vollblutmusiker und außergewöhnlich ehrgeizig!“

„Ich bin keine Kunstfigur, meine Persönlichkeit ist mein Image“

Die häufige Einsamkeit in seiner Kindheit und Jugend sei „nicht immer schön“ gewesen. Mittlerweile genieße er die Zeit allein aber auch: „Ich liebe Ruhe und denke viel nach. Zeitgleich versuche ich die Balance zu halten und treffe mich heute regelmäßig mit Freunden. Ich habe gelernt, dass es sehr wichtig ist, jemanden zu haben, mit dem man über alles reden kann. Mein ganzes Leben habe ich immer alles in mich hineingefressen. Daraus habe ich gelernt.“ Was ihm ebenfalls „sehr hilft“: „Neben der Musik, welche sowieso meine größte Therapie und Motivation ist, habe ich wieder angefangen, regelmäßig Sport zu machen.“

Zwar betont er, dass das Leben „natürlich nicht immer schön“ sei. „Ich würde lügen, wenn ich sage, mein Leben ist mittlerweile rosarot“, sagt TheDodo. „Aber ich habe gelernt, damit klarzukommen. Das Leben geht immer weiter. Manchmal gibt es schöne Zeiten und manchmal weniger schöne. Es wird immer einen Menschen geben, dem es schlechter geht.“

Für seine Zukunft wünscht sich TheDoDo, „dass die Menschen mir zuhören und nicht einfach urteilen“. „Ich glaube, es gibt heutzutage immer weniger Künstler wie mich. Die einfach ehrlich sind und sich nicht verstellen“, fügt er hinzu. „Ich bin keine Kunstfigur, meine Persönlichkeit ist mein Image.“ Das zeigt sich auch in den sozialen Medien: „Wer meine sozialen Kanäle verfolgt, merkt, dass ich relativ wenig aktiv bin dort. Natürlich spielen soziale Medien heutzutage eine sehr große Rolle, allerdings ist das nicht das reale Leben und man sollte sich nicht zu viel damit beschäftigen. Es sind einfach zu viel Einflüsse auf einmal. Ich selbst lege nicht viel Wert darauf, wie viele Abonnenten und Likes ich habe. Ich lasse lieber meine Musik für mich sprechen. Ich bin kein Influencer, ich bin Künstler.“

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