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Robbie Williams: Der punkige König der Popwelt wird 50

Robbie Williams‘ Karriere gleicht einer wilden Achterbahnfahrt durch alle Höhen und Tiefen des Popstar-Daseins. Am heutigen 13. Februar 2024 feiert der amtierende König der britischen Musikwelt seinen 50. Geburtstag.

Hat die traumatischen Trümmer seiner Boygroup-Vergangenheit endgültig hinter sich gelassen: Superstar Robbie Williams.
Foto: imago/Daniel Scharinger

Dass er mit Geburtstagen nichts anfangen kann, machte Robbie Williams (50) vor genau einem halben Jahr auf seinem turbulenten Instagram-Kanal klar, über den er in täglichem Austausch mit seiner Fan-Community steht. „Geburtstage verstehe ich nicht. Und habe sie nie verstanden“, schrieb er dort. Nichts hasse er an Geburtstagen so sehr, wie den Happy-Birthday-Song, der ihm körperliches Unwohlsein verursache. Fans, die auf seinen Konzerten immer wieder „Ich habe heute Geburtstag!“-Schilder in die Luft hielten, um seine Aufmerksamkeit zu erheischen, könnten ebenso gut ein Schild mit der Aufschrift „Ignoriere mich!“ hochhalten. „Zu meinem 50. im nächsten Jahr will ich“, so der Sänger, „dass die Leute, wenn sie es für nötig halten, ‚When Will I Be Famous‘ von Bros singen, anstatt dieses Geburtstagslieds.“

Seit 34 Jahren auf der Popstar-Achterbahn

Robbie Williams ist ein Experte in Sachen Berühmtsein, da er den größten Teil seines Lebens als Berühmtheit verbracht hat. An seinem 50. Geburtstag blickt er auf eine Karriere von mittlerweile 34 Jahren zurück, die ihn durch alle Höhen und Tiefen geführt hat, die das Leben als Pop-Star mit sich bringen kann. Die Tiefen bei ihm waren jedoch wesentlich tiefer als bei den meisten anderen Musikstars seiner Generation, wie in der Netflix-Dokuserie „Robbie Williams“ aus dem Jahr 2023 eindrucksvoll dargestellt wird. In dieser meisterhaft konstruierten Dokumentation konfrontiert sich der 1974 in der düsteren Industriestadt Stoke-on-Trent geborene Sänger vor laufender Kamera mit Videomaterial aus allen Phasen seiner musikalischen Laufbahn, die im Rückblick wie eine atemberaubende Achterbahnfahrt erscheint.

Das skandalöse Boygroup-Baby von Take That

Im Jahr 1989 begann dies, als seine Mutter in der Zeitung eine Anzeige entdeckte, in der junge Talente für eine neue Boygroup gesucht wurden. Diese sollte als britische Antwort auf die damals äußerst erfolgreiche US-Formation New Kids on the Block gestartet werden. Kurz nach seinem 16. Geburtstag wurde Robbie Williams 1990 als fünftes und jüngstes Mitglied in die Boygroup Take That aufgenommen. In den nächsten Jahren stieg die Gruppe zu einem der größten britischen Pop-Acts seit den Beatles auf und wurde auf all ihren Wegen von einem Schwarm hysterisch kreischender Fans begleitet.

Laut Williams‘ Rückblick war er als völlig unerfahrenes Mitglied der Band das „Baby“ und am wenigsten auf den massiven Erfolg und die ständige mediale Aufmerksamkeit vorbereitet. Der frühe Ruhm hatte für ihn einen Preis, den er über Jahrzehnte in selbstzerstörerischen Raten bezahlen sollte. Mit 20 Jahren war der einst fröhliche Teenager zu einem Wrack geworden, das von Kokain und Alkohol abhängig war und für das Management der Boygroup immer weniger akzeptabel wurde. Im Jahr 1995 zog Williams schließlich selbst die Notbremse und stieg aus, während er in der internationalen Boulevardpresse gnadenlos mit Skandalen konfrontiert wurde. Er richtete sich noch zwei Jahre lang öffentlich mit Drogen- und Partyexzessen zugrunde.

Start in die Solokarriere nach Entziehungskur

1997 wurde er von seinem Management überredet, es mit einer Solokarriere zu versuchen. Sie stellten ihm den Produzenten Guy Chambers (61) zur Seite. Während der Aufnahmen im Studio wurde schnell klar, dass er nur nach einer gründlichen Entziehungskur ein Comeback schaffen könnte. Der abgestürzte Boygroup-Star hielt sich an diesen rettenden Strohhalm und schaffte es tatsächlich innerhalb von sechs Wochen, wieder einsatzfähig zu werden und seine zweite Karriere zu starten.

Als „Life Thru a Lens“, das Comeback-Album, schließlich im September 1997 auf den Markt kam, war der Verkauf zunächst so schlecht, dass Williams seine Hoffnungen auf eine erfolgreiche Solo-Karriere bereits aufgab. Erst vier Wochen später wurde die Single „Angels“ veröffentlicht und schlug in den Single-Charts wie eine Bombe ein, was das Blatt unerwartet wendete. Daraufhin eroberte „Life Thru a Lens“ die Spitze der Charts, erreichte achtfachen Platin-Status in Großbritannien und Gold-Status in Deutschland und der Schweiz. Mit über drei Millionen verkauften Einheiten deutete sich nun an, dass die Karriere des jungen Entertainers vielleicht doch noch ein bisschen weitergehen könnte.

Mit Vollgas in den nächsten Abgrund

In den kommenden Jahren erwies sich die Zusammenarbeit von Robbie Williams mit seinem Co-Autor und Produzenten Guy Chambers als äußerst erfolgreich. Gemeinsam produzierten sie fünf Alben, die alle Platz 1 der britischen Charts erreichten und weltweit 37 Millionen Mal verkauft wurden. Auf dem Höhepunkt seines Ruhms trennte sich der Sänger, der zum Superstar und Multimillionär aufgestiegen war, im Jahr 2003 selbstbewusst von seinem langjährigen Partner. Er veröffentlichte 2005 das Album „Intensive Care“ und 2006 „Rudebox“, auf denen er neue musikalische Wege einschlug. Obwohl diese Experimente mit Dance-Rhythmen und Rap-Styles weiterhin erfolgreich waren, wurden sie von der Presse gnadenlos kritisiert, was zu einer zunehmenden Verunsicherung bei Williams führte. Zu diesem Zeitpunkt steuerte er unbewusst auf den zweiten großen Rückschlag in seiner Karriere zu.

Am Ende seiner gigantischen „Close Encounters“-Tournee erlitt er bei einem Konzert im nordenglischen Leeds am 8. September 2006 vor rund 80.000 Zuschauern eine massive Panik-Attacke, die den gesamten Auftritt lang anhielt. In der Netflix-Doku erinnert sich der Musiker mit folgenden Worten an diesen einschneidenden Moment, der ihn im Weiteren völlig aus der Bahn werfen sollte: „Als ich runterkam, hatte ich das Gefühl, ich will nie wieder auf die Bühne! Ich konnte nicht sprechen, ich zitterte nur noch, ich durchlebte ein Trauma.“ Seinem Team und Management zuliebe wagte er sich am folgenden Tag mit sichtbarer Panik in den Augen nochmals auf die Bühne, um sein vorerst letztes Konzert zu absolvieren.

Rettung durch neues Liebesglück und Take-That-Reunion

Die Tragödie von Leeds brachte Robbie Williams auf tragische Weise zurück an den Punkt, an dem er sich vor 20 Jahren nach seinem Ausstieg bei Take That befand. Das traumatische Erlebnis führte zu einem Rückfall in seine Drogen- und Alkoholsucht und führte dazu, dass er drei Jahre lang keine Musik mehr machte. Dass er sich auch aus dieser tiefen Krise befreien konnte, verdankt er nicht nur seiner heutigen Ehefrau Ayda Field Williams (44), sondern auch ironischerweise seinen ehemaligen Kameraden von Take That, mit denen er jahrzehntelang im ständigen Streit lag.

Ayda Field, die Schauspielerin, traf er 2006 auf einer Party, bei der er nach massivem Kokain-Konsum auf der Toilette zusammenbrach. Trotz der denkwürdigen Umstände ihres Kennenlernens wurden die beiden bald ein Paar und haben mittlerweile vier Kinder zusammen. Mit ihrer Unterstützung wagte er sich nach einer weiteren Entziehungskur wieder an die Produktion eines neuen Albums, das 2009 unter dem Titel „Reality Killed the Video Star“ veröffentlicht wurde. Wie Williams in der Netflix-Dokumentation berichtet, hatte er jedoch große Unsicherheiten bei TV-Auftritten zur Promotion des neuen Albums. Um wieder ein Gefühl für seine Rolle als Entertainer zu bekommen, entschied er sich im Jahr 2010 für eine viel beachtete kurzzeitige Wiedervereinigung mit Take That, die ihn tatsächlich zurück auf die Erfolgsspur brachte.

Rückeroberung der Popwelt-Krone

Spätestens seit dem Erscheinen seines Albums „Take the Crown“ im Jahr 2012 sitzt Robbie Williams wieder fest im Sattel und strotzt vor Selbstbewusstsein. Sein Presse-Statement zur Veröffentlichung las sich wie eine Kampfansage und sollte sich im nächsten Kapitel seiner Karriere fulminant bewahrheiten: „Das Album trägt den Titel ‚Take The Crown‘, weil ich kämpfen will. Ich will es mit jedem aufnehmen, der sich mir in den Weg stellt und mir den Platz auf dem Thron der Popwelt streitig machen will. Mit diesem Album will ich die Krone zurückerobern, die ich einst hatte – oder vielleicht immer noch habe.“

Der heutige 50. Geburtstag wird vom amtierenden König der Popwelt mit der wohlverdienten Krone auf dem Kopf gefeiert werden. Vielleicht werden seine alten Kumpels von Take That vorbeikommen und gemeinsam mit seiner Frau und den Kindern „When Will I Be Famous“ von Bros singen.

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