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Jordan Peeles Horror-Sozialkritik „Wir“ feiert Free-TV-Premiere

Mit „Wir“ von Oscarpreisträger Jordan Peele kommt ein ebenso cleverer wie eindringlicher Horrorfilm erstmals ins Free-TV, der auch genrefremden Zuschauern gefallen könnte.

Ada (Lupita Nyong'o, li.) und ihre Kinder stehen Todesängste aus.
Foto: © RTLZWEI

Nach seinem Oscar-prämierten Horror-Blockbuster „Get Out“ von 2017 lieferte Komiker und Regisseur Jordan Peele (43) zwei Jahre später mit „Wir“ einen ebenso eindringlichen Streifen ab. Im Zentrum der Geschichte steht nicht nur eine vierköpfige afro-amerikanische Familie, die es mit bösen Doppelgängern zu tun bekommt. Auch mit symbolreicher Sozialkritik spart Peele ein weiteres Mal nicht. Darum sollten nicht nur Horror-Fans am 18. September ab 22:30 Uhr bei RTLzwei reinzappen.

Wir gut, ihr böse – darum geht es

Die kleine Ada besucht im Jahr 1986 mit ihren Eltern einen Rummelplatz in Santa Cruz. In einem unbeaufsichtigten Moment begibt sie sich in ein düsteres Spiegelkabinett, in dem sie auf angsteinflößendes Mädchen trifft, das ihr bis aufs letzte Haar gleicht. Nach dem traumatischen Erlebnis spricht die Kleine plötzlich kein Wort mehr.

Etwa 30 Jahre später hat die erwachsene Ada (Lupita Nyong’o, 39) nicht nur ihre Stimme wieder gefunden. Sie ist inzwischen mit Gabe Wilson (Winston Duke, 35) verheiratet und hat selbst zwei Kinder. Als sich die Familie zu einem Ferienhaus ganz in der Nähe des Ortes begibt, in dem Ada einst den Horror im Spiegellabyrinth erlebte, mehren sich beunruhigende Geschehnisse – bis vier Personen in roten Overalls urplötzlich in ihrer Auffahrt stehen. Es sind ihre jeweiligen Doppelgänger, die den Wilsons nach dem Leben trachten.

Genre-Mix mit Aussage

„Wir“ ist über weite Strecken ein nervenaufreibender Mystery-Thriller, der speziell in seinem finalen Akt und in bester Slasher-Manier weder mit Kunstblut noch Gewalt spart. Gleichzeitig liefert Peele erneut eine starke Botschaft, ohne sie allzu gewaltsam mit dem Vorschlaghammer einzuprügeln: Die Schere zwischen oben und unten, zwischen Armen und Reichen, klafft nicht nur in den USA immer weiter auseinander. Doch nicht jeder ist bereit, das noch gewaltlos hinzunehmen.

Wird man mit dieser sozialen Ungerechtigkeit konfrontiert, so fällt zudem auf: Die „da oben“ und die „da unten“ sind sich gar nicht so unähnlich, in „Wir“ gleichen sie gar wie ein Ei dem anderen. Nur, dass manche eben mehr Glück im Leben haben, während andere noch nicht einmal eine Chance bekommen.

Zugegeben, „Wir“ mag im Vergleich zu „Get Out“ nicht mehr mit dem gewaltigen Überraschungsmoment gesegnet sein. Dennoch lieferte Peele auch mit seinem zweiten Horrorfilm eine wendungsreiche Geschichte ab, die vor allem, aber nicht nur Horror-Fans anspricht.

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