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Chat-Dienst für organisierte Kriminalität stillgelegt

Bei der Durchsuchung des «Cyberbunkers» 2019 kamen Ermittler auf die Spur von Exclu: Über diesen Dienst tauschten sich vor allem Drogenhändler aus. Nun wurden 48 Beschuldigte festgenommen.

Polizisten sichern das Gelände eines ehemaligen Bundeswehr-Bunkers. Dort wurde ein Rechenzentrum für illegale Geschäfte im Darknet ausgehoben.
Foto: Thomas Frey/dpa

In einem grenzüberschreitenden Schlag gegen die organisierte Kriminalität haben Fahnder einen Chat-Dienst abgeschaltet, der vor allem von Drogenhändlern genutzt wurde. Das Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz teilte am Montag mit, dass es nach monatelangen Ermittlungen zusammen mit niederländischen Behörden gelungen sei, die Daten des Kryptokommunikationsdienstes Exclu zu entschlüsseln, die Kommunikation zu überwachen und den Dienst letztlich abzuschalten.

Dazu gab es nach Angaben des LKA am vergangenen Freitag in Deutschland, den Niederlanden, Belgien und Polen Durchsuchungen an mehr als 70 Orten. Dabei wurden im Ausland insgesamt 48 Menschen festgenommen, bei denen es sich laut LKA um Nutzer des Dienstes, aber auch um Betreiber der Plattform handelt. Unter den Beschuldigten seien keine deutschen Staatsbürger, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft in Koblenz.

Die Ermittlungen des LKA gemeinsam mit der Landeszentralstelle Cybercrime der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz begannen im Juni 2020. Ausgelöst wurden sie von dem Ermittlungsverfahren gegen die Betreiber des sogenannten Cyberbunkers in Traben-Trarbach, wo die Exclu-Plattform bis zur Durchsuchung dieser Anlage im September 2019 eingerichtet war. Danach wurden die Server für Exclu mehrfach verlegt, zuletzt befanden sie sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Deutschland.

Weitreichende Zusammenarbeit

Im April 2022 wurde die niederländische Polizei an den Ermittlungen beteiligt. Auch Behörden in Schweden, Frankreich und Italien waren den Angaben zufolge in die Ermittlungen eingebunden. Unterstützung gab es auch von Seiten des Bundeskriminalamts (BKA), der polnischen Polizei sowie von Europol. LKA-Präsident Johannes Kunz sprach von einer «guten und vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen den beteiligten europäischen Sicherheitsbehörden».

Die Behörden rechnen die Nutzer von Exclu vor allem dem Drogenhandel zu. Der über eine App genutzte Dienst konnte für 800 Euro je Halbjahr aktiviert werden. Exclu verfügte über einen sogenannten Panik-Button, mit dem der gesamte Chatverlauf ebenso wie der Austausch von Dokumenten sofort gelöscht werden konnte. Die Behörden schätzen, dass Exclu von etwa 3000 Menschen genutzt wurde, davon 750 in den Niederlanden. Der Betrieb des Dienstes könne strafbar sein, wenn damit die Begehung von Straftaten gefördert werde, erklärte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Die Ermittlungen werden jetzt weitergeführt.

dpa