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Sero: „Ich habe mir angewöhnt, Dinge zu tun, die mir Angst machen“

Rapper Sero kehrt in seinen Songs sein Innerstes nach außen. Das macht ihm „manchmal Angst“, wie der Berliner im Interview verrät. „Aber ich habe mir angewöhnt, Dinge zu tun, die mir Angst machen.“

Sero veröffentlicht sein neues Album "Mondlicht".
Foto: bastimowka

Sero gehört zu den aufsteigenden Stars der deutschen Musikszene: Der Berliner Rapper mit den tiefgehenden Songtexten wagt nun den Spagat zwischen Rap und Pop. „Ich war nie ein Fan von Genregrenzen und Dogmen in der Kunst. Ich mache einfach, was ich will“, sagt Stefan Hergli, wie er gebürtig heißt, im Interview mit spot on news. Wie das klingt, beweist der Musiker auf seinem neuen Album „Mondlicht“, das am 9. September erscheint.

Sie entfernen sich mehr und mehr vom Rap. Was stört Sie am heutigen Rap?

Sero: Ich würde das selbst nie so formulieren, dass ich mich „mehr und mehr vom Rap entferne“. Aber was stimmt, ist, dass ich mich musikalisch immer mehr öffne und mich traue, viel melodiöser zu werden. Ich war nie ein Fan von Genregrenzen und Dogmen in der Kunst. Ich mache einfach, was ich will.

Können Sie sich besser ausdrücken, wenn Sie singen statt rappen?

Sero: Singen und Rappen sind beides für mich hoch emotionale Prozesse. Ich tue beides so, als würde mein Leben davon abhängen. Ich stecke alles rein, was ich bin.

Sie hatten lange Jahre Schlafstörungen, was auch auf Ihrem neuen Album „Mondlicht“ anklingt. Was haben Sie dagegen unternommen und wie geht es Ihnen heute?

Sero: Das sind Prozesse, in denen ich noch drinstecke. Die Basis bilden natürlich zuerst einmal die naheliegenden Strategien: Schlafrhythmus etablieren, kein Fernseher im Bett, Sport, frische Luft etc. In manchen Phasen hilft das ganz gut. Manchmal ist es aber schlimmer. Ich suche da selbst noch nach Antworten und Lösungen, glaube aber, das liegt relativ tief.

Das Album ist sehr ambivalent, es gibt Feel-Good-Songs, aber auch traurige und nachdenkliche Tracks. Inwiefern spiegelt sich darin Ihr Leben wider?

Sero: (lacht) Die Feel-Good-Songs sind auch nur getarnt. Mir hat es irgendwie Spaß gemacht, Songs zu erschaffen, die beim ersten Hinhören fast schon ein bisschen sommerlich wirken, aber trotzdem diese melancholische zweite Ebene haben. Summertime Sadness [im Deutschen etwa: „Sommertraurigkeit“, Anm. d. Red.] ist mein Ding. Zum Thema, inwiefern sich mein Leben in den Songs widerspiegelt: Es spiegelt mein Leben wider. Anders kann ich es nicht sagen.

Im Song „Nicht Vergessen“ geht es um das Gefühl, nicht gewollt zu werden. Wann ging es Ihnen in Ihrem Leben so?

Sero: Leider oft. In der Schule, Liebe, Gesellschaft… Ich fühle das leider oft.

Haben Sie Tipps für Menschen, denen es aktuell genauso geht?

Sero: Man sollte sich niemals verändern für die anderen. Eure Einzigartigkeit ist euer größter Schatz. Ihr seid wertvoll so wie ihr seid, niemand ist besser als ihr (und niemand ist schlechter als ihr). Den eigenen Weg zu suchen, zu finden und zu gehen, ist ungleich schwerer, als vorgefertigten Bahnen zu folgen. Aber der große Vorteil ist, dass man dafür am Ende auch an einem Ziel ankommt, das zu einem passt.

In Ihren Songs kehren Sie Ihr Innerstes nach außen. Fällt Ihnen das manchmal schwer?

Sero: Es macht mir manchmal Angst. Aber ich habe mir angewöhnt, Dinge zu tun, die mir Angst machen.

Sie haben Ihren Lebensweg in einem Interview einmal als chaotisch beschrieben. Was raten Sie jungen Menschen, die sich selbst noch nicht gefunden haben?

Sero: Lasst euch Zeit dafür, kein Grund zur Eile. Das Rennen, das ihr glaubt gewinnen zu müssen, ist am Ende des Tages nur eines gegen euch selbst. Ihr entscheidet das Tempo. Und vor allem: Seid nicht zu hart zu euch selbst, das Leben ist schon hart genug. Wenn ihr noch nicht den Masterplan für euch gefunden habt, seid ganz beruhigt: Das hat niemand, den ich kenne. Man muss einfach nur in Bewegung bleiben, der Rest kommt von alleine.

Im Oktober gehen Sie auf Tour. Worauf freuen Sie sich am meisten?

Sero: Ich habe die Energie der Menschen so sehr vermisst. Die letzten Jahre waren ein bisschen hart als Künstler, keine Festivals, keine Konzerte, etc. Ich werde so durchdrehen auf der Bühne und alles rauslassen. Ich fiebere dieser Tour so entgegen wie nichts anderem. Es wird magisch.

Sie haben 2020 Ihr Schauspieldebüt im „Tatort: Borowski und der Fluch der weißen Möwe“ gegeben. Hat Ihnen das Spaß gemacht? Möchten Sie Ihre Schauspielkarriere gerne weiter ausbauen? Was würde Sie reizen?

Sero: Den „Tatort“ zu drehen war eine der coolsten Erfahrungen meines Lebens, richtiger Kindheitstraum. Und dann auch noch im Kieler „Tatort“ zu debütieren, neben Axel Milberg, unter der Regie von Hüseyin Tabak, das hat sich natürlich wie ein Ritterschlag angefühlt. Ich hätte sehr große Lust, noch weitere Ausflüge in die Schauspielbranche zu machen. Mal sehen, was mir das Universum da noch an Möglichkeiten offenbart. Am meisten Bock hätte ich darauf, mal so ein richtiges Arschloch zu spielen, so einen Draco-Malfoy-Typ [Figur aus „Harry Potter“, Anm. d. Red.]. Ich seh‘ doch eh schon so aus.

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