Algen könnten eine entscheidende Rolle im Kampf gegen den Klimawandel spielen. Sie speichern CO2, benötigen keine Düngemittel und finden bereits Anwendung in Lebensmitteln und als Rohstoff für Biokraftstoffe. Doch Europa muss seine Algenproduktion erheblich steigern, um diese Potenziale auszuschö…
Algen als Schlüsselressource für eine nachhaltige Zukunft?

Algen könnten eine entscheidende Rolle in der nachhaltigen Wirtschaft der Zukunft spielen, da sie als natürliche CO2-Speicher fungieren. In Asien, insbesondere in China und Indonesien, werden jährlich große Mengen Algen produziert, während Europa in der Algenproduktion noch hinterherhinkt.
Natürlicher CO2-Speicher im Meer
Algen sind Pflanzen, die durch Fotosynthese wachsen und dabei Kohlenstoffdioxid (CO2), Sonnenlicht und Wasser benötigen. Sie speichern CO2 und setzen Sauerstoff frei. Da Algen alle notwendigen Nährstoffe im Wasser finden, benötigen sie keine Düngemittel. In der Fischzucht eingesetzt, tragen sie zur natürlichen Reinigung des Wassers bei. Einige Algenarten, wie die Braunalge, können innerhalb weniger Monate mehrere Meter wachsen.
Algen in Lebensmitteln und als Energieträger
Bereits heute finden Algen Anwendung in der Lebensmittelindustrie, wo sie als Ersatz für Thunfisch dienen und in Tierfutter integriert werden. Zudem sind sie die Grundlage für Karrageen, einen Verdickungsmittelzusatz, der in Soßen und Speiseeis Verwendung findet. Algen können auch zur Herstellung von biologisch abbaubarem Plastik und Garn genutzt werden, jedoch geschieht dies bislang nicht in großem Umfang. Der Meeresbiologe David Aldridge vom norwegischen Forschungsinstitut SINTEF betont, dass Algen in Zukunft auch als Biokraftstoffe genutzt werden könnten, vorausgesetzt, die Produktion in Europa wird erheblich gesteigert.
Algenzucht: Europa steht erst am Anfang
In Europa werden derzeit etwa 290.000 Tonnen Algen produziert, wobei Norwegen, Frankreich und Irland die Hauptproduzenten sind. Dies entspricht weniger als einem Prozent der weltweiten Algenproduktion. Die Algenzucht in Europa hat erst vor rund 15 Jahren, hauptsächlich in Norwegen, begonnen. Die Methode, bei der Seile mit kleinen Algen ins Meer gelassen werden, wurde in den 1960er-Jahren auf den Philippinen mit Rotalgen entwickelt. Diese Technik erfordert jedoch viel Fachwissen, um die Qualität der Samen zu kontrollieren und die richtige Menge zu bestimmen, wie Ana Borrero, Leiterin der Forschungsabteilung des norwegischen Unternehmens Seaweed Solutions, erklärt.
Klimawandel bedroht Algen
Der Klimawandel stellt eine ernsthafte Bedrohung für viele Algenarten dar. Die Ice-Ice-Krankheit, die durch das Ausbleichen von Algen gekennzeichnet ist, wird durch steigende Meerestemperaturen begünstigt. Befallene Algen müssen oft vollständig vernichtet werden. Danilo Largo, Meeresbiologe an der University of San Carlos auf den Philippinen, hebt hervor, dass der Anstieg der Wassertemperatur die größte Herausforderung beim Algenanbau darstellt. Daher sei es dringend erforderlich, in den Ozeanen nach robusteren Algenarten zu suchen, da wilde Algenarten widerstandsfähiger sind als gezüchtete.
Die Zukunft von Algen als Rohstoff
Die Rolle von Algen als Rohstoff für Lebensmittel, Kosmetika und Kraftstoffe bleibt ungewiss. Es ist fraglich, ob es gelingt, die klimaschädliche Landwirtschaft und Massentierhaltung zu reduzieren, während Algen als Alternative an Bedeutung gewinnen. David Aldridge warnt, dass es zu einfach wäre zu behaupten, Algen könnten alle Probleme lösen. Dennoch sind sie eine umweltfreundliche Ressource, und in Anbetracht des Drucks, der durch die Landnutzung auf unserem Planeten lastet, ist die nachhaltige Nutzung der Ozeane von großer Bedeutung.
Quellen: deutschlandfunk, MDR
Bildquelle: Shutterstock / Zakharchuk








