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Anstieg der Tintenfischbestände in der Nordsee: Ursachen und Auswirkungen

Fischer in der Nordsee verzeichnen einen Anstieg der Tintenfischfänge, bedingt durch steigende Wassertemperaturen und veränderte Nahrungsbedingungen. Diese wichtigen ökologischen Veränderungen werfen Fragen zur zukünftigen Fischbestandsstabilität auf.

Wegen Wassererwärmung fluten jetzt tonnenweise Tintenfische die Nordsee
Marco Almbauer via Wikimedia Commons (CC0)

In der Nordsee beobachten Fischer einen markanten Anstieg bei den Tintenfischfängen. Diese Entwicklung wird vor allem den steigenden Wassertemperaturen zugeschrieben, die weitreichende Auswirkungen auf das marine Nahrungsnetz haben.

Wandel im Fangverhalten der Fischer

Bis vor kurzem dominierten Krabben und Kabeljau die Fangstatistiken der Nordsee. In den vergangenen Jahren hat sich dieses Muster jedoch deutlich verändert: Die Fischer fangen zunehmend mehr Kraken und Kalmare. Laut Hans Polet, dem wissenschaftlichen Direktor am flämischen Institut für Landwirtschafts- und Fischereiforschung, hat die Wassertemperatur im südlichen Abschnitt der Nordsee im letzten Jahrhundert um etwa vier Grad zugenommen.

Diese Temperaturerhöhung hat direkte Konsequenzen für die Fortpflanzung der Kraken, deren Eier Temperaturen zwischen neun und elf Grad benötigen, um sich zu entwickeln. Früher waren die Bedingungen in dieser Region hierfür ungünstig, aber mittlerweile sind die Gelege in beachtlicher Zahl überlebensfähig.

Verändertes Nahrungsangebot für Tintenfische

Die erhöhten Temperaturen haben auch das Nahrungsangebot in der Nordsee beeinflusst. Krabben, Krebse und Heringe sind weiterhin reichlich vorhanden und bilden eine optimale Nahrungsquelle für die wachsenden Bestände an Kraken und Kalmaren. Zugleich zeigt sich ein Rückgang bei der Kabeljaupopulation, die früher als natürlicher Feind der Tintenfische galt. Diese Situation resultiert aus der Unfähigkeit des Kabeljaus, sich in den wärmeren Gewässern effektiv fortzupflanzen.

Marktentwicklung und Exportmöglichkeiten

Die Veränderungen im Fangverhalten spiegeln sich auch in den Markttrends wider. Tom Premereur, Direktor der Flämischen Fischauktion, stellt fest, dass Tintenfische mittlerweile einen bedeutenden Anteil der Fänge ausmachen. Vor knapp neun Jahren waren sie kaum präsent, während sie heute über 20 Prozent der gesamten Fangmenge der flämischen Seefischerei ausmachen. Die flämische Agentur für Landwirtschaft und Seefischerei schätzt, dass sich dieser Trend bis 2025 fortsetzen wird.

Die Preise für Tintenfische schwanken zwischen fünf und neun Euro pro Kilogramm, was die Nachfrage anheizt. Ein Großteil der gefangenen Tintenfische wird in den Mittelmeerraum exportiert, insbesondere nach Italien, Südfrankreich und Spanien, wo die Bestände an Kraken und Kalmaren stark abgenommen haben aufgrund von Überfischung.

Ökologische Herausforderungen und Auswirkungen

Auch in Deutschland ist ein ähnlicher Trend festzustellen. Daniel Oesterwind vom Thünen-Institut für Ostseefischerei berichtet, dass Tintenfische im Jahr 2024 etwa 20 bis 21 Prozent des Umsatzes der deutschen bodennahen Schleppnetzfischerei ausmachten, im Vergleich zu lediglich einem Prozent im Jahr 2020. Arten wie der Langflossen- und Kurzflossenkalmar haben sich inzwischen dauerhaft in der Nordsee etabliert.

Oesterwind weist jedoch auf die gravierenden ökologischen Veränderungen in den Meeren hin. Tintenfische agieren als gefräßige Räuber und spielen eine Schlüsselrolle im marinen Ökosystem, da sie eine Vielzahl von Beutetieren fressen. Um die Fischerei nachhaltig zu gestalten, ist ein effektives Managementsystem erforderlich, das gegenwärtig fehlt.

Rückgang des Kabeljaus und seine Folgen

Der Anstieg der Tintenfischpopulationen steht in direktem Verhältnis zum Rückgang des Kabeljaus. In den 1970er Jahren betrug der Kabeljaubestand in der Nordsee noch etwa 270.000 Tonnen; bis 2006 war dieser dramatisch auf rund 44.000 Tonnen gefallen. Trotz einer teilweisen Erholung durch strengere Fangquoten zeigt der Bestand seitdem wieder einen rückläufigen Trend.

Obwohl die genauen Ursachen für den Rückgang des Kabeljaus nach wie vor unklar sind, vermuten Experten, dass sowohl die Erwärmung der Gewässer als auch veränderte Nahrungsnetze und eine schwächere Nachwuchsproduktion eine Rolle spielen. Diese Entwicklungen werfen essentielle Fragen zur künftigen Stabilität der Fischbestände in der Nordsee auf.

Überblick über Tintenfischarten

  • Krake/Oktopus: Acht Arme, kein Skelett, weicher und runder Körper, hohe Intelligenz.

  • Sepia: Acht Arme, zwei längere Fangtentakel, harter poröser Knochen, flacher Körper.

  • Kalmar: Acht Arme, zwei längere Fangtentakel, schlanker Körper, dreieckig oder rhombisch am hinteren Ende, schneller Schwimmer.


Quellen: Focus, Der Spiegel

Bildquelle: Marco Almbauer via Wikimedia Commons (CC0)

Dieser Text wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz in Zusammenarbeit mit unserer Redaktion erstellt.

Ricardo Bohn