Die norwegischen Biathleten trauern um Bakken und suchen trotzdem nach einem Weg zurück zur Normalität beim Weltcup in Oberhof.
Tragischer Tod erschüttert Biathlon-Team,Suche nach Normalität im Thüringer Wald nach dem Verlust eines Teamkollegen.

Die norwegischen Biathleten erleben den Weltcup in Oberhof in diesem Jahr anders als gewöhnlich: Anstelle von Vorfreude herrscht Trauer aufgrund des tragischen Todes ihres Kameraden Sivert Guttorm Bakken, der noch frisch in den Köpfen ist. Die erfolgreiche Mannschaft des Winters sucht gut zwei Wochen nach der Tragödie beim Saisonauftakt im Thüringer Wald nach Normalität.
«Es wird ein anderes Wochenende für uns alle. Das Wichtigste ist jetzt, aufeinander achtzugeben und dafür zu sorgen, dass die Athleten nach einer anspruchsvollen Weihnachtszeit eine sichere und positive Erfahrung machen», sagte Norwegens Teammanager Per Arne Botnan.
Die Norweger werden beim ersten der beiden deutschen Weltcups, der am Donnerstag (14.10 Uhr/ARD und Eurosport) mit dem Sprint der Männer beginnt, mit Trauerflor laufen, um Bakken zu gedenken. Zudem ist ein Gedenkmoment für Bakken geplant.
Frey startet und will Bakken ehren
Besonders für Isak Frey wird es nicht einfach. Der Norweger rückte für seinen gestorbenen Teamkollegen nach, sollte eigentlich im zweitklassigen IBU-Cup starten. «Die ganze Situation ist einfach furchtbar. Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich Siverts Platz einnehmen soll, bin dann aber zu dem Schluss gekommen, dass dies der beste Weg ist, ihn zu ehren», sagte der 22-Jährige dem norwegischen Sender NRK.
Johan-Olav Botn, der Gesamtweltcupführende, fällt aufgrund einer Krankheit aus, nachdem er seinen Freund am 23. Dezember tot in dessen Hotelzimmer im italienischen Lavazé gefunden hatte. Ebenso fehlt Sturla Holm Laegreid. Es bleibt abzuwarten, wie das Männer-Team, das bisher 13 Podestplätze (6 Siege) erreicht hat, die Tragödie verarbeitet, trotz der personellen Schwächung.
Warum starb Bakken?
Es ist immer noch unklar, warum der 27-jährige Bakken so plötzlich gestorben ist. Die endgültigen Ergebnisse der Autopsie werden erst am 7. März bekannt gegeben. Bakken, der 2022 aufgrund einer Herzmuskelentzündung zwei Jahre pausieren musste und sich nun ins Weltcupteam zurückgekämpft hatte, war mit anderen Teamkollegen in Italien zum Training. Bei seiner Entdeckung trug er eine Höhenmaske. Es wird untersucht, ob sie der Grund für seinen Tod war.
Klar ist, Bakken tat nichts Illegales. Nach Angaben von Anders Brun Hennum, Verantwortlicher für die Entwicklung im norwegischen Biathlon-Team, sei der Einsatz von solchen Masken im norwegischen Biathlon aber «sehr gering. Es gibt nur ganz wenige, die das genutzt oder ausprobiert haben», sagte Hennum. Er hatte Bakken seit dessen 14. Lebensjahr eng begleitet. Die Initiative und Verantwortung habe bei den Aktiven gelegen, mit den Trainern habe es lediglich einen Austausch darüber gegeben, ergänzte Hennum.
Nach dem Tod Bakkens teilte der norwegische Biathlonverband mit, dass solche Masken nicht Teil seiner offiziellen Trainingsprogramme seien. Der Verband hat nun die Verwendung bis auf weiteres untersagt. Simuliertes Höhentraining war in Norwegen zwischen 2003 und 2021 verboten.
Was bringen solche Masken?
«Simulierte Höhe wird niemals der entscheidende Faktor sein. Im besten Fall geht es darum, für jemanden, der bereits auf einem unglaublich hohen Niveau ist, noch etwas mehr herauszuholen», sagte Anders Overby, der neue Trainer der norwegischen Nationalmannschaft.
Was bewirkt jedoch eine frei verkäufliche Maske? Ausdauersportler verwenden Höhentraining, um die Produktion von roten Blutkörperchen zu steigern und somit den Sauerstofftransport zu verbessern. Dies soll die Leistungsfähigkeit erhöhen, selbst noch Wochen nach dem Training. Allerdings reagiert nicht jeder positiv darauf, darunter auch Gesamtweltcupsiegerin Franziska Preuß.
Die Masken machen das Atmen schwerer und ahmen durch verstellbare Ventile Höhenlagen von moderaten 2.000 Metern bis zu extremen Höhenlagen von über 6.000 Metern nach – und sind überall und jederzeit einsetzbar. Laut Studien sollen sie jedoch nicht den Effekt eines echten Höhentrainings haben. Die Olympia-Strecken in Antholz befinden sich auf etwa 1.600 Metern Höhe, das italienische Lavazé auf 1.800 Metern.
Die Regel, die über Leben und Tod entscheidet
Es gibt klare Regeln für die Verwendung von Atemschutzmasken: Man sollte sie nie alleine tragen. Im Falle einer Bewusstlosigkeit des Trägers sollten sie sich automatisch lösen, um die Sauerstoffzufuhr sofort wiederherzustellen. Andernfalls können die Folgen verheerend sein, wie im Fall des allein im Hotelzimmer gewesenen Bakken: Der Betroffene könnte ersticken, und irreversible Hirnschäden nehmen mit jeder Sekunde exponentiell zu.
Laut der norwegischen Zeitung «VG» sei die bei Bakken gefundene Maske so konfiguriert gewesen, dass sie eine Höhe von 7.000 Metern über dem Meeresspiegel simulierte. Zum Vergleich: Dies ist die Todeszone im Himalaya. Offen ist, ob Bakken die Maske selbst so einstellte, sie beim Abnehmen verstellt wurde, ein technischer Fehler vorlag oder doch andere Faktoren eine Rolle spielten.
Zeitung: Wada erwägt Verbot
Im Jahr 2006 hatte die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada nach einer umfassenden Überprüfung Hypoxie-Geräte wie Masken, Höhenzelte und -kammern nicht als Dopingmittel eingestuft. Die Wada war der Ansicht, dass ein möglicher Leistungsgewinn nur begrenzt und individuell unterschiedlich sei. Gleichzeitig warnte die Wada jedoch vor gesundheitlichen Risiken bei unsachgemäßer Nutzung.
Laut der spanischen Zeitung «Marca» soll die Wada ihre Position geändert haben und über ein Verbot nachdenken. Wada-Sprecher James Fitzgerald bestätigte das auf dpa-Nachfrage nicht: «Soweit mir bekannt ist, gibt es derzeit keine Absicht, diese Entscheidung erneut zu prüfen.»








