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Chinesische Produktion in Deutschland: Eine neue Ära für die Autobranche?

Die Autobranche steht vor massiven Umwälzungen: Während Porsche und Volkswagen Stellen streichen, wird über die Produktion chinesischer Elektroautos in deutschen Werken nachgedacht. Die Branche sucht dringend nach Lösungen für ihre existenziellen Herausforderungen.

Job-Kahlschlag in der Autobranche: Produzieren Chinesen bald in deutschen Werken?
KI-generiert

Die deutsche Automobilindustrie steht vor einer existenziellen Herausforderung. Angesichts massiver Stellenstreichungen bei Porsche und der bevorstehenden Sitzung des Volkswagen-Aufsichtsrats, in der Konzernchef Oliver Blume die Strategie zur Bewältigung der Krise präsentieren muss, wird die Diskussion um die Produktion chinesischer Elektrofahrzeuge in deutschen Werken immer lauter.

Der Druck auf Oliver Blume wächst. Am Donnerstag wird der Vorstandschef von Volkswagen dem Aufsichtsrat darlegen müssen, wie Europas größter Autobauer aus seiner schwersten Krise seit Jahrzehnten herauskommen kann. Die jüngsten Ankündigungen von Porsche, weitere 4000 Stellen abzubauen, haben die Sorgen der Arbeitnehmervertreter verstärkt. Der Stellenabbau gilt mittlerweile als unausweichlich.

Doch der Personalabbau allein wird nicht ausreichen, um die Herausforderungen der Branche zu meistern. Die entscheidende Frage bleibt, wie die Werke künftig ausgelastet werden können. Die Probleme sind bekannt: Die Nachfrage nach Elektroautos entwickelt sich schwächer als erwartet, und deutsche Hersteller verlieren auf dem chinesischen Markt zunehmend Marktanteile an die heimische Konkurrenz.

Stellenabbau allein reicht nicht aus

Die Diskussion hat sich grundlegend verändert. Statt Wachstum steht nun die Auslastung der Werke im Mittelpunkt. In diesem Kontext gewinnt die Idee an Bedeutung, dass deutsche Fabriken möglicherweise Fahrzeuge chinesischer Hersteller oder chinesisch entwickelte Modelle produzieren könnten. Diese Überlegungen wurden nicht zuletzt durch Volkswagen selbst angestoßen, als Konzernchef Oliver Blume im Frühjahr die Möglichkeit einer Fertigung chinesischer Fahrzeuge in europäischen VW-Werken thematisierte.

Obwohl VW-Markenchef Thomas Schäfer diese Überlegungen später relativierte, zeigt die wirtschaftliche Realität, dass der Handlungsdruck wächst. Auch die Politik hält den Gedanken inzwischen für diskussionswürdig. Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Olaf Lies hat sich dafür ausgesprochen, die Produktion chinesischer Fahrzeuge in deutschen Werken zumindest zu prüfen. Ähnlich äußerte sich Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter.

Das Tabu bröckelt

Für Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer ist dies ein realistischer Ansatz. „Bei VW könnte ich mir vorstellen, dass das funktioniert“, sagt er. Preis und Technologie seien wettbewerbsfähig. Die Zusammenarbeit mit dem jungen chinesischen Elektroautohersteller Xpeng eröffnet Volkswagen neue Möglichkeiten. VW und Xpeng entwickeln gemeinsam Software und Fahrzeugarchitekturen für Elektroautos, was perspektivisch auch die Produktion von Fahrzeugen für den europäischen Markt in bestehenden VW-Werken ermöglichen könnte.

Dudenhöffer betont, dass die Produktion chinesischer Modelle helfen könnte, industrielle Arbeitsplätze zu erhalten, auch wenn die Entwicklung und ein großer Teil der Wertschöpfung weiterhin in China bleiben. Gleichzeitig macht er deutlich, dass sich die Kräfteverhältnisse in der Branche stark verschoben haben. Chinesische Hersteller sind mittlerweile führend in Bereichen wie Batterietechnik und Software.

Deutschland als Produktionsstandort unter Druck

Dennoch ist das Modell nicht als Allheilmittel für Deutschland zu betrachten. Dudenhöffer äußert Zweifel, ob große chinesische Hersteller wie BYD in Deutschland produzieren werden. Diese haben bereits Werke in Ungarn und der Türkei in Planung, da Deutschland aufgrund seiner hohen Kosten als Produktionsstandort kaum konkurrenzfähig ist. „Die Chinesen brauchen keine deutschen Standorte, sie brauchen europäische Standorte“, sagt Dudenhöffer.

Volkswagen steht besonders unter Druck, da der Konzern über Fabriken, Fachkräfte und industrielle Kompetenz verfügt, jedoch die Auslastung fehlt. Die Debatte über die Produktion chinesischer Fahrzeuge in deutschen Werken könnte eine Lösung bieten. Ob Oliver Blume diesen Weg einschlagen will, bleibt abzuwarten. Fest steht jedoch, dass der angekündigte Stellenabbau allein nicht die Zukunftsfrage des Konzerns beantworten kann.

Wenn der VW-Aufsichtsrat am Donnerstag über den nächsten Sparkurs berät, geht es um mehr als nur Einsparungen. Es stellt sich die Frage, welches Geschäftsmodell Deutschlands größter Autobauer in Zukunft verfolgen möchte. Dudenhöffer vermisst bislang eine überzeugende Strategie: „Ich muss ein Ziel haben und nicht nur sagen: Heute bauen wir 50.000 Stellen ab, morgen 100.000 und übermorgen 150.000. Das ist keine Strategie.“


Quellen: n-tv, Berliner Morgenpost

TS