Das Tempo der unterirdischen Verpressung hat in den vergangenen Jahren spürbar angezogen.
CO2-Deponierung im Tiefgestein erreicht Höchststand von 43,6 Millionen Tonnen

Exakt 43,6 Millionen Tonnen Kohlendioxid haben Betreiber von Speicheranlagen im Verlauf des Jahres 2024 tief in unterirdische Gesteinsschichten verpresst. Nie zuvor ist innerhalb von zwölf Monaten eine derart große Menge des Treibhausgases künstlich im Erdreich eingeschlossen worden. Dies belegt der Jahresbericht 2026 des London Register of Subsurface CO2 Storage, der von Wissenschaftlern des Imperial College London zusammengestellt wird. Kumuliert summiert sich das Volumen über die zurückliegenden drei Jahrzehnte mittlerweile auf mindestens 421,7 Millionen Tonnen Kohlendioxid, die der Atmosphäre entzogen oder direkt an Entstehungsorten wie Fabrikschloten und Kraftwerken abgefangen wurden.
Geografische Verteilung und weltweites Wachstum der Endlager
Das Tempo der unterirdischen Verpressung hat in den vergangenen Jahren spürbar angezogen. Seit dem Jahr 2016 hat sich die jährlich im Untergrund isolierte Menge an Treibhausgasen mehr als verdoppelt. Die britischen Forscher erfassen in ihrer aktuellen Bestandsaufnahme inzwischen 70 aktive Vorhaben in 17 Ländern, die sich über sechs Kontinente verteilen. Die Technik hat damit ihren rein experimentellen Status verlassen und erstreckt sich über ein weit verzweigtes Netz internationaler Standorte.
Samuel Krevor, der als Direktor das London Register of Subsurface CO2 Storage leitet, ordnete die Entwicklung in einer Stellungnahme ein:
„Die geologische CO2-Speicherung ist zu einem globalen Unterfangen geworden.“
Dass kontinuierlich neue Staaten hinzukämen und zusätzliche Speicherstätten in Betrieb genommen würden, belege laut Krevor, dass sich die Methode im industriellen Maßstab technisch etabliert habe. Zu den jüngsten Neuzugängen im Kreis der anwendenden Nationen zählen unter anderem Neuseeland und Italien, während in Norwegen im August 2025 das viel beachtete Infrastrukturprojekt Northern Lights mit der dauerhaften Einlagerung begann.
Die Verteilung der weltweiten Speicherkapazitäten konzentriert sich derzeit stark auf wenige Schwerpunkte:
- Vereinigte Staaten: Mit 23 registrierten Einzelprojekten stellen die USA den größten Standort dar; hier wurden 2024 insgesamt 20,2 Millionen Tonnen im Untergrund eingelagert.
- Brasilien: Im Santos-Becken vor der Küste betreibt der Energiekonzern Petrobras das weltweit größte Einzelvorhaben, auf das 2024 allein 14,2 Millionen Tonnen entfielen – rund ein Drittel des gesamten globalen Volumens.
- Australien und China: Beide Staaten meldeten für den gleichen Zwölfmonatszeitraum jeweils 1,7 Millionen Tonnen gebundenes Gas.
- Weitere beteiligte Nationen: Unter anderem Kanada, Saudi-Arabien, Algerien, Katar, Kroatien, Ungarn, Japan, Island und die Vereinigten Arabischen Emirate betreiben aktive Anlagen.
Fossile Förderinteressen dominieren die Verpressung
Trotz der Einordnung als Maßnahme zur Schadstoffminderung offenbart der Blick auf den praktischen Zweck der Anlagen einen deutlichen industriellen Hintergrund. Bei mehr als 80 Prozent aller bisherigen Verpressungen handelt es sich um sogenannte EOR-Verfahren (Enhanced Oil Recovery), die unmittelbar an die kommerzielle Erdölförderung gekoppelt sind. Konzerne pumpen das Treibhausgas gezielt in alternde Lagerstätten, um den dortigen Druck zu erhöhen und schwer zugängliche Rohölreserven an die Erdoberfläche zu pressen.
Diese Kopplung an die Rohstoffförderung wirft grundlegende methodische Fragen bei der Klimabilanzierung auf. In Teilen der erfassten Projekte bleibt bisher unklar, inwieweit das Treibhausgas gegengerechnet wird, das zusammen mit dem geförderten Erdöl wieder nach oben transportiert und anschließend erneut in die Tiefe gepumpt werden muss. Fachleute verweisen darauf, dass eine mehrfache Zählung der gleichen Gasmengen die statistische Nettoentlastung verzerren könnte.
Für das Jahr 2025 deuten die vorläufigen Zahlen bereits auf eine weitere Beschleunigung hin, obgleich die Datenbasis noch unvollständig ist. Bislang haben 29 Vorhaben aus zwölf Staaten eine kumulierte Einlagerungsmenge von 36,2 Millionen Tonnen übermittelt. Mehrere Großanlagen in den USA haben ihre Endabrechnungen für diesen Zeitraum noch nicht eingereicht. Allerdings meldete Petrobras für sein Projekt im Santos-Becken für 2025 bereits eine Steigerung auf 19,6 Millionen Tonnen.
Das Missverhältnis zwischen Speicherleistung und Gesamtemissionen
Setzt man die gemeldeten Spitzenwerte in Relation zum globalen Gesamtausstoß, wird das Missverhältnis zwischen technischer Einlagerung und tatsächlicher Umweltbelastung sichtbar. Erhebungen des Global Carbon Project beziffern den Ausstoß an Kohlendioxid aus fossilen Quellen im Jahr 2024 weltweit auf rund 37,4 Milliarden Tonnen. Die Rekordmenge von 43,6 Millionen Tonnen, die im selben Jahr im Gestein verschwand, deckt lediglich etwa 1,2 Promille dieser anthropogenen Freisetzung ab.
Die Differenz zwischen Ist-Zustand und den theoretischen Vorgaben für das Erreichen völkerrechtlicher Vereinbarungen ist gravierend. Direktor Samuel Krevor verdeutlichte die notwendige Dimension für die kommenden Jahrzehnte:
„Um das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Abkommens zu erreichen, muss die geologische CO2-Speicherung laut allen Projektionen bis 2050 auf eine Milliarde Tonnen oder mehr pro Jahr wachsen.“
Ein solches Ziel erfordert eine Steigerung um mehr als das Zwanzigfache des aktuellen Volumens. Ob ein derartiger Ausbau logistisch, geologisch und ökonomisch realistisch ist, bleibt in der Fachwelt heftig umstritten.
Rechtlicher Wandel in Deutschland und Kritik von Umweltverbänden
In Deutschland waren unterirdische Speicher lange Zeit praktisch blockiert. Dies änderte sich mit einer grundlegenden Neuregelung durch den Gesetzgeber: Der Deutsche Bundestag beschloss Ende 2025 eine Novelle des Kohlendioxid-Speicherungsgesetzes, mit der die kommerzielle Abscheidung und Endlagerung rechtlich ermöglicht wurde. Der Schwerpunkt der nationalen Planungen liegt dabei auf Offshore-Arealen unter dem Grund der Nordsee. Zudem räumt das Bundesgesetz den Bundesländern das Recht ein, Speicherstätten an Land innerhalb ihrer jeweiligen territorialen Grenzen zuzulassen.
Umweltverbände begegnen der Technologie mit erheblicher Skepsis und fundierten Vorbehalten. Sie stufen das Verfahren als extrem teuer und ökologisch riskant ein. Kritiker befürchten unkalkulierbare Langzeitrisiken durch unbemerktes Entweichen des Gases, mögliche induzierte Erdbeben sowie Grundwasserverunreinigungen. Zudem argumentieren Umweltorganisationen, dass milliardenschwere Investitionen in Verpressungsanlagen die Transformation hin zu echten Nullemissions-Technologien verzögern und fossilen Geschäftsmodellen unter dem Deckmantel des Klimaschutzes ein künstliches Überleben sichern.
Quellen: n-tv, chemie
Bildquelle: Jean-Paul Wettstein auf Pexels
Dieser Text wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz in Zusammenarbeit mit unserer Redaktion erstellt.








