Wussten Sie, dass der Klippschliefer der wahre Eierbringer zu Ostern sein könnte? Eine fehlerhafte Übersetzung des Kirchenvaters Hieronymus sorgte dafür, dass der Hase die Rolle übernahm. Der Artikel beleuchtet die Hintergründe und die erstaunliche Verwandtschaft des Klippschliefers.
Der wahre Osterhase: Welches Tier eigentlich die Eier bringen sollte

Wenn die biblische Überlieferung biologisch korrekt gewesen wäre, würde nicht der Hase, sondern der Klippschliefer den Kindern zu Ostern die Eier bringen. Der Ursprung dieses Missverständnisses geht auf den Kirchenvater Augustinus zurück.
Die genaue Entstehung des Mythos vom Osterhasen ist unklar, jedoch gibt es zahlreiche Theorien. Fest steht, dass der Hase durch den Kirchenvater Hieronymus, der die Bibel ins Lateinische übersetzte, in die biblische Tradition eingeführt wurde.
Fehlerhafte Übersetzung führt zum Osterhasen
Hieronymus übersetzte im vierten Jahrhundert das hebräische Wort „shapan“ (Klippschliefer) fälschlicherweise mit „lepus“ oder „lepusculus“, was Hase oder Häschen bedeutet. Diese Übersetzung führte dazu, dass der Hase in der Bibel den Platz einnahm, der eigentlich dem Klippschliefer zustand.
Obwohl Klippschliefer in ihrer Erscheinung Ähnlichkeiten mit Kaninchen oder übergewichtigen Murmeltieren aufweisen, gehören sie biologisch nicht zu den Nagetieren oder „Hasenartigen“. Vielmehr bilden sie eine eigene Familie, die eng mit Elefanten und Seekühen verwandt ist.
Lebensraum und Bedeutung des Klippschliefers
Diese kleinen Tiere sind vor allem in Afrika und Westasien verbreitet und leben in felsigen Gebieten, wo sie sich in Felsspalten und Höhlen verstecken können. Der Name „Klippschliefer“ könnte sich von „Klippe“ ableiten, was so viel wie „Felsenschläfer“ bedeutet.
In modernen Bibelausgaben wurde der Hase mittlerweile durch den Begriff „Klippdachs“ ersetzt, was jedoch für den Klippschliefer zu spät kommt, da der Hase als „Ostereierbringer“ längst etabliert ist.
Der Klippschliefer und der Name Spaniens
Die Ähnlichkeit des Klippschliefers mit Hasen hat auch zur Namensgebung Spaniens beigetragen. In der Antike waren Wildkaninchen fast ausschließlich auf der iberischen Halbinsel und in Südfrankreich verbreitet.
Als die Phönizier um 1100 vor Christus nach Spanien kamen, hielten sie die dort lebenden Kaninchen fälschlicherweise für Klippschliefer. Aufgrund der großen Anzahl an Kaninchen gaben sie der iberischen Halbinsel den Namen „I-Shapan-im“ (Land der Schliefer), was später zum lateinischen „Hispania“ führte.
Besondere Eigenschaften des Klippschliefers
Der Klippschliefer ist das einzige Tier, das als Namensgeber für ein ganzes Land fungierte. Darüber hinaus können aus den versteinerten Exkrementen des Klippschliefers auch Parfums hergestellt werden. Diese Tiere nutzen gemeinsame Kot- und Urinplätze, die über Jahre hinweg von der gesamten Kolonie verwendet werden.
Das sogenannte „Hyraceum“, das aus diesen „Klippschliefertoiletten“ gewonnen wird, wird anschließend pulverisiert und in reinem Alkohol aufgelöst. Der Duft erinnert an eine Mischung aus Moschus, Bibergeil, Zibetöl und Tabak.
Mario Ludwig, ein renommierter Tierbuchautor, hat über 30 Bücher veröffentlicht und ist bekannt für seine „Unglaublichen Geschichten aus dem Tierreich“, die in den deutschen Bestsellerlisten vertreten sind.
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