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Droht Fachhändlern nach dem jähen Nachfrageeinbruch das wirtschaftliche Aus?

Wie gravierend der Umschwung ausfällt, belegen die jüngsten Erhebungen des Caravaning Industrie Verbands (CIVD) für das Jahr 2026. In den ersten neun Monaten des Jahres wurden bundesweit 57.890 neu zugelassene Reisemobile behördlich erfasst.

Wohnmobile: Der Markt bricht ein
Bildquelle: Sjoerd Verhelst auf Unsplash

Verglichen mit der anhaltenden Hochkonjunktur vergangener Jahre, in denen die Reiselust auf vier Rädern für historische Höchststände sorgte, durchlebt die Freizeitfahrzeugbranche gegenwärtig einen tiefgreifenden Wandel. Wo einst lange Vorlaufzeiten und ausverkaufte Kontingente den Markt bestimmten, zeichnet sich bereits seit dem Sommer 2025 eine spürbare Kehrtwende ab. Das veränderte Konsumverhalten hinterlässt tiefe Spuren im Vertriebsnetz, da die Nachfrage nach mobilen Ferienunterkünften kontinuierlich schwindet und die Standflächen des Handels zusehends überquellen.

Registrierungsdaten spiegeln den abrupten Nachfragerückgang wider

Wie gravierend der Umschwung ausfällt, belegen die jüngsten Erhebungen des Caravaning Industrie Verbands (CIVD) für das Jahr 2026. In den ersten neun Monaten des Jahres wurden bundesweit 57.890 neu zugelassene Reisemobile behördlich erfasst. Dieser Wert entspricht einem Rückgang um 7,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Auch das traditionelle Segment der Wohnanhänger büßte an Zuspruch ein: Hier sanken die Zulassungen um 4,8 Prozent auf insgesamt 15.396 neu zugelassene Wohnwagen.

Besonders die Auswertungen des Sommer- und Frühherbstgeschäfts verdeutlichen das Ausmaß des Nachfrageknicks:

  • Im dritten Quartal verbuchten die Behörden lediglich 14.037 neue Reisemobile, was einem Absacken um 22,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal entspricht.
  • Der Abwärtstrend beschleunigte sich dabei kontinuierlich und weitete die monatlichen Fehlbeträge sukzessive aus.
  • Auch das Wohnwagensegment geriet im dritten Quartal unter Druck und sackte um 11,1 Prozent unter den entsprechenden Vorjahreswert ab.

Ein besonders deutlicher Einschnitt war im September zu verzeichnen. Hatte dieser Kalendermonat im Vorjahr noch historische Bestmarken aufgestellt, konnte das Niveau im Jahr 2026 zu keinem Zeitpunkt mehr erreicht werden.

Erdrückende Zinslast und überfüllte Verkaufshöfe belasten Vertriebspartner

Die Folgen dieser Entwicklung treffen die Betriebe mit voller Härte. Da motorisierte Basisfahrzeuge im Einkauf mit rund 20.000 Euro kalkuliert werden müssen – ein Betrag, von dem das Fahrgestell eines gewöhnlichen Wohnwagens nur einen Bruchteil ausmacht –, binden unverkäufliche Wohnmobile enorme Mengen an Liquidität. Weil die Bestände über Banken vorfinanziert sind, treiben die laufenden Zinsaufwendungen die Betriebskosten drastisch in die Höhe.

Hersteller kalkulierten Nachfrage zu optimistisch

Verstärkt wird die finanzielle Schieflage durch gravierende Fehlplanungen der Hersteller, die den Bedarf weit überschätzten und ein massives Überangebot aufbauten. Auf vielen Höfen stehen Einheiten seit mehr als 24 Monaten unbewegt. Derartige Langsteher erfordern vor einer Übergabe an Kunden teure sowie zeitintensive technische Instandsetzungen und lassen sich meist nur noch über erhebliche Preisabschläge veräußern.

Liquiditätsengpässe schüren Furcht vor Unternehmensinsolvenzen

Branchenbeobachter schlagen angesichts der schwindenden Barreserven Alarm und warnen vor einer Welle an Unternehmensinsolvenzen im Fachhandel. Da große Teile des Betriebskapitals auf den Parkflächen feststecken, können viele Händler ihre fixen Betriebsausgaben kaum mehr bewältigen.

Dieses Phänomen beschränkt sich jedoch keineswegs auf den Freizeitsektor, sondern fügt sich in die allgemeine Krise des produzierenden Gewerbes ein. Ein prominentes Beispiel für die grassierende Kaufzurückhaltung liefert die traditionsreiche Vollmer Gruppe, deren Geschichte mehr als 100 Jahre zurückreicht. Der renommierte Maschinenbauer aus Biberach stellte am 21. Oktober 2026 einen Insolvenzantrag in Eigenverwaltung.

Die schwierige Marktsituation und das zurückhaltende Investitionsverhalten der Kunden hätten es notwendig gemacht, ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung zu beantragen, um die Firma für die Zukunft neu auszurichten, teilte die Vollmer Gruppe mit.

Am Standort Biberach sind 450 Beschäftigte von der Sanierung betroffen. Deren Entgelte werden für drei Monate über das Insolvenzgeld abgedeckt.

Restrukturierung als einziger Ausweg aus der Schieflage

Der Ausblick für den gesamten Sektor bleibt herausfordernd. Die Kombination aus zögerlichen Privatkunden, hohen Finanzierungszinsen und gefüllten Ausstellungsräumen zwingt zu schmerzhaften Anpassungen. Entscheidend für den Caravaninghandel wird sein, wie schnell das aufgelaufene Überangebot reduziert werden kann, ohne dass massive Preisnachlässe die operativen Margen komplett vernichten. Eine nachhaltige Entspannung ist erst dann in Sicht, wenn das Marktgleichgewicht wiederhergestellt ist.


Quellen: t-online, stern

Bildquelle: Bildquelle: Sjoerd Verhelst auf Unsplash

Dieser Text wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz in Zusammenarbeit mit unserer Redaktion erstellt.

TS