Ein Abschluss des Abkommens erscheint nach Angaben einer kanadischen Quelle bereits vor dem Urnengang am 3. November greifbar, wenngleich Washington weiterhin auf zusätzliche Zugeständnisse aus dem Nachbarland pocht.
Druck vor den Kongresswahlen zwingt Washington zu neuen Gesprächen mit Kanada

Abgaben von bis zu 50 Prozent auf Stahl sowie 25 Prozent auf Fahrzeuge stehen aktuell im Mittelpunkt vertraulicher Regierungsgespräche zwischen Washington und Ottawa. Wie mehrere mit den Verhandlungen vertraute Personen aus beiden Staaten berichteten, streben die Nachbarländer eine zeitnahe Übereinkunft an, um die drückenden Handelshemmnisse noch vor den anstehenden Zwischenwahlen abzubauen. Die bilateralen Kontakte werden auf US-Seite federführend von Handelsminister Howard Lutnick vorangetrieben, der sich in regelmäßigem Austausch mit dem zuständigen kanadischen Minister Dominic LeBlanc befindet.
Verhandlungen über weitreichende Zollerleichterungen
Ein Abschluss des Abkommens erscheint nach Angaben einer kanadischen Quelle bereits vor dem Urnengang am 3. November greifbar, wenngleich Washington weiterhin auf zusätzliche Zugeständnisse aus dem Nachbarland pocht. Aus dem Ministerium von Dominic LeBlanc verlautete hierzu offiziell:
„Wir befinden uns in einem konstruktiven Dialog mit den Vereinigten Staaten und sind zu einer Handelsbeziehung bereit, die für beide Seiten von Vorteil ist.“
Das angestrebte Abkommen soll die stark abgekühlten Beziehungen wieder stabilisieren, nachdem vorangegangene Verhandlungsrunden im August abrupt gescheitert waren. Der aktuelle Verhandlungsgegenstand umfasst im Wesentlichen folgende Kernbereiche:
- Eine spürbare Absenkung der Zollsätze auf kanadische Stahlimporte, die aktuell mit bis zu 50 Prozent belegt werden können
- Erleichterungen für die grenzüberschreitende Automobilindustrie bei bestehenden Abgabensätzen von 25 Prozent
- Lösungen für den Streit um Sonderabgaben auf mittelschwere und schwere Nutzfahrzeuge, an denen die Gespräche im Spätsommer gestockt hatten
Eskalation nach dem Abbruch der August-Gespräche
Der Konflikt hatte sich im Spätsommer drastisch zugespitzt. Nach dem Zusammenbruch der damaligen Konsultationen verhängte US-Präsident Donald Trump zusätzliche Handelsschranken, die ein Warenvolumen von rund 20 Milliarden US-Dollar erfassten. Die betroffenen Güter reichten von Baustoffen wie Zement bis hin zu Sportartikeln wie Hockeyschlägern. Ottawa antwortete seinerzeit umgehend mit identischen Vergeltungsmaßnahmen auf US-amerikanische Ausfuhren, woraufhin das Weiße Haus weitere Sonderabgaben von bis zu 50 Prozent auf ausgewählte Warengruppen anordnete.
Zuletzt hatte US-Präsident Trump zudem gedroht, die Importzölle auf kanadischen Stahl und Pkw zum 1. Januar 2027 pauschal auf 50 Prozent anzuheben. Erste Anzeichen einer Entspannung zeichneten sich jedoch bereits ab: Per Dekret setzte der amtierende Präsident am vergangenen Freitag bereits Zölle von 50 Prozent auf bestimmte Agrar- und Forstgüter aus Kanada außer Kraft.
Wahldruck treibt die Suche nach Kompromissen
Der spürbare Umschwung im Weißen Haus erfolgt vor dem Hintergrund historisch schwacher Umfragewerte für US-Präsident Donald Trump. Seiner Republikanischen Partei droht bei den Zwischenwahlen am 3. November der Verlust der Parlamentsmehrheiten im Kongress. Vor allem Parteifreunde in den grenznahen Bundesstaaten sehen in dem Handelsdisput eine massive Belastung für ihren Wahlkampf, da lokale Betriebe und Lieferketten unter den wechselseitigen Barrieren leiden.
Präsident Trump selbst deutete bei einem Wahlkampfauftritt in Port Huron im Bundesstaat Michigan – einer Grenzregion, die besonders hart von den Maßnahmen betroffen ist – eine rasche Einigung an. Er erklärte vor seinen Anhängern:
„Wir werden das ziemlich bald geregelt haben. Sie sind in diesem Moment bereit, uns alles zu geben.“
Gleichzeitig verteidigte Trump seine protektionistische Linie und warf dem nördlichen Partner vor, die Vereinigten Staaten über viele Jahre hinweg ausgenutzt zu haben. Marktbeobachter werten die jüngste Kompromissbereitschaft dennoch vor allem als taktischen Befreiungsschlag, um republikanische Mandate in den umkämpften Grenzregionen zu sichern und eine drohende Niederlage bei den Kongresswahlen abzuwenden.
Quellen: n-tv, AFP
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