In der Ostsee ist der Buckelwal Timmy auf einer Sandbank gestrandet, während im Rhein vor 60 Jahren ein Belugawal namens Moby Dick gesichtet wurde, was bundesweit für Aufsehen sorgte.
Ein Wal im Rhein: Die Geschichte von Moby Dick und seine Irrfahrt

In der Ostsee kämpfen Fachleute derzeit um das Überleben eines Buckelwals, der als Timmy oder Hope bekannt ist. Diese Situation erinnert an einen ähnlichen Vorfall, der sich vor 60 Jahren im Rhein ereignete, als ein Wal namens Moby Dick gesichtet wurde.
Der Buckelwal Timmy ist aktuell auf einer Sandbank in der Ostsee bei der Insel Poel gestrandet. Solche Vorkommnisse sind zwar selten, jedoch nicht ohne historische Parallelen. Im Jahr 1966 wurde ein Belugawal, der später den Namen Moby Dick erhielt, im Rhein gesichtet, was damals für großes Aufsehen sorgte.
Die Geschichte von Moby Dick begann am 18. Mai 1966, als Schiffer der Wasserschutzpolizei berichteten, einen weißen Wal im Rhein bei Duisburg-Neuenkamp gesehen zu haben. Zunächst wurde dies für unglaubwürdig gehalten, und die Schiffsbesatzung musste sich einem Alkoholtest unterziehen, um zu beweisen, dass sie nicht unter dem Einfluss standen.
Nach anfänglichem Zweifel stellte sich heraus, dass tatsächlich ein Wal im Rhein schwamm. Dies führte zu einer beispiellosen Jagd auf das Tier, wie die Wasserschutzpolizei später berichtete. Der Zoologe Wolfgang Gewalt, der damals Direktor des Duisburger Tierparks war, schloss sich der Wasserschutzpolizei an, um den Wal zu fangen und in seinem Tierpark auszustellen.
Die Jagd nach dem Wal gestaltete sich jedoch als äußerst schwierig. Trotz aller Bemühungen, das Tier mit Netzen und Betäubungsmitteln zu fangen, gelang es nicht, es zu erwischen. Währenddessen zeigte ein großer Teil der Bevölkerung Mitgefühl mit dem Wal und hoffte auf dessen Flucht.
Schließlich gelang es Moby Dick, seinen Verfolgern zu entkommen und im Ijsselmeer in den Niederlanden aufzutauchen, wo er den Namen „Willi de Waal“ erhielt. Die niederländischen Behörden versuchten, den Wal zurück in die Nordsee zu drängen, doch dieser hatte andere Pläne und kehrte in den Rhein zurück, wo er am 11. Juni 1966 in Köln gesichtet wurde.
Nach weiteren Aufenthalten, unter anderem in Bonn, fand die Geschichte von Moby Dick ein glückliches Ende. Knapp eine Woche nach seinem Besuch in Köln verließ der Wal den Rhein und schwamm zurück in die Nordsee, wo er laut Wasserschutzpolizei in die „rettenden Fluten“ verschwand.
Die genauen Umstände, wie Moby Dick in den Rhein gelangte, sind unklar. Wolfgang Gewalt äußerte in einem späteren Buch, dass der Wal möglicherweise auf einem Dampfer über die Nordsee in ein britisches Ozeanarium gebracht werden sollte. Ein Sturm könnte dazu geführt haben, dass das Tier zusammen mit drei weiteren Artgenossen über Bord ging und so in den Rhein gelangte.
Die Geschichte des Wals im Rhein inspirierte die Familie Schmitz zum Bau des Fahrgastschiffs „MS Moby Dick“, das bis heute auf dem Rhein verkehrt.
Bildquelle: ai-generated-gemini








