Trotz tiefster Trauer gewann Tommaso Giacomel das Sprintrennen mit 13,2 Sekunden Vorsprung und widmete den Sieg seinem verstorbenen Freund.
Italiener Giacomel gewinnt Biathlon-Weltcup in Oberhof und widmet Sieg verstorbenem Freund

Tommaso Giacomel streckte den rechten Arm mit dem Trauerflor nach oben und schaute mit Tränen in den Augen zum Himmel. Trotz der tiefen Trauer um seinen plötzlich verstorbenen Freund Sivert Guttorm Bakken gewann der Italiener das Sprintrennen zum Start des Biathlon-Weltcups in Oberhof.
Nach zehn Kilometern hatte Giacomel einen Vorsprung von 13,2 Sekunden auf den zweitplatzierten Philipp Nawrath und widmete Bakken den Sieg. Johannes Dale-Skjevdal aus Norwegen wurde Dritter mit einem Rückstand von 25,2 Sekunden, den Giacomel im Zielbereich umarmte.
Trotz Sieges keine Freude
«Es ist richtig komisch heute. Es ist einer meiner besten Tage im Biathlon und gleichzeitig einer meiner schlechtesten, weil Sivert nicht mehr hier ist. Das macht mich extrem traurig», sagte der Italiener in der ARD. Auf die Frage, ob es ein Sieg für Bakken war, sagte er: «Ja.» Trotz des Erfolges könne er sich nicht freuen, so der 25-Jährige, der auch bei der Siegerehrung wie Dale-Skjevdal und dessen Teamkollege Martin Uldal (5.) mit den Tränen kämpfte. Freude kam nicht auf.
Bewegende Zeremonie für Bakken
Zusammen mit den Norwegern gedachte Giacomel bei einer bewegenden und tränenreichen Zeremonie Bakken. Etwa zwei Wochen nach dem plötzlichen Tod des 27-jährigen Norwegers stand der erste Weltcup des Olympia-Jahres ganz im Zeichen der Trauer. Giacomel und die Norweger weinten während der Gedenkminute, hielten die für Bakken reservierte Startnummer 1 in den Händen, applaudierten tapfer und liefen mit einem Trauerflor am Arm über die 10 Kilometer.
Nawrath war zu diesem Zeitpunkt noch nicht in der Arena, wusste aber um die Zeremonie. «Das war alles sehr hart und emotional», sagte Nawrath. Bei einem Zusammentreffen am Vortag sei Giacomel sehr geknickt gewesen. Das habe er aber richtig gut ablegen können «oder gerade deshalb vielleicht so ein Rennen geliefert».
Nawrath freut sich über Rang zwei
Der 32-Jährige freute sich trotz der Umstände über seinen zweiten Rang und seinen ersten Podestplatz im Olympia-Winter. «Es ist echt eine Riesenerleichterung», sagte er. Philipp Horn war als Siebter zweitbester Deutscher. David Zobel wurde guter Zwölfter und schaffte die halbe Olympia-Norm, Lucas Fratzscher belegte Rang 16. Damit verschaffte sich das Quartett eine gute Voraussetzung für die Verfolgung am Samstag (12.00 Uhr/ARD und Eurosport).
Im Fokus des ersten Rennens nach dem Tod von Bakken standen aber Giacomel und die Norweger. «Wir erwarten nicht viel von uns hier. Wir wollen Sivert ehren», sagte Vetle Sjåstad Christiansen vor dem Rennen. Der Gesamtweltcupführende Johan-Olav Botn, der seinen Freund am 23. Dezember tot in dessen Hotelzimmer im italienischen Lavazé gefunden hatte, war wegen einer Erkrankung ebenso wie Sturla Holm Laegreid nicht nach Thüringen gereist.
Die Beerdigung von Bakken findet am nächsten Dienstag in Lillehammer statt. Laut Teammanager Per Arne Botnan werden viele Mitglieder des norwegischen Teams anwesend sein, wie er den norwegischen Medien bestätigte. Wir fliegen am Montag nach Norwegen, um nach der Beerdigung am Dienstagabend nach Deutschland zurückzukehren. Am Mittwoch beginnt der Weltcup in Ruhpolding mit der Frauen-Staffel.








