Ein Feuerwehrmann aus Sachsen gewinnt vor dem Amtsgericht Eilenburg seinen Einspruch gegen eine Geschwindigkeitsübertretung während einer Einsatzfahrt. Die Entscheidung könnte weitreichende Folgen für die rechtliche Behandlung von Einsatzfahrzeugen haben.
Gericht spricht Feuerwehrmann nach Geschwindigkeitsüberschreitung frei

Ein 55-jähriger Feuerwehrmann aus Sachsen konnte erfolgreich gegen einen Bußgeldbescheid ankämpfen, der ihm wegen einer Geschwindigkeitsüberschreitung während einer Einsatzfahrt auferlegt wurde. Das Amtsgericht Eilenburg sprach Ray Lange, wohnhaft in Taucha bei Leipzig, von den Vorwürfen frei. Richter Peter Gottschaldt entschied, dass die Regelung zur Tempobegrenzung in der 30er-Zone nicht korrekt war.
Im vorliegenden Fall wurde die Überschreitung der Geschwindigkeit auf 19 Kilometer pro Stunde festgelegt, während im ursprünglichen Bußgeldbescheid seitens der Stadt 39 Kilometer pro Stunde angegeben waren. Lange war auf dem Weg zu einem Einsatz aufgrund einer Brandmeldung, was die Inanspruchnahme der Sonderrechte für Einsatzfahrzeuge rechtfertigte. Dennoch ist das Urteil des Gerichts noch nicht rechtskräftig.
Nach der Urteilsverkündung äußerte Ray Lange seine Erleichterung und erklärte, dass ihm ein großer Stein vom Herzen gefallen sei. Im Mai des vergangenen Jahres war er mit einer Geschwindigkeit von 69 Kilometern pro Stunde in einer Baustelle geblitzt worden, wo ein Tempolimit von 30 Kilometern pro Stunde galt. Die Stadt verhängte daraufhin ein Bußgeld in Höhe von 369 Euro sowie ein einmonatiges Fahrverbot, was Lange dazu veranlasste, Widerspruch einzulegen.
Rechtslage für Einsatzkräfte
Die Straßenverkehrsordnung gibt keinen klaren Rahmen für die zulässige Geschwindigkeit von Einsatzkräften vor. Laut Paragraf 35 sind Feuerwehrfahrzeuge von den Vorschriften befreit, wenn dies zur Erfüllung hoheitlicher Aufgaben dringend erforderlich ist. Dies gilt insbesondere, wenn es um den Schutz von Menschenleben oder die Abwendung schwerer gesundheitlicher Schäden geht. Allerdings müssen diese Sonderrechte stets unter Berücksichtigung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung ausgeübt werden.
Der Richter erläuterte, dass je dringlicher der Einsatz ist, desto mehr Abweichungen von den Geschwindigkeitsvorgaben zulässig sind. In diesem Fall handelte es sich um eine gut einsehbare Einbahnstraße, und die Fuß- sowie Radwege waren umgeleitet. Darüber hinaus verfügte Ray Lange über umfangreiche Fahrerfahrung, da er 34 Jahre lang in der freiwilligen Feuerwehr tätig war und hauptberuflich als Notfallsanitäter arbeitete.
Folgen für die Feuerwehrgemeinschaft
Der Fall sorgte für großes Aufsehen, insbesondere da Ray Lange nach 34 Jahren aus der freiwilligen Feuerwehr ausschied. Dies führte dazu, dass auch andere Kameraden ihren Dienst beendeten oder ihre Verantwortungsstufen herabsetzten. Diese Entwicklungen werfen Fragen zur Wertschätzung und Unterstützung von Einsatzkräften auf, die unter dem Druck stehen, sowohl ihre Pflichten zu erfüllen als auch die Verkehrsregeln einzuhalten.
Die Entscheidung des Gerichts könnte weitreichende Auswirkungen auf die rechtliche Behandlung von Geschwindigkeitsübertretungen durch Einsatzkräfte haben und eventuell zu einer Neubewertung der bestehenden Regeln führen. Es bleibt abzuwarten, ob die Entscheidung in der nächsten Instanz Bestand haben wird und welche Konsequenzen dies für die Feuerwehr und deren Mitglieder mit sich bringen könnte.
Quellen: n-tv, Sachsen: Gericht kippt Bußgeld gegen geblitzten Feuerwehrmann
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