Eine aktuelle Studie zeigt, dass Menschen, die mit GLP-1-Medikamenten abnehmen, in der Folge weniger körperliche Aktivitäten ausüben. Im Durchschnitt verringert sich die tägliche Schrittzahl und die Zeit für sportliche Betätigung, was langfristig gesundheitliche Risiken birgt.
Gewichtsverlust durch GLP-1-Medikamente führt zu verringerter körperlicher Aktivität

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Weniger Aktivität nach Gewichtsreduktion durch GLP-1-Therapie: Unerwartete Befunde einer Studie
Eine aktuelle Studie hat ergeben, dass Personen, die mit GLP-1-Medikamenten Gewicht verlieren, in der Folge weniger körperliche Aktivitäten in ihren Alltag integrieren. Dieser Befund wirft Fragen über die langfristigen Auswirkungen von medikamentösem Gewichtsverlust auf den Lebensstil auf.
Die Analyse befasste sich mit der Frage, ob übergewichtige Menschen nach einer Gewichtsreduktion durch Medikamente mehr Bewegung in ihren Alltag bringen. Ein Forschungsteam aus Illinois hat diese Thematik untersucht und kam zu dem Ergebnis, dass der Gewichtsverlust durch Medikamente nicht automatisch einen aktiveren Lebensstil nach sich zieht.
Datenanalyse von mehr als 700 Teilnehmern
Die Studie basiert auf dem US-amerikanischen Forschungsprogramm „All of Us“, das elektronische Gesundheitsakten mit den Aufzeichnungen von Aktivitätstrackern kombiniert. Die Forscher werteten Daten von 1.950 Erwachsenen mit Übergewicht aus, die zum ersten Mal ein GLP-1-Medikament erhielten. Von diesen hatten 753 Teilnehmer ausreichend Bewegungsaufzeichnungen vor und nach Beginn der Behandlung.
Die Wissenschaftler analysierten die täglichen Schritte der Teilnehmer sowie die Zeit, die sie mit zügigem Gehen oder Sport verbrachten. Die Ergebnisse zeigten einen Rückgang der durchschnittlichen täglichen Schrittzahl von 5.047 auf 4.487 Schritte, was einem Verlust von rund 560 Schritten pro Tag entspricht. Insbesondere bei Männern war der Rückgang deutlich ausgeprägter, sie gingen im Durchschnitt fast 1.000 Schritte weniger pro Tag. Frauen hingegen verzeichneten einen Rückgang von etwa 450 Schritten.
Darüber hinaus reduzierte sich auch die Zeit, die für moderate bis intensive Aktivitäten aufgewendet wurde, von 27,9 auf 22,2 Minuten täglich.
Begrenzte Aussagekraft der Studie
Obwohl die Ergebnisse signifikant erscheinen, ist die Aussagekraft der Untersuchung begrenzt. Sie basiert auf einer retrospektiven Analyse von Gesundheitsdaten, und es wurden nur Teilnehmer berücksichtigt, für die ausreichend Bewegungsaufzeichnungen vorlagen. Daher bleibt unklar, ob diese Ergebnisse auf alle Personen mit Übergewicht übertragbar sind. Zudem wurden die Daten bislang lediglich auf einem wissenschaftlichen Kongress präsentiert und sind nicht in einer Fachzeitschrift veröffentlicht.
Selbst kleine Bewegungsreduzierungen können problematisch sein
Obwohl die Veränderungen gering erscheinen mögen, können sie erhebliche gesundheitliche Auswirkungen haben. Eine aktuelle Übersichtsarbeit im Fachmagazin „The Lancet“ weist darauf hin, dass bereits fünf Minuten mehr moderate bis intensive Bewegung pro Tag einen messbaren Einfluss auf die Sterblichkeit haben können. Bei den am wenigsten aktiven Menschen könnten durch solche Veränderungen bis zu sechs Prozent aller Todesfälle verhindert werden, bei einer breiteren Bevölkerungsgruppe sogar bis zu zehn Prozent.
Für Menschen, die Gewicht verlieren, ist körperliche Aktivität aus einem weiteren Grund essenziell: Ohne ausreichende Bewegung besteht die Gefahr, nicht nur Fett, sondern auch Muskelmasse zu verlieren. Bei der Behandlung mit GLP-1-Medikamenten wie Semaglutid oder Tirzepatid tritt häufig ein stärkerer Verlust an Muskelmasse auf als bei einer Gewichtsreduktion ohne Medikamente.
Fachleute empfehlen daher, regelmäßige Bewegung in den Alltag zu integrieren und Krafttraining zu praktizieren, um Muskelmasse und Kraft zu erhalten.
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Gründe für reduzierte Bewegung
Die Studie kann nicht beantworten, warum das Bewegungsverhalten nach Beginn der Behandlung zurückging. Die Forscher konzentrierten sich lediglich auf die Veränderung des Bewegungsverhaltens, nicht auf die Ursachen.
Dennoch fiel auf, dass Teilnehmer mit Muskel- und Gelenkschmerzen ihre tägliche Bewegung erheblich stärker reduzierten als diejenigen ohne solche Beschwerden. Möglicherweise liegt es daran, dass körperliche Aktivität für sie schwieriger ist oder Schmerzen sie häufiger daran hindern, sich zu bewegen. Dennoch lässt sich aus der Studie nicht ableiten, ob dies tatsächlich die Ursache für den beobachteten Unterschied ist.
Es steht fest, dass Gewichtsreduktion allein nicht zwangsläufig zu einem aktiveren Lebensstil führt. Personen, die mit GLP-1-Medikamenten abnehmen, sollten daher regelmäßige Bewegung bewusst als festen Bestandteil ihrer Behandlung einplanen und nicht darauf vertrauen, dass sich die Motivation dafür von alleine einstellt.
Verwendete Quellen
- „Adipositas: Körperliche Aktivität sinkt offenbar nach Initiierung von GLP-1-Rezeptoragonisten“
- Maharjan, S., et al.: „Losing Pounds, Not Gaining Steps: The Paradox of GLP-1 Receptor Agonist Therapy“
- Ekelund, U., et al.: „Deaths potentially averted by small changes in physical activity and sedentary time: an individual participant data meta-analysis of prospective cohort studies“
Transparenzhinweis
Die bereitgestellten Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung und dürfen daher nicht zur Selbsttherapie verwendet werden.
Quellen: t-online
Bildquelle: depositphotos








