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Honorarreform: Ein möglicher Ausweg aus der Krise der deutschen Apotheken?

Die Zahl der Apotheken in Deutschland sinkt auf einen historischen Tiefstand. Eine geplante Honorarerhöhung könnte helfen, den Abwärtstrend zu stoppen, doch Experten sind skeptisch, ob sie ausreicht, um die Herausforderungen durch Versandapotheken zu bewältigen.

Apothekensterben in Deutschland: Hilft die Honorarreform?
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Die Zahl der Apotheken in Deutschland ist auf den niedrigsten Stand seit 50 Jahren gesunken. Ende 2025 zählte der Branchendachverband ABDA nur noch 16.601 Apotheken im gesamten Bundesgebiet. Dies stellt einen signifikanten Rückgang dar, da in den letzten 13 Jahren, seit der letzten Erhöhung des Honorars für rezeptpflichtige Arzneimittel, jede fünfte Apotheke geschlossen wurde.

Vergütung als zentrales Problem

Die Vergütung für Apotheker ist seit 2013 unverändert bei 8,35 Euro pro Packung rezeptpflichtiger Medikamente. Berufsverbände fordern seit Jahren eine Erhöhung dieser Vergütung, da die aktuelle Summe nicht mehr ausreiche, um die Kosten zu decken. Im Juni 2026 hat das Bundeskabinett eine Anhebung des Fixums beschlossen, die in zwei Stufen erfolgen soll: Zunächst wird es ab dem 1. Juli auf 9 Euro steigen und ab dem 1. Januar 2027 auf 9,50 Euro.

Hans-Peter Hubmann, der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbandes (DAV), äußerte jedoch die Befürchtung, dass die Zahl der Apotheken zunächst weiter sinken könnte. Er betonte:

„Es geht noch einmal nach unten.“

Eine spürbare Erhöhung der Vergütung könnte jedoch den Abwärtstrend stoppen.

Erreichbarkeit der Apotheken

Eine Studie des privaten Forschungsinstituts IGES zeigt, dass trotz des Rückgangs der Apotheken die Wege für Patienten zur nächsten Apotheke nicht signifikant länger geworden sind. Iris an der Heiden, Projektleiterin Gesundheitspolitik beim IGES, erklärt:

„Wenn Apotheken schließen, geschieht das vor allem dort, wo es viele andere Apotheken gibt und der Konkurrenzdruck hoch ist.“

Wirkung der Honorarerhöhung

Die IGES-Forscherin weist darauf hin, dass die angekündigte Erhöhung des Honorars möglicherweise nicht die gewünschten positiven Effekte auf das Apothekensterben haben wird. Insbesondere größere Apotheken könnten von der Erhöhung profitieren, während kleinere, wirtschaftlich schwächere Apotheken weiterhin gefährdet bleiben.

Die Marktführer im Versandhandel, Shop Apotheke und DocMorris, könnten durch die Erhöhung des Fixums ebenfalls profitieren. Diese Unternehmen, die von den Niederlanden aus operieren, nutzen europäische Rechtsvorschriften zu ihrem Vorteil.

Konkurrenz durch Versandapotheken

Die traditionellen Apothekerverbände kritisieren, dass Versandapotheken sich nicht an die Regeln für fairen Wettbewerb halten. Der DAV wirft den Versendern vor, die Notdienstversorgung und die Beratung zu Medikamenten den Vor-Ort-Apotheken zu überlassen, während sie selbst von Rabatten profitieren, die deutschen Apotheken nicht gestattet sind.

Hubmann äußerte sich besorgt über die Rabatte, die Versandapotheken anbieten.

„Das ist gesetzeswidriges Handeln, das nicht geahndet wird“,

sagte er. DocMorris hingegen argumentiert, dass ihre Rabatte nur im Rahmen des niederländischen Rechts zulässig sind, da sie nicht von Deutschland aus operieren.

Ursachen des Apothekensterbens

Reiner Kern, Sprecher von DocMorris, bestreitet, dass die Versandapotheken für den Rückgang der Vor-Ort-Apotheken verantwortlich sind. Er betont, dass der Marktanteil der Versandapotheken für rezeptpflichtige Arzneimittel nur von einem auf zwei Prozent gestiegen sei. Der Rückgang der Vor-Ort-Apotheken sei vielmehr auf den harten Wettbewerb unter den Apotheken zurückzuführen.

Hubmann sieht das anders und weist darauf hin, dass Versandapotheken bereits einen Marktanteil von etwa 25 Prozent bei rezeptfreien Medikamenten erreicht haben. Er warnt:

„Die Kunden gewöhnen sich immer mehr daran, Arzneien online zu bestellen, und das sehe ich schon als Risiko.“

Erweiterung der Kompetenzen für Apotheken

Hubmann hofft auf zusätzliche Kompetenzen für Apotheken, die von der Bundesregierung in Aussicht gestellt wurden. Dazu gehört die Erlaubnis, weitere Impfungen anzubieten und verschreibungspflichtige Medikamente abzugeben, auch wenn kein Rezept vorliegt. Dies könnte insbesondere für chronisch kranke Patienten von Vorteil sein.

Widerstand von Ärzteverbänden

Gegen diese Erweiterungen gibt es jedoch Widerstand von Ärzteverbänden. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, bezeichnete die Maßnahmen als

„krampfhaften Versuch, die Heilberufsqualifikation des Apothekers durch Maßnahmen zu legitimieren, die eigentlich im ärztlichen Bereich sind.“

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung befürchtet, dass Patienten verunsichert werden, da sie nicht mehr wissen, ob sie mit ihren Anliegen zu einem Arzt oder in eine Apotheke gehen sollen.

Hubmann hofft, dass sich die Spannungen zwischen Ärzten und Apothekern bald beruhigen werden. Er betont, dass die Zusammenarbeit im Alltag oft reibungsloser verläuft, als es die öffentlichen Äußerungen der Verbandsvertreter vermuten lassen.


Quellen: deutschlandfunk

Bildquelle: depositphotos

Ronny Winkler