Mobiles Menü schließen
Startseite Schlagzeilen

Hunderte Kinder spurlos verschwunden

Inga. Rebecca. Maddie. Manuel. Rahman. Sandra und noch viele Andere. Die Namen sind unvergessen und gehen regelmäßig durch die Presse.

Foto: Depositphotos

Inga. Rebecca. Maddie. Manuel. Rahman. Sandra und noch viele Andere. Die Namen sind unvergessen und gehen regelmäßig durch die Presse.  

Dieses Schicksal trifft jedes Jahr hunderte Familien in Deutschland. Plötzlich ist das Kind weg! Dafür gibt es unterschiedliche Gründe und viele Kids tauchen nach kurzer Zeit wieder auf.

Doch einige Kinder bleiben spurlos verschwunden – für immer! Für die Angehörigen ist die Ungewissheit oft nicht auszuhalten.

Die Namen sind unvergessen und gingen durch die Presse: Inga. Rebecca. Maddie. Manuel. Und noch viele andere mehr. Es handelt sich um Kinder und Jugendliche, die verschwunden sind und von ihren Lieben vermisst werden. Manche wie Rebecca aus Berlin seit vielen Jahren. Andere wie etwa Inga aus Schönebeck in Sachsen-Anhalt ebenfalls seit Jahren oder wie Maddie aus England seit mehr als einem Jahrzehnt.

Nicht nur zum Tag der vermissten Kinder sollte man an die Schicksale dieser Kinder denken. Für die Angehörigen ist die Ungewissheit über das Schicksal des verschwundenen Kindes das Unerträglichste an der Situation. An Jahrestagen oder dem aktuellen Gedenktag wird das besonders deutlich.

„Drei unerträgliche Monate“, schrieb die Schwester von Rebecca vor Jahren im Internet zu einem gemeinsamen Foto der Schwestern. Die 15-jährige Rebecca wurde zuletzt im Haus der Schwester angetroffen. Trotz jahrelanger aufwendiger Suche der Polizei blieb sie verschollen. Verschiedene Personen wurden verdächtigt uns Spuren verfolgt.

Die Polizei geht davon aus, dass das Mädchen tot ist. Rebeccas Eltern schrieben: „Wir sind verloren in unserer Angst und jeden Tag schwindet die Hoffnung, dich jemals wiederzusehen. Wir sind erstarrt in unserer Trauer.“

Rund 2000 Vermisstenfälle sind ungeklärt

Die meisten entführten Kinder und Jugendlichen werden von den Tätern an öffentlichen Orten aufgelauert und entfürt. Die fünfjährige Inga wollte mit anderen Kindern im Wald Holz suchen. „Von dort ist das Mädchen nicht zurückgekehrt“, schreibt die Polizei in Sachsen-Anhalt auf der Internetseite „www.woistinga.de„. Der vierjährige Aref verschwand, nachdem seine Mutter ihn auf einem Spielplatz im hessischen Eschwege aus den Augen verloren hatte.

Rund 48 Mädchen und Jungen, die möglicherweise entführt und ermordet wurden, hat die private Hamburger „Initiative Vermisste Kinder“ auf einer Landkarte im Internet eingezeichnet und mit Informationen verlinkt. Die orangenen Punkte verteilen sich über ganz Deutschland. „Wir nehmen vor allem Fälle auf, bei denen sich Verwandte oder die Polizei an uns wenden“, sagt Lars Bruhns, dessen Mutter die Beratungs- und Anlaufstelle im Jahr 1997 gründete. Wie beim zwölf Jahre alten Manuel Schadwald aus Berlin, der 1993 von zu Hause zu einem Freizeitzentrum wollte. Dort kam er nie an. Oder bei der zehnjährigen Hilal, die 1999 in Hamburg die Wohnung ihrer Eltern verließ und zuletzt in einem Einkaufszentrum gesehen wurde.

Wie viele Kinder weder lebendig noch tot gefunden wurden, ist nicht einfach zu klären. Jedes Jahr werden viele tausend Menschen als vermisst gemeldet. 2018 waren es laut dem Bundeskriminalamt (BKA) allein 12.762 Fälle von Kindern, von denen rund 97 Prozent aufgeklärt wurden. Übrig bleiben seit 1951 etwa 2000 ungeklärte Fälle vermisster Kinder in der Kategorie „Vermisste/Unbekannte Tote“. Mehr als die Hälfte davon sind laut BKA Ausreißer oder unbegleitete Flüchtlinge, die selbstständig unterwegs sind. Bei dem verbleibenden Teil – einige Hundert bis knapp tausend Kindern – sei „zu befürchten, dass diese Opfer einer Straftat oder eines Unglücksfalls wurden (..) oder nicht mehr am Leben sind“.

Spurloses Verschwinden ist ein Ausnahmefall

In den letzten 70 Jahren blieben jedes Jahr rund 14 Fälle von Kindern bis 13 Jahren ungeklärt. Bei den Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren liegt die Zahl noch deutlich höher. Bruhns von der Beratungsinitiative kritisiert, das BKA lege keine eindeutigen Jahresstatistiken vor. Bei akut vermissten Kindern wäre ein schneller Alarm über ein Handy-Informationssystem wie „Katwarn“ sinnvoll, in Nachbarländern sei das Standard. Auch die Betreuung der schockierten und traumatisierten Eltern sei in Deutschland „schlecht oder gar nicht organisiert“, sagte Bruhns, der sich in Berlin auch um Rebeccas Eltern kümmerte.

Gute Chancen, vermisste Kinder und Jugendliche nach sehr langer Zeit noch lebend zu finden, sieht Bruhns nicht. „Das ist sehr unwahrscheinlich.“ Das spurlose Verschwinden bleibe aber die Ausnahme. Spaziergänger finden meist Jahre später eine Kinderleiche oder die Polizei stößt auf einem anderen Weg auf einen Täter. Der Vermisstenfall wird dann zum Mordfall.

Bekannte Beispiele: Die neunjährige Peggy aus Bayern, die 2001 verschwand. 2016 wurden Teile ihres Skeletts in einem Wald in Thüringen gefunden. Die Leiche der 14-jährigen Georgine aus Berlin, das Mädchen verschwand 2006, ist bis heute nicht gefunden worden. Der Polizei gelang es aber 2018 einen mutmaßlichen Täter zu verhaften.  Elias und Mohamed wurden im Sommer und Herbst 2015 in Potsdam und Berlin vermisst. Der 32-jährige Täter wurde mithilfe von Videoaufnahmen gefasst und verurteilt.

nf24