Nach der 0:1-Niederlage gegen Griechenland gerät Joshua Kimmich ins Visier von Mario Basler. Der Europameister kritisiert nicht nur die Leistung des DFB-Kapitäns, sondern stellt dessen grundsätzlichen Status infrage. Für Basler ist Kimmich kein Weltklassespieler. Vor allem sein langsamer Spielaufbau bereitet ihm Sorgen.
„Kein Weltklasse-Spieler!“ Basler rechnet mit Kimmich ab

Basler nimmt Kimmich nach Griechenland-Pleite ins Visier
Die deutsche Nationalmannschaft befindet sich unter Jürgen Klopp mitten im Umbruch. Zahlreiche neue und junge Spieler sollen ihre Chance erhalten, eine neue Mannschaft soll entstehen. Dass dabei nicht von Beginn an alles funktioniert, ist für Mario Basler nachvollziehbar. Nach der 0:1-Niederlage gegen Griechenland will der Europameister allerdings nicht jede Schwäche mit dem laufenden Neuaufbau entschuldigen.
Vor allem von den erfahrenen Führungsspielern erwartet Basler mehr. Und dabei rückt einer besonders in den Mittelpunkt: Joshua Kimmich. In der aktuellen Ausgabe des Podcasts „Basler Ballert“ mit Oliver Dütschke äußert Basler ungewöhnlich deutliche Kritik am Kapitän. Dabei geht es ihm nicht nur um eine schwache Partie. Basler stellt vielmehr die gesamte Rolle Kimmichs im deutschen Spiel infrage.
„Unser Spiel ist einfach zu langsam“
Das größte Problem der deutschen Mannschaft liegt für Basler derzeit im Spieltempo. Gegen Griechenland habe die DFB-Elf zu häufig den Ball kontrolliert, ohne daraus wirkliche Gefahr zu entwickeln. Gerade gegen einen Gegner, der tief verteidigt und auf Konter wartet, müsse der Ball schneller nach vorne gelangen.
Stattdessen beobachtete Basler immer wieder das gleiche Muster. Deutschland beginnt einen Angriff, findet keine direkte Lösung und spielt wieder zurück. Eins-gegen-eins-Situationen und Läufe hinter die gegnerische Abwehr seien dagegen zu selten zu sehen.
„Unser Spiel ist einfach zu langsam“, lautet Baslers Urteil. Ballbesitz allein beeindruckt ihn nicht. Auch 80 Prozent Ballbesitz seien wenig wert, wenn am Ende eine 0:1-Niederlage stehe.
Kimmich wird für Basler zum Symbol des Problems
Genau hier setzt seine Kritik an Joshua Kimmich an. Der 31-Jährige gehört seit Jahren zu den zentralen Figuren der Nationalmannschaft. Er fordert viele Bälle, schaltet sich in den Spielaufbau ein und taucht auf unterschiedlichen Positionen auf.
Basler sieht darin jedoch nicht ausschließlich eine Stärke. Ihn stört vor allem, wie tief sich Kimmich teilweise fallen lässt. Nach seiner Beobachtung bewegt sich der Kapitän sogar im Bereich der Innenverteidiger, holt dort den Ball ab und trägt ihn anschließend durch das Mittelfeld.
Für Basler kostet das Tempo.
„Ich weiß nicht, warum man Kimmich jedes Mal den Ball gibt“, sagt er. Dass Kimmich viele Ballkontakte sammelt und große Laufwege zurücklegt, reicht ihm nicht. Entscheidend sei, was daraus entstehe. Gegen Griechenland sei das deutlich zu wenig gewesen.
„Am Schluss war es, es war nichts. Muss man klar sagen.“
„Kimmich ist kein Weltklasse-Spieler“
Noch deutlicher wird Basler anschließend bei der grundsätzlichen Bewertung des Bayern-Stars.
„Kimmich ist kein Weltklasse-Spieler.“
Basler bezeichnet ihn stattdessen als „normalen Mittelfeldspieler“. Eine bemerkenswert deutliche Einschätzung über einen der prominentesten deutschen Fußballer der vergangenen Jahre.
Dabei kritisiert Basler auch, wie viel Verantwortung Kimmich im deutschen Spiel übernimmt. Freistöße, Eckbälle und der Spielaufbau laufen häufig über ihn. Für Basler bedeutet viel Präsenz allerdings nicht automatisch Weltklasse.
Seiner Ansicht nach muss deshalb auch Jürgen Klopp reagieren und die Rolle seines Kapitäns klarer definieren.
„Der Fußball wird uns so nicht weiterbringen, wenn Kimmich den Ball durchs Mittelfeld trabt und das Spiel langsam macht.“
Basler hinterfragt Kimmichs internationalen Status
Für Basler stellt sich sogar die Frage, warum Kimmich seine gesamte bisherige Profikarriere in Deutschland verbracht hat. Oliver Dütschke wirft die Überlegung auf, ob dem Mittelfeldspieler ein Wechsel ins Ausland möglicherweise gutgetan hätte.
Basler geht noch einen Schritt weiter. Wenn Kimmich tatsächlich die internationale Ausnahmestellung besitze, die ihm häufig zugeschrieben werde, hätte er nach Baslers Argumentation längst bei den absoluten europäischen Schwergewichten auf dem Einkaufszettel stehen müssen.
Er nennt Manchester City und Real Madrid als Beispiele und verweist zugleich auf frühere Berichte über ein mögliches Interesse des FC Barcelona. Wie konkret dieses Interesse tatsächlich gewesen sei, bezweifelt Basler jedoch ausdrücklich.
Kimmich selbst habe mit seinem Verbleib beim FC Bayern wirtschaftlich und persönlich alles richtig gemacht. Als Beweis für internationale Weltklasse reicht Basler das jedoch nicht.
Auch beim FC Bayern fehlt Basler inzwischen der Glanz
Seine Kritik beschränkt sich nicht auf Kimmichs Auftritte im Nationaltrikot. Auch beim FC Bayern sieht Basler eine Entwicklung, die ihm nicht gefällt.
„So sehr glänzt er in Bayern auch nicht mehr. Der große Glanz ist auch nicht mehr da bei Kimmich.“
Hinzu kommt für Basler ein taktisches Problem. Er hält Kimmichs Spiel inzwischen für relativ leicht zu lesen. Besonders die Versuche, den Ball mit einem Chip hinter die gegnerische Abwehr zu bringen, seien vorhersehbar.
Griechenland habe sich darauf eingestellt. Die Verteidiger hätten zahlreiche dieser Bälle problemlos aus der Gefahrenzone geköpft.
Basler fordert deshalb Veränderungen. Wenn Deutschland wieder schneller und gefährlicher spielen will, darf der Spielaufbau aus seiner Sicht nicht immer nach dem gleichen Muster über Kimmich laufen.
Basler geht noch weiter: „Wir sind nur noch Mittelmaß“
Hinter der Kritik an Kimmich steckt allerdings ein noch viel grundsätzlicheres Problem. Basler sieht nicht nur beim Kapitän fehlende Weltklasse. Er stellt die Qualität der gesamten deutschen Nationalmannschaft infrage.
„Wir sind nur noch Mittelmaß.“
Basler stimmt damit einer Einschätzung von Bastian Schweinsteiger zu und erklärt: „Wir haben seit Jahren keine Weltklasse-Spieler mehr.“
Diese Erkenntnis müsse Konsequenzen für die Erwartungen an die Nationalmannschaft haben. Deutschland könne nicht mehr davon ausgehen, vermeintlich kleinere Fußballnationen automatisch zu schlagen. Eine Niederlage gegen Griechenland sei zwar weiterhin enttäuschend und müsse kritisiert werden. Sie sei angesichts der aktuellen Qualität aber kein völlig unvorstellbares Ergebnis mehr.
Basler stellt dabei ausdrücklich nicht den Einsatz der Mannschaft infrage. Er habe nicht den Eindruck, dass die Spieler nicht gewinnen wollten. Für ihn liegt das Problem vielmehr in der Qualität: „Es reicht halt nicht mehr.“
Klopp muss jetzt auch bei seinen Führungsspielern handeln
Von Jürgen Klopp erwartet Basler deshalb einen schwierigen Spagat. Die zahlreichen jungen Spieler brauchen Zeit. Einige von ihnen stehen erst am Anfang ihrer internationalen Karriere und wirkten bei ihren ersten Einsätzen entsprechend nervös. Basler will sie deshalb nicht nach wenigen Minuten abschreiben.
Bei etablierten Nationalspielern legt er jedoch einen anderen Maßstab an. Gerade ein Kapitän müsse Verantwortung übernehmen und einer jungen Mannschaft Orientierung geben.
Für Basler bedeutet das allerdings nicht, möglichst häufig am Ball zu sein. Entscheidend ist, ob ein Spieler das deutsche Spiel tatsächlich besser und gefährlicher macht.
Genau daran meldet er bei Joshua Kimmich erhebliche Zweifel an.
Nach der Niederlage gegen Griechenland ist Baslers Kritik deshalb wesentlich größer als eine schlechte Note für eine einzelne Partie. Er stellt die zentrale Rolle des Kapitäns infrage, kritisiert dessen Spielweise und widerspricht der Einordnung als Weltklassespieler.
Seine Forderung an Klopp ist damit ebenfalls klar: Der Neustart darf nicht nur bei den jungen Spielern stattfinden. Auch bei den etablierten Führungskräften muss der Bundestrainer genau hinschauen – und gegebenenfalls Rollen verändern, wenn Deutschlands Fußball wieder schneller und erfolgreicher werden soll.








