In Sachsen-Anhalt könnte ein früheres Gasfeld zur Quelle für 43 Millionen Tonnen Lithium werden. Die innovative Gewinnungsmethode verspricht eine umweltfreundliche Alternative zur herkömmlichen Lithium-Produktion und könnte Deutschlands Abhängigkeit von Importen verringern.
Mit 43-Millionen-Tonnen-Lithium-Schatz könnte Deutschland sich unabhängig machen

In Deutschland wurden 43 Millionen Tonnen Lithium entdeckt. In Sachsen-Anhalt könnte ein ehemaliges Gasfeld als Quelle für den wichtigen Rohstoff zur Herstellung von Batterien für Elektrofahrzeuge dienen.
Seit Jahren sucht Deutschland nach Möglichkeiten, um bei essenziellen Rohstoffen unabhängiger zu werden. Lithium spielt dabei eine zentrale Rolle, da es für die Produktion von Elektroautos, großen Energiespeichern und vielen Smartphones unerlässlich ist. Der Großteil des Lithiums wird bislang aus Ländern wie Chile, Australien oder China importiert. Nun richtet sich die Aufmerksamkeit auf Sachsen-Anhalt.
Unter der Altmark, einer Region, die seit Jahrzehnten für ihre Erdgasvorkommen bekannt ist, liegen laut Angaben von Neptune Energy rund 43 Millionen Tonnen Lithiumkarbonat-Äquivalent. Das Unternehmen stützt sich auf eine unabhängige Bewertung nach dem Standard CIM / NI 43-101.
Wenn sich dieses Potenzial wirtschaftlich erschließen lässt, könnte dort eines der größten Lithiumprojekte in Europa entstehen. Aus einem ehemaligen Gasstandort könnte ein neuer Baustein für die Batterieproduktion hervorgehen.
Potenzial für die europäische Lithiumversorgung
„Diese neue Bewertung zeigt das große Potenzial unserer Lizenzgebiete in Sachsen-Anhalt. Damit können wir einen wichtigen Beitrag zur deutschen und europäischen Versorgung mit dem kritischen Rohstoff Lithium leisten“, erklärte Andreas Scheck, der Geschäftsführer von Neptune Energy.
Die unabhängige Prüfgesellschaft Sproule ERCE hat die 43 Millionen Tonnen Lithiumkarbonat-Äquivalent ermittelt. Das Unternehmen bezeichnet dieses Vorkommen als eines der größten bekannten Lithiumvorkommen aus Thermalwasser weltweit. Wie Neptune Energy gegenüber Smart Up News erläuterte, bleibt diese Ressourcenbasis weiterhin gültig.
Von einem Gasfeld zu einem Lithiumstandort
Die Altmark ist kein neuer Standort für die Industrie. Seit 1969 wird dort Erdgas gefördert, und die Region hat über 55 Jahre Erfahrung mit Bohrungen, Leitungen und unterirdischen Lagerstätten. Die vorhandene Infrastruktur macht das Projekt besonders attraktiv.
Das Lithium soll in der Altmark nicht wie in traditionellen Bergbaugebieten im Tagebau gewonnen werden, was bedeutet, dass keine großen offenen Gruben entstehen. Stattdessen nutzt Neptune heißes, salzhaltiges Tiefenwasser, auch Sole genannt, in dem Lithium gelöst ist.
Das Verfahren, das als Direct Lithium Extraction (DLE) bekannt ist, unterscheidet sich erheblich von vielen bekannten Lithiumprojekten in Südamerika. Neptune hebt mehrere Vorteile hervor:
- kein offener Tagebau
- keine großen Verdunstungsbecken
- deutlich geringerer Flächenverbrauch
In Deutschland ist dies von großer Bedeutung, da neue Rohstoffprojekte oft auf Widerstand stoßen, wenn sie das Landschaftsbild verändern.
Lithium im Wasser statt im Gestein
Lithium wird häufig mit Minen und staubigen Abbaugebieten assoziiert. In der Altmark ist dies jedoch anders. Das Metall liegt nicht als sichtbares Erz im Boden, sondern ist in Thermalwasser mehrere tausend Meter unter der Erde gelöst.
Dieses Wasser wird an die Oberfläche gepumpt, wo spezielle Anlagen das Lithium herausfiltern. Das restliche Wasser wird anschließend weiterbehandelt. Das Projekt ähnelt daher eher einem Energievorhaben als dem klassischen Bergbau.
Frühere Untersuchungen haben in diesem Gebiet stark mineralisierte Sole mit erhöhtem Lithiumgehalt identifiziert. Die geologischen Bedingungen gelten als günstig, da das heiße Wasser über lange Zeit mit bestimmten Gesteinen reagiert und Lithium im Untergrund anreichert.
Pilotprojekte zur Überprüfung der Wirtschaftlichkeit
Ob ein großes Vorkommen wirtschaftlich nutzbar ist, zeigt sich erst im praktischen Betrieb. Daher laufen in der Altmark seit mehreren Monaten verschiedene Pilotprojekte.
Ein zweiter Test mit dem Technologiepartner Lilac wurde im August 2025 abgeschlossen. Laut Neptune wurde dabei Lithiumkarbonat in Batteriequalität produziert, wobei ein Ionenaustauschverfahren zum Einsatz kam.
Seit Mitte September läuft ein dritter Pilotversuch, bei dem ein Adsorptionsverfahren getestet wird. Wie Neptune Energy gegenüber Smart Up News mitteilte, wird ab Juni erneut eine temporäre Pilotanlage in Sachsen-Anhalt eingesetzt.
Das Unternehmen prüft verschiedene Technologien, um die am besten geeignete Lösung für die Altmark zu finden. Erst nach dieser Phase soll der nächste große Schritt erfolgen.
Langfristige Pläne für die Lithiumproduktion
Nach der Pilotphase plant das Unternehmen den Bau einer Demonstrationsanlage, um unter realen Bedingungen zu testen, ob sich die Förderung auch im industriellen Maßstab lohnt.
„Ab 2030 ist vorgesehen, die kommerzielle Lithiumproduktion schrittweise auf bis zu 25.000 Tonnen LCE pro Jahr zu steigern“, teilte Neptune Energy Smart Up News auf Anfrage mit.
Diese Menge könnte erhebliche Auswirkungen auf die Industrie haben, da sie Material für etwa 500.000 Elektroautos pro Jahr liefern könnte. Für Deutschland wäre dies ein bedeutender Schritt, da die Rohstoffe für Batterien bislang fast vollständig importiert werden.
Bis dahin bleiben jedoch viele Fragen offen:
- Wie hoch sind die tatsächlichen Produktionskosten?
- Wie schnell werden Genehmigungen erteilt?
- Lässt sich das Verfahren dauerhaft wirtschaftlich betreiben?
Erst wenn diese Punkte geklärt sind, wird aus dem Projekt ein echter Industriestandort.
Neue Perspektiven für die Altmark
Für die Region geht es um weit mehr als nur Lithium. Viele frühere Energiegebiete suchen nach neuen Perspektiven. Die Altmark könnte ein Beispiel dafür werden, wie ein alter Gasstandort eine zweite industrielle Zukunft erhält.
Axel Wenke, Director of New Energy bei Neptune Energy, äußerte sich dazu: „Die Altmark verbindet geologisches Potenzial, bestehende Infrastruktur und technisches Know-how – perfekte Voraussetzungen, um den Wandel von der Erdgasförderung hin zu einer umweltfreundlichen Lithiumgewinnung erfolgreich umzusetzen.“
Wo früher vor allem Erdgas gefördert wurde, könnte künftig ein Rohstoff gewonnen werden, der für die Batterieindustrie in Europa zunehmend an Bedeutung gewinnt. Dies könnte nicht nur einen Standort in Sachsen-Anhalt verändern, sondern möglicherweise auch einen Teil der deutschen Rohstoffpolitik beeinflussen.
Quellen: Focus
Bildquelle: Bildquelle: Albert Hyseni auf Unsplash








