Ein Augenzeuge berichtet, dass die vermisste Kölner Journalistin Eva Maria Michelmann am 18. Januar in Raqqa von syrischen Regierungstruppen zusammen mit ihrem Kollegen Ahmed Polad in ein Fahrzeug gesetzt wurde. Seitdem fehlt von beiden jede Spur.
Neue Hinweise im Fall der vermissten Journalistin Eva Maria Michelmann

Im Fall der seit Januar in Syrien vermissten Journalistin Eva Maria Michelmann gibt es neue Informationen. Ein Augenzeuge hat in einem Video seine Beobachtungen zu den letzten gemeinsamen Momenten mit der Journalistin und ihrem Kollegen Ahmed Polad geteilt.
Der Zeuge Jassem Mohammed war am 18. Januar im Al-Shabiba-Jugendzentrum in Raqqa anwesend, als Michelmann und Polad von syrischen Regierungstruppen in ein separates Fahrzeug gebracht wurden. Seit diesem Zeitpunkt gibt es von beiden keine Spur mehr.
Mohammed berichtet, dass er sich zusammen mit der 36-jährigen Journalistin, Polad und weiteren Zivilisten in dem Jugendzentrum befand, als das Gebäude von syrischen Regierungstruppen umstellt wurde. Michelmann hatte die Absicht, den Krieg und die Rückkehr des IS zu dokumentieren, um die Situation in Raqqa international bekannt zu machen. In der besagten Nacht erkannte Mohammed zudem einen hochrangigen Befehlshaber einer Miliz, der zur syrischen Regierung gehört. Diese Informationen können jedoch nicht unabhängig verifiziert werden.
Trennung von der Gruppe
Dank der Unterstützung lokaler Sicherheitskräfte aus der Region Aleppo gelang es den meisten Zivilisten, das Gebäude zu verlassen. Der entscheidende Moment fand um 1.30 Uhr statt, als die Zivilisten in Fahrzeuge gesetzt wurden. Dies war das letzte Mal, dass Michelmann und Polad zusammen mit den anderen gesehen wurden. Mohammed beschreibt, dass sich der Konvoi teilte: „Ihre Fahrzeuge fuhren in die eine Richtung, wir in die andere.“
Er selbst und die anderen Zivilisten wurden ins Al-Aqtan-Gefängnis gebracht und am folgenden Tag freigelassen. Von Michelmann und Polad fehlte zu diesem Zeitpunkt bereits jede Spur. Mohammed äußert, dass die beiden nicht mit ihnen kamen und fragt sich, warum dies so war.
Familie fordert Aufklärung
Antonius Michelmann, der Bruder der vermissten Journalistin, sieht die Aussagen des Augenzeugen als klaren Hinweis. Er äußert, dass es nicht mehr möglich sei, dass sich das syrische Übergangsregime auf Unübersichtlichkeit oder Unwissenheit beruft. Er fordert dringend konkrete Ergebnisse zur Aufklärung des Verbleibs seiner Schwester und ihres Kollegen.
Reaktion der Bundesregierung
Die Bundesregierung äußert sich bislang zurückhaltend zu dem Fall. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts erklärte, dass aktuelle Entwicklungen aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht kommentiert werden. Zuletzt wurde Ende März mitgeteilt, dass man an dem Fall arbeite, als der syrische Übergangspräsident Ahmed al-Sharaa in Berlin war. Beobachter vermuten, dass der Fall Michelmann auf der Agenda stand.
Die Kölner Journalistin war in Rojava tätig, um über die Konflikte zwischen syrischen Regierungstruppen und den Demokratischen Kräften Syriens (SDF) zu berichten. Ihr Verschwinden wurde erst etwa einen Monat später bekannt, da während der Kämpfe weder Telefon noch Internet in der Region funktionierten. Ihr Bruder beschreibt sie als eine Person mit großem Herzen, die sich stets für Menschen in Not eingesetzt hat.
Bildquelle: ai-generated-gemini








