Ein breites Bündnis aus Prominenten und Politikern hat einen offenen Brief unterzeichnet, der die sofortige Freilassung der seit 100 Tagen in Syrien vermissten Kölner Journalistin Eva Maria Michelmann fordert. Die Unterzeichner richten sich an die Bundesregierung und die EU, um Druck auf die Vera…
Offener Brief fordert Maßnahmen zur Freilassung von Eva Maria Michelmann

Ein breites Spektrum an Persönlichkeiten aus Politik, Aktivismus und Kultur hat sich in einem offenen Brief an die Bundesregierung und die Europäische Union gewandt, um die sofortige Freilassung der Kölner Journalistin Eva Maria Michelmann zu fordern. Diese befindet sich seit Januar 2026 in syrischer Haft.
Zu den Unterzeichnern des Schreibens zählen prominente Figuren wie die Klimaaktivistin Luisa Neubauer sowie ehemalige Spitzenpolitiker wie Gregor Gysi und Bodo Ramelow von der Partei Die Linke. Auch zahlreiche Bundestagsabgeordnete der Linken und Grünen sowie EU-Abgeordnete aus verschiedenen Ländern haben ihre Unterschrift geleistet. Der Brief richtet sich an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundeskanzler Friedrich Merz und die Präsidentin der EU-Kommission, Ursula von der Leyen.
Hintergrund zur Festnahme von Eva Maria Michelmann
Eva Maria Michelmann, die in Siegburg geboren und in Köln aufgewachsen ist, wurde am 18. Januar 2026 zusammen mit dem kurdisch-türkischen Journalisten Ahmet Polad in der syrischen Stadt Rakka festgenommen. Beide berichteten über die Rückkehr des sogenannten Islamischen Staates. Augenzeugen berichteten, dass sie von Sicherheitskräften der syrischen Übergangsregierung in ein Fahrzeug gesetzt und anschließend verschwunden sind. Ein Kommandeur, der der Inneren Sicherheit in Aleppo zugeordnet ist, soll den Befehl zur Festnahme gegeben haben.
Die syrische Übergangsregierung hatte über Wochen hinweg jegliche Kenntnis über den Verbleib der beiden Journalisten bestritten. Erst Aussagen ehemaliger Mitgefangener, die im April nach einem Häftlingsaustausch freikamen, bestätigten, dass Michelmann und Polad in Haft sind, zunächst in Aleppo und mittlerweile offenbar in Damaskus.
Familie fordert Zugang zu Eva Maria Michelmann
Eine Vertreterin der deutschen Botschaft hat die 36-jährige Michelmann in der Haft besucht, was vom Auswärtigen Amt bestätigt wurde. Aufgrund des Persönlichkeitsschutzes wurden jedoch keine weiteren Informationen bereitgestellt. Der Bruder von Eva Maria Michelmann, Antonius Michelmann, äußerte sich besorgt über die Bedingungen, unter denen seine Schwester in der syrischen Isolationshaft leidet. Er zeigte sich jedoch erleichtert, dass es Gewissheit über ihr Überleben gibt und fordert den sofortigen Zugang von unabhängigen medizinischen Fachkräften, Anwälten und Familienangehörigen sowie die umgehende Freilassung seiner Schwester.
Kritik an der Bundesregierung und der EU
In ihrem offenen Brief kritisieren die Unterzeichner die Bundesregierung und die EU-Kommission dafür, dass trotz der guten Beziehungen zur syrischen Übergangsregierung und des Staatsbesuchs von Präsident al-Scharaa in Berlin Ende März keine ausreichenden Informationen über die Bemühungen zur Freilassung von Michelmann bereitgestellt wurden. Der Brief betont, dass die Festnahme der Journalisten einen Angriff auf die Pressefreiheit darstellt.
Ob der Fall von Eva Maria Michelmann bei einem kürzlich stattgefundenen Treffen zwischen Kanzler Merz und al-Scharaa zur Sprache kam, ist bislang unklar.
Quellen: t-online
Bildquelle: ai-generated-gemini








