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Biathletin Preuß: Auf der Suche nach der Olympia-Form

Franziska Preuß steht vor ihren wohl letzten Olympischen Spielen. Nach der überragenden Vorsaison steht sie immer noch ohne Podestplatz da. Derweil nutzt Selina Grotian ihre letzte Chance.

Franziska Preuß am Ruhpoldinger Schießstand.
Foto: Sven Hoppe/dpa

Drei Wochen vor dem ersten Olympia-Rennen ist Weltmeisterin Franziska Preuß noch ein ganzes Stück von der erhofften Gold-Form entfernt. «Es gibt einfach noch Baustellen, die man in den Griff kriegen muss, um eine Topplatzierung zu haben», sagte die 31-Jährige sichtlich frustriert nach Platz sieben in der Biathlon-Verfolgung von Ruhpolding. Optimismus sieht anders aus.

Auch in ihrem Wohnzimmer konnte die Weltcupgesamtsiegerin der Vorsaison nicht den ersehnten ersten Podestplatz des Winters erreichen. Nach dem Fehler in der Staffel (6. Platz), wo sie eine Strafrunde schoss, und dem fünften Platz im Sprint lag sie im Verfolgungsrennen mit zwei Strafrunden 36,4 Sekunden hinter der siegreichen Französin Lou Jeanmonnot (1 Fehler).

«Hundertmillionen Steine» vom Herzen gefallen 

Derweil knackte Selina Grotian bei ihrer letzten Chance die Olympia-Norm. «Hundertmillionen Steine» seien ihr vom Herzen gefallen, sagte die 21-Jährige. Nach Rang 15 im Sprint erfüllte sie mit Rang 13 die interne Vorgabe von zwei Top-15-Platzierungen. «Ich bin sehr erleichtert, dass die Kämpferei vorbei ist.» Das große Talent hatte wegen einer Corona-Infektion im Dezember die Rennen in Hochfilzen und Le Grand-Bornand verpasst. 

Das deutsche Frauen-Team hat sechs Startplätze. Neben Preuß und Grotian sind auch Julia Tannheimer (5 Fehler/23.), Vanessa Voigt (2/26.), Janina Hettich-Walz (6/48.) und die kommende Woche in Nove Mesto wieder zurückkehrende Anna Weidel qualifiziert.

Am Sonntag reicht Sportdirektor Felix Bitterling seine Vorschlagsliste beim Deutschen Skiverband ein. Am Dienstag trifft der Deutsche Olympische Sportbund Entscheidungen über die Nominierungen. Vor der Verfolgung in der Chiemgau-Arena waren bei den Männern, die fünf Startplätze haben, nur Philipp Nawrath, Philipp Horn, Justus Strelow und David Zobel als DSV-Skijäger qualifiziert.

Auf Fehler der anderen angewiesen

Es ist offensichtlich, dass Preuß für einen Platz auf dem Podium ein nahezu perfektes Rennen braucht, da die Konkurrenz so stark und zahlreich ist. Leider gelingt es der deutschen Nummer eins derzeit weder am Schießstand noch in der Loipe. Nach ihrem Patzer in der Staffel kamen auch Selbstzweifel auf. Im Verfolgungsrennen erzielte sie nur die 26. Laufzeit, wobei selbst die weniger gute Läuferin Voigt fast elf Sekunden schneller war.

«Der letzte Schuss war nicht weit weg, aber daneben ist daneben und dann läuft man einfach hinterher», sagte Preuß im ZDF. Insgesamt sind die Schützlinge von Bundestrainer Kristian Mehringer noch nicht in Olympia-Form, so wird es schwer mit Medaillen in Antholz. Aber: In Südtirol stand Preuß letzte Saison zweimal auf dem Podium, Grotian hatte es im Sprint als Zweite vor Preuß ebenfalls geschafft.

Preuß macht keine Pause

Preuß wird ab Donnerstag die Olympia-Generalprobe in Nove Mesto in Tschechien bestreiten, im Gegensatz zu Hettich-Walz, Tannheimer, Voigt, Nawrath, Zobel und Strelow. Auch der zuvor krank fehlende Horn kehrt zurück.

«Ich brauche noch ein paar Rennkilometer», sagte Preuß. Denn wegen einer Corona- und Grippeinfektion hatte sie im Dezember in Hochfilzen gefehlt. Ihr derzeitiges Motto: Nicht so viel an Erwartungen und Platzierungen denken, weil «unbewusst schwingt das vielleicht doch mehr mit, als ich denke».

Sportdirektor mit Zweckoptimismus

Sportdirektor Felix Bitterling bleibt dennoch optimistisch. Preuß sei «absolut da, wo es darum geht, das Bärenfell zu verteilen und wenn sie in Antholz dann noch zwei Plätze besser ist, strahlt jeder», hatte er nach dem Sprint gesagt.

Auch bei den Männern, die in Oberbayern Staffel-Dritte wurden, sei er trotz der Dominanz der Norweger, Franzosen und Schweden zuversichtlich. «Ich glaube, dass wir uns nicht kleiner machen müssen, als wir sind», sagte der 48-Jährige. Man müsse «halt einfach irgendwann durchgehen», wenn die internationale Top-Konkurrenz mal «ein bisschen die Tür» aufmache.

dpa