Menschen die an Verschwörungstheorien glauben, sind meist nicht in der Lage, Informationen und Nachrichten kritisch zu hinterfragen.
Querdenker können nicht komplex denken

Menschen die an Verschwörungstheorien glauben, sind meist nicht in der Lage, Informationen und Nachrichten kritisch zu hinterfragen.
Das bedeutet nicht, dass „Querdenker“ dumm sind, sondern stattdessen oft nicht in der Lage sind, komplexe Situationen objektiv zu analysieren und zu bewerten.
Die gute Nachricht lautet, Menschen können diese Fähigkeiten erlernen. Sie können so aus ihrem Umfeld und geistigen Blase befreit werden. Aber natürlich klappt das nicht reibungslos.
Verfolgungswahn
Verschwörungstheorien gab es schon immer, doch durch das Internet und in Sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter, YouTube und Instagram können sie sich rasant verbreiten.
Anthony Lantian, außerordentlicher Professor für Psychologie an der Universität Paris-Nanterre und Mitverfasser der neuen Studie, erläutert: „Verschwörungstheorien sind Versuche, die Ursache eines wichtigen Ereignisses (sozialer, politischer, klimatischer Art usw.) zu erklären, indem man eine versteckte Koalition von vermeintlich böswilligen und mächtigen Personen oder Organisationen beschuldigt, diese Ereignisse heimlich geplant und durchgeführt zu haben.“ Eine immer komplexe Welt wollen Verschwörungstheoretiker wieder beherrschbar und übersichtlich machen. Das Problem ist, dass sie dabei Verbindungen konstruieren, wo es keine gibt und deswegen falsche Schlüsse ziehen.
So hält sich zum Beispiel hartnäckig die Verschwörungstheorie, dass zwielichtige Gestalten in der US-Regierung an den Ereignissen des 11. Septembers beteiligt waren – bei denen Flugzeuge in die Türme des World Trade Centers, das Pentagon und ein Feld in Pennsylvania geflogen wurden – und dass die Anschläge nicht einfach das Werk islamischer Terroristen waren.
Die QAnon-Verschwörungstheorie über ein globales satanisches Netzwerk das angeblich von Pädophilen und der politischen Eliten gesteuert wird, ist so weit verbreitet und mächtig, dass sie zur Wahl einer wahren Gläubigen, der Republikanerin Marjorie Taylor Greene, in den Kongress geführt hat.
Dann gibt es natürlich noch die Idee, dass die COVID-19-Pandemie absichtlich von chinesischen Wissenschaftlern geschaffen wurde (nicht zu verwechseln mit der Theorie, dass das Corona-Virus versehentlich aus einem Labor in Wuhan entwichen ist).
Die Antwort auf diese irren Ideen?
Französische Forscher führten zwei Studien durch, in denen sie die Fähigkeiten zum kritischen Denken von 338 Studenten anhand einer französischen Version eines Lehr- und Testinstruments, des Ennis Weir Critical Thinking Essay Test, auswerteten.
Anschließend bewerteten sie die Neigung der Studenten Verschwörungstheorien anzuhängen und ihre persönliche Einschätzung über ihrer Fähigkeit kritisch zu denken.
Kritisches Denken ist die objektive Analyse und Bewertung einer Situation und erfordert eine Reihe von kognitiven Fähigkeiten.
Dazu gehört die Fähigkeit, systematisch zu denken, andere Perspektiven einzunehmen, seine Meinung zu ändern, wenn neue Beweise auftauchen, relevante von irrelevanten Informationen zu unterscheiden, logische Irrtümer zu erkennen und zu verwerfen, Vorurteile zu erkennen und zu vermeiden und über das Offensichtliche hinauszuschauen.
Die Forscher fanden einen starken Zusammenhang zwischen geringeren Fähigkeiten zum kritischen Denken und einer erhöhten Neigung, Verschwörungstheorien zu glauben.
Das ist keine wirklich neue Erkenntnis, sondern baut überzeugend auf früheren Untersuchungen auf.
Forschung
Eine Reihe von Studien, die bereits 2014 in einem wissenschaftlichen Papier zusammengefasst wurden, kam zu dem Schluss, dass die Vermittlung der Fähigkeit zum analytischem Denken den Glauben von Verschwörungstheorien verringern oder sogar davor schützen kann.
Eine Studie aus dem Jahr 2017 ergab, dass analytisches Denken bereits 10- und 12-jährigen Kindern erfolgreich beigebracht werden kann.
Ego und Persönlichkeit neigen dazu, sich einer Veränderung des Denkens zu widersetzen
Es ist wunderbar, ein Mittel gegen gefährliches Denken zu haben, aber wie bringt man die Betroffenen dazu, es anzunehmen?
In einer Reihe von Experimenten aus dem Jahr 2016 wurde ein „robuster Zusammenhang“ zwischen dem Bedürfnis nach Einzigartigkeit (dem Bedürfnis einer Person, sich besonders zu fühlen), einer Verschwörungsmentalität und der Befürwortung bestimmter Verschwörungsvorstellungen festgestellt.
Mit anderen Worten: Der Wunsch, als einzigartig und besonders angesehen zu werden, dient als Motivation für die Aufstellung von Verschwörungstheorien.
Dies wirft die Frage nach der Natur des verrückten Glaubens auf. Es könnte sein, dass bei manchen Menschen das Ego alles andere übertrumpft.
Es lohnt sich, diesen Fakt zu bedenken, wenn man das scheinbar selbstzerstörerische Verhalten von Verschwörungsp-Gurus hinterfragt.
Letztes Jahr wurde der prominente Koch und Verschwörungstheoretiker Pete Evans von Channel Ten an dem Tag gefeuert, an dem er mit den Dreharbeiten zu I’m a Celebrity … Get Me Out Of Here! beginnen sollte.
Er verlor seinen Kochbuchverlag, Millionen von Dollar an Werbeeinnahmen und zukünftige Fernsehauftritte, weil er ein Neonazi-Symbol auf Instagram gepostet hatte.
Seine Facebook- und Instagram-Konten wurden inzwischen geschlossen, weil er falsche Informationen über das Corona-Virus verbreitet hatte.
Er wurde von der TGA zu einer Geldstrafe von 80.000 Dollar verurteilt, weil er angeblich für fragwürdige Wellness-Produkte geworben hat.
Während seine Reichweite zusammen mit seinem Einkommen geschrumpft ist, hat Evans keine Reue gezeigt.
Quelle: The New Daily








