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Rechtsradikaler sprengt sich in die Luft

Er war sein Leben lang besessen von Kriegswaffen, Sprengsätzen und Munition.

Foto: NF24 / Canva

Die Besessenheit ließ nicht nach, steigerte sich und entlud sich.

Der Tod eines rechtsextremen Waffennarrs, der für die Polizei kein Unbekannter war, wirft Fragen auf.

„Als Junge streifte der schon mit dem Metalldetektor durch die Wälder und schleppte Blindgänger und Weltkriegsmunition nach Hause“, erzählt eine Nachbarin.

Waffentraum im Sauerland

Attendorn (NRW) – Achim B. (†69), der frühere Bundeswehrsoldat sprengte sich in die Luft. Das Erschreckende: einen Tag nach einer Hausdurchsuchung der Polizei.

Schon als Kind fing Achim B. Militär-Funde in seinem Kinderzimmer zu verstecken. Mittlerweile hatte er Geheimbunker voll mit Weltkriegs-Devotionalien und gefährlichen Waffen.

Seine Waffentraum ließ er wahr werden als er sich nach der Schule beim Bund verpflichtete und im nahegelegenen Luftwaffenstützpunkt Lennestadt-Oedingen diente. Er wurde Berufssoldat, Oberfeldwebel, lief auch in seiner Freizeit ausschließlich in olivfarbener Militär-Montur herum.

Seine Vorliebe führte dazu, dass sein Fundus an Waffen über die Jahrzehnte wuchs. Das 69-Seelen-Dorf Attendorn-Weschede konnte beobachten wie Achim B. seinen Garten immer mehr vor neugierigen Blicken abdichtete. Seit rund einem Jahr liegt mannshoch Bauschutt im Garten, dichtes Gestrüpp dient als Sichtschutz.

Trotzdem war Achim B. im Dorf als freundlicher und umgänglicher Mann bekannt. Nur mit sämtlichen Behörden habe er dauernd im Streit gelegen. Die Dorfbewohner vermuteten, dass er nach seiner Entlassung beim Bund Geschäfte im osteuropäischen Rotlicht-Milieu tätigte, regelmäßig reiste er nach Polen und Russland.

Einen Tag nach der Hausdurchsuchung, am Donnerstag, konnte man Achim B. mit einem Besucher, vermutlich einem Anwalt, sichten. Gegen Am Vortag hatte der zuständige Haftrichter des Amtsgerichts Olpe einen Haftbefehl erlassen, der dann aber außer Vollzug gesetzt wurde. Der Richter hatte Meldeauflagen gegen den Mann verfügt.

In der Polizeimeldung heißt es: „Bei einem Durchsuchungseinsatz der Polizei Hagen in Attendorn wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz fanden Beamte des Hagener Staatsschutzes am Mittwoch (10.08.2022) eine Vielzahl an Waffen und Munition auf. Bei den Gegenständen handelt es sich zum Teil um funktionsfähige Waffen und intakte Munition. Eine Prüfung dieser Waffen vor dem Hintergrund eines Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz steht noch aus. Bei der Durchsuchung stießen die Beamten außerdem auf Gegenstände und Dokumente, die auf eine deutlich rechtsgerichtete Gesinnung des 69-jährigen Attendorners schließen ließen. Der zuständige Haftrichter des Amtsgerichts Olpe verkündete ihm am Mittwochabend einen Haftbefehl, der außer Vollzug gesetzt wurde. Zudem ordnete der Richter Meldeauflagen gegen den Mann an.

Suizid eines Hitler-Fanatikers

Aus Angst vor den Folgen der Hausdurchsuchung, vermutlich eine längere Haftstrafe, brachte sich Achim B. am Donnerstag um. Ein Riesenknall zog sich durch die Stille des Dorfes. Laut Oberstaatsanwalt Patrick Baron zu Grotthus wird von Suizid ausgegangen. Ob er hierbei eine Waffe oder einen Sprengsatz nutze ist nicht geklärt.

Die Nachbarn sind sich einig: „Da kommt noch mehr, der hat garantiert noch Verstecke, die niemand kennt.“

Auf Verdacht der Nachbarn, dass Achim B. noch unbekannte Waffenverstecke hätte, durchsuchten Sprengstoffexperten des LKA am Donnerstag das Waldstück, in dem sich der Mann das Leben nahm. Gefahrenabwehr!

Der ehemalige Bundeswehr-Soldat wurde bereits in der Vergangenheit aufgrund von Waffenschmuggel in Como (Norditalien) zu 17 Jahren Haft verdonnert. Die Strafe wurde später auf 15 Jahre reduziert. Den größten Teil saß er in der JVA in Hagen ab und kam schließlich nach zehn Jahren Haft auf Bewährung frei.

Die nächste Haftstrafe erhielt er vor einigen Jahren vom Landgericht Siegen. Verstoß gegen das Waffengesetz. Zwei Jahre Haft ohne Bewährung saß er ab. Der Hitler-Fanatiker galt als rechts-national und als waffenverrückt, dennoch waren laut Oberstaatsanwalt, keine Straftaten mit politischer Motivation bekannt.

Achim B. war geschieden, lebte nur mit einem Schäferhund in seinem Elternhaus in Attendorn-Weschede. Diesen gab er vor seinem Suizid ab.

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Quellen: https://m.bild.de, https://www.presseportal.de