Die EU-Kommission reformiert den Emissionshandel und gewährt der Industrie mehr Zeit und kostenlose Zertifikate zur CO2-Reduktion. Kritiker befürchten, dass dies die Klimaziele gefährdet und den Druck auf Unternehmen zur Umstellung verringert.
Reform des EU-Emissionshandels: Industrie erhält Aufschub bei CO2-Reduktion

Die EU-Kommission hat am 17. Juli 2026 eine Reform des Emissionshandels vorgestellt, die der Industrie mehr Zeit zur Reduzierung ihres CO2-Ausstoßes einräumt. Diese Entscheidung könnte weitreichende Auswirkungen auf Unternehmen haben, die bereits Milliarden in klimafreundliche Technologien investiert haben.
Emissionshandel ETS: Grundprinzip und aktuelle Herausforderungen
Der Emissionshandel, auch bekannt als Emissions Trading System (ETS), stellt das zentrale Instrument der EU im Klimaschutz dar. Unternehmen, die klimaschädliches CO2 emittieren, sind verpflichtet, für jede ausgestoßene Tonne ein Zertifikat zu erwerben. Der aktuelle Preis für eine Tonne CO2 liegt bei etwa 80 Euro. Da die Anzahl der verfügbaren Zertifikate jährlich abnimmt, steigt der Preis, was Unternehmen anregen soll, in umweltfreundliche Technologien zu investieren.
Lockerung der Verschmutzungsrechte durch die EU
Die EU-Kommission plant, die Regeln für den Emissionshandel zu lockern, indem die jährliche Obergrenze für den CO2-Ausstoß der Industrie ab 2031 langsamer gesenkt wird als ursprünglich vorgesehen. Dies bedeutet, dass Unternehmen länger und in größerem Umfang CO2 ausstoßen dürfen. Der ursprünglich angestrebte Zeitpunkt der Klimaneutralität bis 2039 wird somit um mehrere Jahre nach hinten verschoben.
Verlängerung kostenloser Zertifikate
Zusätzlich wird die Frist für kostenlose Zertifikate verlängert. Branchen wie Stahl und Zement sollen diese bis 2038 erhalten, anstatt bis 2034. Allerdings müssen Unternehmen einen Investitionsplan für klimafreundlichere Produktion vorlegen, um 80 Prozent der Zertifikate zu erhalten; die restlichen 20 Prozent werden nur nach erfolgreicher Umsetzung des Plans vergeben. Unternehmen, die ihre Produktion ins Ausland verlagern, sind verpflichtet, die kostenlosen Zertifikate zurückzugeben.
Erweiterung des Emissionshandels
Die Reform sieht auch eine Ausweitung des Emissionshandels auf weitere Bereiche vor, darunter die Müllverbrennung. Ab 2029 sollen zudem Flüge aus der EU, die bis zu 5000 Kilometer weit gehen, in das System integriert werden.
Reaktionen der Industrie
Unternehmen wie BASF und ThyssenKrupp hatten zuvor Bedenken geäußert, dass der Emissionshandel zu kostspielig werde und Arbeitsplätze ins Ausland abwandern könnten. Christian Kullmann, CEO von Evonik, hatte sogar die Abschaffung des ETS gefordert, da die finanziellen Mittel an anderer Stelle dringender benötigt würden.
Bewertung der Reform
Die Reform bietet den betroffenen Unternehmen mehr Zeit, um ihre CO2-Emissionen zu reduzieren und kostenlose Zertifikate zu erhalten. Die Hoffnung ist, dass sich bis dahin Technologien entwickeln, die eine kostengünstigere Emissionsreduktion ermöglichen. Allerdings wird die Dringlichkeit von Investitionen betont, da der CO2-Preis weiterhin steigen wird und die Zertifikate knapper werden.
Kritik an der Reform
Trotz der Zugeständnisse betont die EU-Kommission, dass die Klimaziele für 2040 weiterhin auf Kurs sind. Bis zu diesem Zeitpunkt sollen die Netto-Treibhausgasemissionen um 90 Prozent im Vergleich zu 1990 gesenkt werden. Der CDU-Klimapolitiker Peter Liesewird sieht die Reform als positiven Schritt für den Klimaschutz und die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie.
Widerspruch von Umweltschützern
Grüne Abgeordnete und Umweltorganisationen kritisieren jedoch, dass die Reform die Klimaziele erheblich schwächen könnte. Claudia Kemfert, Ökonomin am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, äußerte Bedenken, dass der Aufschub der Emissionsreduktionen die Last in die Zukunft verlagert. Auch die Organisation Germanwatch sieht die Reformvorschläge als gefährdend für die Erreichung der EU-Klimaziele an.
Ausblick
Nun liegt es am Europaparlament und den Mitgliedstaaten, eigene Änderungen vorzuschlagen und über die endgültigen Regelungen zu verhandeln. Ziel ist es, bis Anfang 2027 eine Einigung zu erzielen, um die Ausgabe der Zertifikate rechtzeitig anpassen zu können.
Quellen: deutschlandfunk, n-tv, Handelsblatt
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