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Wie hoch sind die Renten in Österreich im Vergleich zu den Nachbarländern?

Die Renten in Österreich übersteigen die deutschen Durchschnittswerte deutlich. Ein Vergleich der Systeme zeigt, wie Nachbarländer ihre Altersvorsorge gestalten und welche Lehren daraus für Deutschland gezogen werden können.

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2400 Euro für Österreicher: So hoch sind die Renten in Nachbarländern
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In der Diskussion um Renten werden häufig internationale Modelle als Vorbilder angeführt. Ein Überblick über die Rentensysteme in verschiedenen Ländern und deren Auswirkungen auf die Bezüge der Rentner.

Aktuell beschäftigt sich eine Kommission in Deutschland mit der Frage, wie die gesetzliche Rente trotz finanzieller Einschränkungen und einer alternden Bevölkerung zukunftssicher gestaltet werden kann. Nach den Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz zur gesetzlichen Rente als „Basisabsicherung“ stellte Sozialministerin Bärbel Bas klar, dass das Ziel ein Modell sein soll, das den Lebensstandard der Rentner sichert.

Bas wies darauf hin, dass die deutschen gesetzlichen Renten mit durchschnittlich 1400 Euro für Männer und 940 Euro für Frauen im europäischen Vergleich relativ niedrig sind. Besonders Österreich wird oft als positives Beispiel genannt. Doch wie unterscheidet sich das österreichische Rentensystem vom deutschen Drei-Säulen-Modell, das gesetzliche, private und betriebliche Renten umfasst? Ein Überblick über die Rentensysteme in den Nachbarländern:

Die Pension in Österreich

In Österreich beträgt die durchschnittliche Rente für Männer etwa 2400 Euro und für Frauen rund 1700 Euro. Bas erklärte in einer Talkshow, dass ihr Vater, der 45 Jahre oder länger als Busfahrer gearbeitet hat, in Deutschland wahrscheinlich nur die Hälfte dessen erhalten würde, was seine Kollegen in Österreich bekommen.

Ein weiterer Vorteil des österreichischen Systems ist, dass die Rentenbeträge 14 Mal jährlich ausgezahlt werden und die Anpassungen an die Inflation gekoppelt sind. Das Regelpensionsalter liegt für Männer bei 65 Jahren, während es für Frauen bis 2033 schrittweise auf 65 angehoben wird.

Ein wesentlicher Unterschied zu Deutschland besteht darin, dass es in Österreich keine Unterscheidung zwischen Pensionen und Renten gibt. Beamte, Angestellte und Selbstständige zahlen in ein gemeinsames System ein. Laut einer Vergleichsrechnung der Deutschen Rentenversicherung erklärt dies etwa 30 Prozent der höheren Rentenbeträge.

Zusätzlich liegt der Rentenbeitragssatz in Österreich bei 22,8 Prozent, was deutlich über den 18,6 Prozent in Deutschland liegt. Der Staat trägt ebenfalls mehr zur Rentenkasse bei, und die Bevölkerung ist im Durchschnitt jünger.

Dennoch gilt auch das österreichische System als reformbedürftig. Mit rund 30 Milliarden Euro muss die Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben geschlossen werden. Ein aktuelles Ziel ist es, das Arbeiten im Alter nach Erreichen der Altersgrenze attraktiver zu gestalten.

Staats- und Betriebsrente in den Niederlanden

Die Niederlande werden häufig als vorbildlich angesehen. Nach dem Allgemeinen Rentenversicherungsgesetz zahlen Arbeitnehmer in eine staatliche Versicherung ein. Alle Einwohner haben Anspruch auf eine Rente, die nach Aufenthaltsdauer und Wohnsituation gestaffelt ist. Die Staatsrente wird aus den Beiträgen finanziert, wobei der Staat eventuelle Defizite ausgleicht.

Zusätzlich gibt es die Betriebsrente, auf die etwa 90 Prozent der Arbeitnehmer zugreifen können. Arbeitgeber übernehmen im Durchschnitt zwei Drittel der Beiträge, während Arbeitnehmer ein Drittel zahlen. Ergänzend existieren individuelle Rentenversicherungen. Arbeitnehmer ohne Betriebsrente sind im Alter häufig auf staatliche Beihilfen angewiesen. Das gesetzliche Rentenalter liegt mittlerweile bei 67 Jahren.

Drei-Säulen-System in der Schweiz

In der Schweiz gibt es, ähnlich wie in Deutschland, ein Drei-Säulen-System: die staatliche Säule, eine zweite Säule, die durch Beiträge von Arbeitnehmern und Arbeitgebern finanziert wird, und eine dritte Säule, die steuerbegünstigte Privatvorsorge umfasst. Die staatliche Rente wird durch Einzahlungen und Steuerbeiträge finanziert.

Es existiert keine Beitragsbemessungsgrenze, was bedeutet, dass Personen mit hohen Einkommen auch hohe Beträge in die Rentenkasse einzahlen, während die Ansprüche gedeckelt sind. Die höchstmögliche Rente aus der ersten Säule beträgt derzeit 2520 Franken, was etwa 2750 Euro entspricht. Das Rentenalter für Frauen wird schrittweise auf 65 Jahre angehoben.

Die Zahlungen aus der zweiten Säule variieren stark je nach Versicherung. Durchschnittlich erhalten Rentner aus der ersten und zweiten Säule umgerechnet etwa 4800 Euro monatlich, Rentnerinnen etwa 3200 Euro. Hinzu kommen die während des Berufslebens angesparten Beträge aus der dritten Säule. Trotz dieser hohen Beträge sind die Lebenshaltungskosten in der Schweiz ebenfalls hoch, und die Krankenkassenbeiträge müssen von den Rentnern oft ohne Zuschüsse getragen werden.

Flexibler Renteneintritt in Schweden

In Schweden haben die Bürger die Möglichkeit, ab einem bestimmten Alter selbst zu entscheiden, wann sie in Rente gehen möchten. Aktuell können Personen, die ab 1963 geboren sind, frühestens mit 64 Jahren in den Ruhestand treten. Diese Zahl ist an die Lebenserwartung gekoppelt und dürfte in Zukunft steigen. In der Regel fällt die Rente höher aus, je mehr jemand verdient und je später die Person in Rente geht. Alle zahlen in das System ein, einschließlich Beamte und Selbstständige.

Ein weiterer Unterschied zu Deutschland ist die sogenannte Prämienrente. Von den insgesamt 18,5 Prozent Rentenbeitrag fließt der größte Teil in ein umlagefinanziertes System, während 2,5 Prozent in die Prämienrente investiert werden. Diese Gelder werden in Fonds angelegt, die die Schweden selbst auswählen können. Wer keine Wahl trifft, landet im staatlichen Standardfonds.

Frankreich: Reform unter Protest

In Frankreich gingen die Menschen Ende 2023 im Durchschnitt im Alter von 62 Jahren und 9 Monaten in Rente. Die durchschnittliche Rente betrug 1666 Euro brutto pro Monat. In diesem Jahr wurde unter massiven Protesten beschlossen, das gesetzliche Rentenalter schrittweise von 62 auf 64 Jahre anzuheben. Diese Anhebung wurde jedoch inzwischen ausgesetzt.

Tatsächlich begannen viele Menschen ihren Ruhestand vor der Reform später, oft aus finanziellen Gründen. Wer nicht lange genug eingezahlt hatte, musste länger arbeiten. Ab 67 Jahren gab es unabhängig von der Einzahldauer eine Rente ohne Abschläge. Wer frühzeitig in das Berufsleben eintrat, kann nach einer festgelegten Einzahldauer ebenfalls früher ohne Abschläge in Rente gehen.

Rente mit 68 in Großbritannien

In Großbritannien wurde das gesetzliche Rentenalter für jüngere Jahrgänge, konkret für alle ab dem 5. April 1977 Geborenen, auf 68 Jahre angehoben. Es besteht die Möglichkeit, später in Rente zu gehen und dafür eine Erhöhung oder Abschlagszahlung zu erhalten.

Die staatliche Rente wird über die sogenannten National-Insurance-Beiträge finanziert. Anspruch auf die volle Rente hat nur, wer mindestens zehn Jahre eingezahlt hat. Diese beträgt derzeit rund 240 Pfund pro Woche, was umgerechnet etwa 1108 Euro für vier Wochen entspricht. Dies wird als nicht auskömmlich angesehen, weshalb Arbeitgeber verpflichtet sind, anteilig in eine private Altersvorsorge ihrer Mitarbeitenden einzuzahlen. Die Regierung fördert zudem Investitionen in private Rentenfonds durch steuerliche Anreize.

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TS