Eine Lesung unter verstärkten Schutzmaßnahmen Im Rahmen der renommierten Lit.Cologne präsentierte der international bekannte Autor Salman Rushdie sein aktuellstes literarisches Werk in Köln. Die Veranstaltung im WDR-Funkhaus war von einer erhöhten Präsenz an Sicherheitskräften und Vorkehrungen geprägt, die den Besuchern deutlich vor Augen führte, unter welchen besonderen Umständen der Schriftsteller öffentlich auftritt. So wurde beispielsweise […]
Literarische Resilienz: Rushdie im Fokus der Kölner Lesereise

Eine Lesung unter verstärkten Schutzmaßnahmen
Im Rahmen der renommierten Lit.Cologne präsentierte der international bekannte Autor Salman Rushdie sein aktuellstes literarisches Werk in Köln. Die Veranstaltung im WDR-Funkhaus war von einer erhöhten Präsenz an Sicherheitskräften und Vorkehrungen geprägt, die den Besuchern deutlich vor Augen führte, unter welchen besonderen Umständen der Schriftsteller öffentlich auftritt. So wurde beispielsweise das Mitführen von Schreibutensilien im Saal unterbunden und umfassende Körperscans beim Einlass durchgeführt. Diese Maßnahmen verdeutlichen die anhaltende Bedrohungslage, die Rushdies Leben seit Jahrzehnten begleitet.
Hintergrund einer anhaltenden Bedrohung
Die Notwendigkeit solch stringenter Sicherheitsauflagen wurzelt in der Vergangenheit: Bereits 1989 erließ der damalige iranische Revolutionsführer Ajatollah Ruhollah Chomeini eine Fatwa – ein islamisches Rechtsgutachten – gegen Rushdie. Auslöser war sein Roman „Die satanischen Verse“, der in bestimmten islamischen Kreisen als blasphemisch empfunden wurde. Diese religiöse Anordnung, die zur Ermordung des Autors aufrief, hat sein Leben grundlegend verändert und ihn gezwungen, über lange Jahre im Verborgenen zu leben. Auch wenn die ursprüngliche Fatwa von der iranischen Regierung 1998 für beendet erklärt wurde, bleibt die Bedrohung durch radikale Kräfte akut.
Reflexionen über Existenz und Vergänglichkeit
Rushdies jüngstes Werk, ein Erzählband mit dem Titel „Die elfte Stunde“, steht im Zentrum seines Schaffens. Die fünf enthaltenen Geschichten setzen sich mit den fundamentalen Themen Vergänglichkeit, Tod und dem menschlichen Überleben auseinander. Sie erkunden die existenzielle Frage nach dem Sinn des Lebens und der eigenen Resilienz angesichts des unabwendbaren Endes. Ein Beispiel hierfür ist die Erzählung über zwei betagte Nachbarn, deren langjähriger Zwist jäh durch den Unfalltod des einen beendet wird, was den Überlebenden zur Selbstreflexion über seine eigene Existenz zwingt.
Persönliche Erfahrungen und literarische Verarbeitung
Der persönliche Bezug zu diesen Themen wurde durch ein Attentat im Jahr 2022 auf schockierende Weise evident, als Rushdie bei einer öffentlichen Veranstaltung in New York Opfer eines Messerangriffs wurde. Er erlitt dabei schwere Verletzungen, darunter den Verlust eines Auges. Moderator Bernhard Robben sprach Rushdie während der Lesung direkt auf diese traumatische Erfahrung an und fragte nach seiner Auseinandersetzung mit dem Überleben. Rushdie schilderte, dass sein Dasein nach dem Angriff einem großen Glück gleiche, da die medizinische Prognose kurzzeitig äußerst ungünstig gewesen sei. Er sei sich der ‘zweiten Chance’ bewusst und setze sich täglich mit der Frage auseinander, wie man ein solches Geschenk des Lebens nutzen sollte.
Humor als Abwehrmechanismus
Trotz der Schicksalsschläge und der ernsten Thematik seiner Werke bewies Rushdie auch in Köln seinen bekannten scharfsinnigen Humor und seine Geistesgegenwart. Er nutzte seinen Wortwitz, um der Schwere der Situation zu begegnen und das Publikum zu unterhalten. Auf die Frage nach einer möglichen Wiedergeburt antwortete er augenzwinkernd, er würde gerne als Ferrari zurückkehren, was für Heiterkeit sorgte. Diese Fähigkeit, selbst angesichts schwerster Erfahrungen eine humorvolle Perspektive beizubehalten, ist ein bemerkenswertes Merkmal seiner Persönlichkeit. Als Robben schließlich nach seinem Wunsch für den eigenen Tod fragte, konterte Rushdie mit einem verschmitzten Lächeln, er wünsche sich, „überhaupt nicht zu sterben“. Diese Aussage untermauert seine Lebensbejahung und seine außergewöhnliche Stärke, auch in existentiellen Krisen eine positive Haltung zu bewahren.








