Mobiles Menü schließen
Startseite Schlagzeilen

Deutsche Skispringer verzweifelt an Dominanz von Domen Prevc

Die deutschen Skispringer versuchen mit Humor die Ausnahmestellung von Domen Prevc aufzuholen, während er die Konkurrenz mit riesigen Vorsprüngen dominiert.

Felix Hoffmann ist bei der Vierschanzentournee der beste deutsche Skispringer.
Foto: Daniel Karmann/dpa

Die Dominanz von Domen Prevc nehmen die deutschen Skispringer mit einer Mischung aus Humor und Verzweiflung. «Er muss ja schon fast zweimal disqualifiziert werden», beschreibt Bundestrainer Stefan Horngacher mit einem Lächeln die Chancen, den Ausnahme-Athleten noch einzuholen. Philipp Raimund sagt: «Zu sehen, dass er so ein Überflieger ist, ist brutal.»

Raimund zählt als Sechster der Tournee-Gesamtwertung wie Felix Hoffmann, der Viertplatzierte, zu den Verfolgern. Allerdings ist es ungefähr so, als würde man bei den Prevc-Rivalen von Verfolgern sprechen, wie wenn man Borussia Dortmund oder Bayer Leverkusen als Bayern-Jäger in der Bundesliga-Tabelle betrachtet. Sowohl bei Prevc als auch beim Fußball-Rekordmeister zweifelt eigentlich niemand mehr am Titel.

Größter Vorsprung seit langer Zeit

«Man fragt sich als Springer schon: Wo sind die restlichen 15 Meter bis zum Domen? Ich gebe ja auch mein Bestes und bin auf sehr hohem Niveau», sagt Raimund. Sowohl beim Tournee-Auftakt in Oberstdorf als auch beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen siegte der Slowene mit riesigem Vorsprung.

https://twitter.com/FISskijumping/status/2006760872526619125

Vor der dritten Station in Innsbruck, wo an diesem Samstag (14.30 Uhr/ZDF und Eurosport) die Qualifikation stattfindet, führt Prevc bereits mit knapp 20 Metern Vorsprung vor dem zweitplatzierten Österreicher Jan Hörl und über 25 Metern vor Hoffmann.

25 Meter: Das entspricht ungefähr der Länge von zwei hintereinander geparkten Reisebussen. Im Skispringen ist das eine enorme Distanz. Seit der Saison 2004/05 lag kein anderer Skispringer zur Halbzeit der Tournee so weit vorne wie die finnische Skisprung-Legende Janne Ahonen. Die gesamte Skisprung-Welt fragt sich: Warum ist Prevc so herausragend und überlegen?

«Ihr fragt mich immer wieder nach meinem Geheimnis. Mein Geheimnis ist, dass ich den ganzen Sommer über konstant, ausdauernd und hart gearbeitet habe. Von April bis zum ersten Tag der Wintersaison», sagte er selbst. So weit, so unspektakulär.

Eisenbichler: Prevc früher «zwischen Genie und Wahnsinn»

Markus Eisenbichler, der seine Karriere nach der vergangenen Saison beendet hat und jahrelang gegen den 26-Jährigen sprang, hat eine Entwicklung beobachtet. Früher sei Prevc «zwischen Genie und Wahnsinn» gewesen und habe «a bissl in seiner eigenen Welt gelebt», sagte der Eurosport-Experte.

Prevc sei «ein verrückter Vogel», aber nun gereift. «Jetzt merkt man einfach: Er hat einen Plan, er hat ein System. Er lässt sich auch von einem schlechten Sprung nicht aus der Ruhe bringen.»

Der Spitzenreiter im Gesamtweltcup stammt aus einer echten Skisprung-Dynastie. Sein ältester Bruder Peter Prevc hat die Tournee vor zehn Jahren gewonnen und ist jetzt Teil des Trainerteams.

Sein Bruder Cene Prevc war Teil des slowenischen Teams, das 2022 Olympia-Silber gewann. Seine Schwester Nika Prevc ist eine bedeutende Figur im Frauen-Skispringen. An Neujahr sicherte sich die 20-Jährige den Gesamtsieg der Two-Nights-Tour. Der Name Prevc ist derzeit im Skisprung-Kontext unumgänglich.

https://twitter.com/FISskijumping/status/2006782545611129155

Wird Domen Prevc als vierter Sportler nach Sven Hannawald, Kamil Stoch und Ryoyu Kobayashi auch alle vier Springen bei einer Tournee gewinnen? Alles andere wäre mittlerweile schon eine Überraschung. «Irgendwann gewöhnt man sich dran. Er fliegt sowieso ganz runter», sagte Horngacher zur Dominanz. «Das ist für uns nicht mehr so aufregend. Wir müssen uns auf uns konzentrieren.»

dpa