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Straße von Hormus: Wie Geopolitik freie Seewege bedroht

Die Straße von Hormus ist ein entscheidender Knotenpunkt für den internationalen Handel, dessen Sicherheit zunehmend geopolitischen Spannungen ausgesetzt ist. Deutschlands mögliche Marinebeteiligung könnte die freie Durchfahrt sichern, während der Iran die Kontrolle über die Meerenge als Druckmit…

Straße von Hormus: Wie Geopolitik freie Seewege bedroht
Shutterstpck / Volodymyr TVERDOKHLIB

Tanker liegen in der Straße von Hormus vor Anker: Diese Meerenge stellt eine zentrale Handelsroute dar, deren Sperrung als geopolitisches Druckmittel genutzt werden kann.

Die Bundesregierung hat signalisiert, dass sie bereit ist, die deutsche Marine zur Sicherung der Straße von Hormus einzusetzen. Deutschland könnte dabei wichtige Fähigkeiten einbringen, wie beispielsweise Minenjagdboote und Aufklärungsflugzeuge. Dies würde jedoch erst nach einem stabilen Waffenstillstand geschehen und nur mit klaren Mandaten der UNO sowie des Bundestages, in Zusammenarbeit mit Partnern wie Frankreich und Großbritannien. Es bleibt jedoch wichtig, gegenüber Donald Trump standhaft zu bleiben, solange die Feindseligkeiten andauern. „Dies ist nicht unser Krieg“, so die treffende Aussage von Boris Pistorius.

Die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts

Die Auswirkungen dieses Konflikts sind für Deutschland spürbar. Die Bürger leiden nicht nur unter steigenden Preisen an den Tankstellen, sondern auch unter erhöhten Lebenshaltungskosten. Freie Seewege sind für eine Handelsnation wie Deutschland von existenzieller Bedeutung – und das betrifft nicht nur die Straße von Hormus.

Es ist bemerkenswert, dass erst vor 16 Jahren der damalige Bundespräsident Horst Köhler im Gespräch mit dem Deutschlandfunk erklärte, dass Auslandseinsätze zur Sicherung freier Seewege legitim seien. Köhler wurde damals scharf kritisiert, als würde er eine Militarisierung der Außenpolitik propagieren. Kaum jemand stellte sich hinter ihn, und er trat enttäuscht zurück. Er hatte eine unbequeme Wahrheit ausgesprochen, die zu jener Zeit niemand hören wollte. Diese Realität holt uns nun ein, denn die „Kanonenbootpolitik“ ist wieder in Mode, insbesondere unter Donald Trump, der nach Venezuela auch den Iran angegriffen hat und bereits ankündigt, in Kuba weiterzumachen.

Die Erosion des Völkerrechts

Wir erleben eine Rückkehr der Geopolitik und gleichzeitig eine Erosion des Völkerrechts, einschließlich des Seerechts. Geografie spielt wieder eine entscheidende Rolle in der internationalen Politik. Großmächte sichern sich Einflusszonen und beanspruchen ganze Hemisphären für sich, während sie Land- und Seekarten nach sogenannten „Chokepoints“ durchsuchen. Diese strategischen Engpässe können genutzt werden, um Warenströme und Lieferketten zu unterbrechen und einem Gegner zu schaden.

Meerengen wie die Straße von Hormus, die unsere global vernetzte Wirtschaft miteinander verbinden, erweisen sich als machtvolle Instrumente. Obwohl der Iran kürzlich angekündigt hat, die Meerenge für Handelsschiffe wieder zu öffnen, knüpft das Regime diese Zusage an die Bedingung, dass der Waffenstillstand im Libanon eingehalten wird, wo Israel seine Stellvertreter-Miliz Hisbollah bombardiert hat.

Die geopolitischen Implikationen

Teheran stellt also Bedingungen, obwohl es militärisch bereits geschlagen ist. Dies ist eine Rache der Geografie. Trump reagierte auf die iranische Blockade mit einer Gegen-Blockade. Die Wette lautet: Wer kann mehr Schmerzen ertragen, das iranische Regime oder die global vernetzte Wirtschaft? Das Regime hat durch die Kontrolle der Meerenge gelernt, dass es die gesamte Region und sogar die Welt als Geisel nehmen kann – und das mit minimalen Mitteln, wie wenigen Minen, Schnellbooten und Drohnen. Diese Taktik lässt sich jederzeit wiederholen.

Es wird auch Nachahmer geben. Rund 4000 Seemeilen östlich von Hormus wurde bereits ein strategisch wichtiges Atoll in der Nähe der Philippinen abgeriegelt, während die US-Navy mit ihrer großen Armada vor Hormus beschäftigt ist. Das Scarborough-Riff ist für die Philippinen von existenzieller Bedeutung, doch China beansprucht das Atoll als Teil seiner Einflusszone im Südchinesischen Meer.

Obwohl dies dem Seerecht widerspricht, können sich die USA kaum darauf berufen, da sie selbst oft gegen dieses Recht verstoßen, wenn es ihnen passt. Auch andere Meerengen, wie die Taiwanstraße oder die Straße von Malakka bei Singapur, durch die 40 Prozent des Welthandels verlaufen, bieten sich für eine ähnliche Politik an. Ihre militärische Blockade wäre relativ einfach umzusetzen. Die Folgen für die Weltwirtschaft wären noch verheerender als die aktuellen Entwicklungen in Hormus. Das Desaster in Hormus sollte uns lehren, solche Konflikte zu vermeiden.

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Bildquelle: Shutterstpck / Volodymyr TVERDOKHLIB

Ronny Winkler