Mobiles Menü schließen
Startseite Schlagzeilen

Taschengeld: Sachbücher erklären Kindern Zusammenhänge von Geld

Zwei neue Sachbücher für Kinder beleuchten den Umgang mit Geld und dessen gesellschaftliche Bedeutung. Sie bieten unterschiedliche Ansätze, um komplexe Zusammenhänge verständlich zu machen und das Interesse an Finanzthemen zu wecken.

Taschengeld: Sachbücher erklären Kindern Zusammenhänge von Geld
Foto von Markus Spiske auf Unsplash

Kindern den Umgang mit Geld und dessen Bedeutung zu vermitteln, gestaltet sich oft als herausfordernd. Zwei neue Sachbücher für Kinder versuchen, auf unterschiedliche Weise dabei zu helfen.

Das erste Buch von Andrea Schwendemann richtet sich an junge Leser und nutzt eine lebendige Sprache, um Interesse zu wecken. Es fragt die Kinder, ob sie ein „Super-Spar-Guppy“, eine „Risiko-Rakete“ oder ein „Schenk-Champion“ sind, um ihren Umgang mit Geld zu charakterisieren. Diese spielerische Herangehensweise sorgt zwar für Unterhaltung, wirkt jedoch über die gesamte Länge des Buches etwas übertrieben.

Geldprofis und Sparsuperhelden

Das Buch verfolgt ein Belohnungssystem, bei dem die Leser nach dem Absolvieren von Multiple-Choice-Tests den Titel „Geldguru“ erhalten können. Die Protagonisten, die Guppys Goldi und Fondia, führen die Leser durch verschiedene Aspekte der Geldwelt. Sie beantworten Fragen wie:

  • Warum wurde Geld erfunden?
  • Wie kannst du aus deinem Taschengeld mehr machen?
  • Macht Geld Menschen glücklich?
  • Was kannst du Gutes mit deinem Geld tun?

Am Ende des Buches wird sogar eine Vision für die Zukunft des Geldes präsentiert. Allerdings greift das Buch zu viele Themen auf, darunter auch komplexe Finanzkonzepte wie Geldvermehrung und Anlagemöglichkeiten. Die Altersempfehlung von 8 bis 99 Jahren deutet darauf hin, dass auch Erwachsene, die sich bislang nicht mit Geldanlagen beschäftigt haben, hier nützliche Informationen finden können.

Praktische Tipps und kritische Anmerkungen

Die Autorin bietet praktische Ratschläge, wie man Geld sparen und sein Budget im Blick behalten kann. Dazu gehören:

  • Trage deinen Geldbeutel in Innentaschen oder vorne in der Hosentasche.
  • Teile dein Geld auf: etwas im Portemonnaie, etwas in einer anderen Tasche.
  • In manchen Jacken gibt es versteckte Taschen – ideal für Wertsachen.
  • Nimm nur so viel Geld mit, wie du wirklich benötigst.
  • Zähle dein Geld nicht offen, wo andere zuschauen können.

Die Erklärungen zur Entstehung und Bedeutung des Geldes sind klar und ansprechend formuliert. Das Buch verdeutlicht den Unterschied zwischen Bedürfnissen und Wünschen und bietet praktische Vorschläge für Tauschgeschäfte mit Freunden oder Nachbarn. Dennoch gibt es kritische Punkte, wie die Aussage, dass „Geld ein Preis-Erklärer“ sei, was nicht die komplexen Zusammenhänge von versteckten Kosten und Ausbeutung berücksichtigt.

Ein alternatives Konzept: Zwiegespräch über Geld

Das zweite Buch von Saskia Hödl verfolgt einen anderen Ansatz. Es präsentiert ein Zwiegespräch zwischen einer Mutter und ihrem Sohn Ezra, der Fragen zum Thema Geld stellt. Die Dialoge sind alltagsnah und behandeln Themen wie:

  • Warum muss man arbeiten?
  • Warum gibt es nur zwei Tage am Wochenende?
  • Wer hat das alles erfunden?

Die Antworten der Mutter sind verständlich, doch einige Begriffe wie „Gewinn“ oder „Dienstleistungen“ könnten für Kinder schwer nachvollziehbar sein. Das Buch thematisiert auch kritische Aspekte des Kapitalismus, wie Verteilungsfragen und die Ungleichheit zwischen Arm und Reich. Die Hündin der Familie, Ronja, bringt humorvolle Kommentare ein, die die ernsten Themen auflockern.

Kapitalismuskritik und Care-Arbeit

Das Buch legt besonderen Wert auf die Themen Care-Arbeit und soziale Verantwortung. Es erklärt die Begriffe „Kümmerarbeit“ und „Gedankenlast“ und illustriert diese mit Beispielen. Zudem wird auf die Unterschiede zwischen absoluter Armut und relativer Armut eingegangen, was die Lebensrealität vieler Menschen verdeutlicht.

Die Illustrationen von Sonja Stangl unterstützen die Inhalte visuell und schaffen eine klare Struktur. Die Informationskästchen mit Erklärungen zu Begriffen wie „Ware“, „Wirtschaft“ und „Monopol“ sind hilfreich und ansprechend gestaltet. Hödls Text ist überwiegend verständlich und regt die kindliche Neugier an.

Fazit: Gemeinsam lernen und diskutieren

Beide Bücher bieten wertvolle Ansätze, um Kindern den Umgang mit Geld näherzubringen. Während das erste Buch durch spielerische Elemente und praktische Tipps besticht, bietet das zweite Buch tiefere Einblicke in gesellschaftliche und wirtschaftliche Zusammenhänge. Beide Werke eignen sich hervorragend für den gemeinsamen Austausch zwischen Eltern und Kindern, um wichtige Themen rund um Geld und Gerechtigkeit zu diskutieren.

Andrea Schwendemann, Katrin Oertel (Ill.): „Von Geld, Gold und Guppys. Wie aus deinem Taschengeld ein ganzer Schatz wird“, Stiftung Warentest, 128 Seiten, 16,90 Euro, 8 bis 99 Jahre.

Saskia Hödl, Sonja Stangl (Ill.): „Wieso drucken wir nicht einfach mehr Geld? Was Du immer schon über Geld, Arbeit und Gerechtigkeit wissen wolltest“, Leykam Verlag, 128 Seiten, 24 Euro, ab 6 Jahren.


Quellen: deutschlandfunkkultur

Bildquelle: Foto von Markus Spiske auf Unsplash

Ronny Winkler