Der Umstieg auf Elektro-Lkw stellt Speditionen vor große Herausforderungen. Hohe Investitionskosten und die Notwendigkeit einer Ladeinfrastruktur sind zentrale Themen. Dennoch steigen die Zulassungszahlen und Deutschland nimmt im europäischen Vergleich eine Führungsrolle ein.
Teurer Übergang zu Elektro-Lkw für die Speditionsbranche

Auf der IAA Transportation in Hannover präsentiert die Nutzfahrzeugbranche ihre neuesten Modelle. Der Wechsel zu Elektro-Lkw erweist sich für viele Speditionen als aufwendiger und kostspieliger Prozess.
Testphase bei der Spedition Ludwig
Am frühen Morgen auf dem Betriebshof der Spedition Ludwig in Dreis-Brück, Rheinland-Pfalz, bereitet sich Lkw-Fahrerin Jennifer Mayer auf ihren nächsten Auftrag vor. Sie wird mit einem elektrisch betriebenen Sattelschlepper Drehverschlüsse für Flaschen zu einem großen Getränkehersteller transportieren. “Es ist wirklich still, kein nagelnder Dieselmotor, kein Rütteln im Führerhaus. Viele Kunden bemerken gar nicht, wenn ich auf das Gelände fahre”, berichtet Mayer.
Hohe Anfangsinvestitionen
Die Spedition Ludwig hat den Elektro-Lkw der niederländischen Marke DAF für einen Zeitraum von drei Monaten ausgeliehen, um verschiedene Modelle zu testen, bevor sie sich für ein eigenes E-Modell entscheidet. “Wir haben diesen Weg gewählt, weil wir CO2-Emissionen reduzieren und aktiv etwas für die Umwelt tun möchten”, erklärt Iris Ludwig, die Geschäftsführerin des Unternehmens.
Fuhrparkleiter Sebastian Minninger weist darauf hin, dass die ersten Investitionen für einen elektrischen Lkw, einschließlich der notwendigen Ladeinfrastruktur, sich auf rund eine Million Euro belaufen können. “Wir haben bereits eine Ladesäule mit zwei Ladepunkten installiert und planen, bei Bedarf eine weitere hinzuzufügen”, sagt Ludwig.
Marktentwicklung und Zulassungszahlen
Die Anschaffungskosten für Elektro-Lkw liegen derzeit etwa doppelt so hoch wie für ihre dieselbetriebenen Pendants, dennoch zeigen die Zulassungszahlen einen positiven Trend. Laut dem Europäischen Automobilherstellerverband (ACEA) hat Deutschland im ersten Halbjahr 2026 die Neuzulassungen elektrisch angetriebener Lkw um 88,5 Prozent auf insgesamt 3.545 Fahrzeuge gesteigert. Damit erreicht der Elektroantrieb einen Marktanteil von 8,7 Prozent, während der EU-Durchschnitt bei lediglich 4,8 Prozent liegt.
Vorzüge und Herausforderungen im Einsatz
Die Spedition Ludwig hat ihren Test-Lkw auf verschiedenen Strecken eingesetzt. Vollbeladen kann das DAF-Modell bis zu 500 Kilometer zurücklegen. “Gerade bei längeren Fahrten können die elektrischen Lkw wirtschaftliche Vorteile bringen, da sie von Mautbefreiungen profitieren und die Dieselpreise weiterhin hoch sind”, erklärt Iris Ludwig. Elektro-Lkw sind bis Ende Juni 2031 von der Lkw-Maut befreit.
Ähnliche positive Erfahrungen berichtet der Logistik-Dienstleister Contargo, der vorwiegend Container zwischen Seehäfen und dem Hinterland transportiert. “Die Technologie funktioniert gut, und für die Fahrer ist es gesünder, da Lärm und Abgase fast nicht mehr vorhanden sind”, sagt Andreas Roer, der Standortleiter in Wörth.
Fokus auf Ladeinfrastruktur
Thorsten Hölser, Geschäftsführer des Speditions- und Logistikverbands Hessen/Rheinland-Pfalz, betont die Notwendigkeit des Ausbaus der Ladeinfrastruktur. “Auf den Betriebshöfen werden Ladesäulen zwar zunehmend installiert, aber der Netzausbau kommt nicht schnell genug voran”, kritisiert Hölser. Zudem seien Ladesäulen an Autobahnen für den internationalen Fernverkehr von großer Bedeutung.
Öffentliche Ladeinfrastruktur im Aufbau
Aktuell können E-Lkw-Fahrer in Deutschland 88 öffentlich zugängliche Lade-Standorte anfahren, an denen insgesamt 355 Ladepunkte bereitstehen. Der Bund plant zudem den Ausbau eines Schnellladenetzes für Nutzfahrzeuge entlang der Autobahnen. Bis 2030 sollen an ungefähr 350 Standorten rund 4.200 Ladepunkte entstehen.
Sorge vor Reichweitenangst
Jennifer Mayer hat bisher keine Bedenken hinsichtlich der Reichweite: “Ich komme in der Regel mit genug Akkuladung zurück, meistens mit 20 bis 30 Prozent, wenn ich Feierabend mache und den Lkw an den Strom anschließe.” Die Umstellung auf den elektrischen Antrieb erfordert jedoch eine Anpassung der Fahrweise. “Der zieht auch ziemlich gut”, bemerkt die Fahrerin.
Das Thema der Elektrifizierung der Speditionsbranche bleibt weiterhin aktuell, während die Unternehmen vor der Herausforderung stehen, die erforderliche Infrastruktur auszubauen und die hohen Anfangsinvestitionen zu bewältigen.
Quellen: tagesschau
Bildquelle: MAbW via Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)
Dieser Text wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz in Zusammenarbeit mit unserer Redaktion erstellt.








