Eine neue Studie zeigt, dass weltweit jährlich zwischen 2,1 und 7 Millionen Menschen von Giftschlangen gebissen werden, was zu Hunderttausenden von Todesfällen führt. Besonders in Afrika südlich der Sahara und Südasien ist die Sterblichkeit hoch, während die Datengrundlage oft unzureichend ist.
Tödliche Schlangenbisse: Unterschätzte Gefahr für Millionen Menschen weltweit

Weltweit sind Giftschlangen in 170 Ländern verbreitet, und täglich sind zahlreiche Menschen von ihren Bissen betroffen. Die Anzahl der Angriffe, die oft fatale Folgen haben, ist jedoch nur schwer zu ermitteln. Schätzungen zufolge werden jährlich zwischen 2,1 und 7 Millionen Menschen gebissen, wobei zwischen 274.000 und 513.000 Todesfälle verzeichnet werden.
Besonders hoch ist die Zahl der Vorfälle in Afrika südlich der Sahara, wo nahezu die Hälfte der Fälle (45 Prozent) vorkommt. Südasien steht mit 27 Prozent an zweiter Stelle. Eine Studie, die in einem Fachmagazin veröffentlicht wurde und von einem internationalen Team unter der Leitung von Dileepa Senajith Ediriweera von der Liverpool School of Tropical Medicine durchgeführt wurde, weist auf die oft mangelhafte Datengrundlage hin, die für diese Schätzungen verwendet wird.
Datenmangel und globale Herausforderungen
Die Forscher betonen, dass in ländlichen tropischen Gebieten, in denen die meisten Schlangenbisse auftreten, verlässliche Daten zur Häufigkeit und Sterblichkeit fehlen. Häufig suchen Betroffene keine medizinische Hilfe in Kliniken, sondern lassen sich traditionell behandeln. Dies führt zu einer erheblichen Untererfassung der Bisse und Todesfälle. Eine globale Übersicht aus dem Jahr 2007 schätzte die Zahl der Vergiftungen auf 420.000 bis 1,8 Millionen, die der Todesfälle auf 20.000 bis 94.000. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt die jährlichen Todesfälle auf 81.000 bis 138.000. Zudem gibt es viele Menschen, die durch Schlangenbisse bleibende Behinderungen wie Erblindung, Amputationen oder posttraumatische Belastungsstörungen erleiden.
Regionale Unterschiede in der Sterblichkeit
Die Analyse zeigt, dass Afrika südlich der Sahara mit 124.000 bis 232.000 jährlichen Todesfällen die am stärksten betroffene Region ist. Südasien folgt mit 75.000 bis 140.000 Toten. Auch Ostasien und der Pazifikraum (35.000 bis 64.000), Lateinamerika und die Karibik (30.000 bis 52.000) sowie der Nahe Osten und Nordafrika (12.000 bis 22.000) sind betroffen. Über drei Viertel (78 Prozent) aller Todesfälle entfallen auf nur 20 Länder. Indien führt die Liste mit 38.000 bis 70.000 jährlichen Todesfällen an, gefolgt von Nigeria (30.000 bis 55.000) und Pakistan (27.000 bis 50.000). Hohe Fallzahlen verzeichnet auch die Demokratische Republik Kongo mit 21.000 bis 39.000 Toten.
Herausforderungen in wohlhabenden Ländern und Antivenome
In wohlhabenderen Ländern sind die Todesfälle durch Schlangenbisse deutlich seltener. Die meisten Vorfälle ereignen sich dort nicht in der Natur, sondern in Zoos, Reptilienhäusern oder bei Haltern exotischer Tiere. Hier wird die Zahl der jährlichen Todesfälle auf etwa 150 geschätzt. Die Forscher weisen auch darauf hin, dass ihre Schätzungen chronische Behinderungen infolge von Schlangengiften nicht berücksichtigen. Sie schätzen, dass es mindestens 825.000 Fälle von schwerer körperlicher Behinderung jährlich gibt, wobei psychologische Auswirkungen unberücksichtigt bleiben.
Präventionsstrategien und fehlende Daten
Trotz der Tatsache, dass es weltweit 170 Länder mit Giftschlangen gibt, fehlen in 91 davon verlässliche Daten zu Schlangenbissen. Die Wissenschaftler betonen, dass diese Vergiftungen ein viel größeres globales Problem darstellen als bislang bekannt. In den am stärksten betroffenen Regionen ist es entscheidend, die Prävention, die Erfassung von Fällen sowie den Zugang zu medizinischer Versorgung und Antivenomen zu verbessern. Die WHO hat sich das Ziel gesetzt, die Krankheitslast und die Sterblichkeit durch Schlangenbisse bis 2030 um die Hälfte zu reduzieren, was eine enorme Herausforderung darstellt. Die Entwicklung von Antivenomen ist oft kostenintensiv und in ländlichen Gebieten, wo die meisten Bisse geschehen, häufig nicht möglich. Derzeit werden Antivenome hergestellt, indem Schlangengifte Tieren injiziert werden, um deren Antikörper zu isolieren.
Vielfalt der Schlangenarten und Behandlungsherausforderungen
Weltweit gibt es über 3000 Schlangenarten, von denen mehr als 600 giftig sind. Diese lassen sich in zwei Hauptkategorien unterteilen: Vipern und Giftnattern. Viele Schlangen produzieren komplexe Giftcocktails, die die Behandlung von Bissen erheblich komplizieren. Darüber hinaus variiert die Zusammensetzung der Gifte selbst innerhalb einer Art, was die Entwicklung effektiver Antivenome erschwert. Forschungsteams sind daher bestrebt, Breitband-Antivenome zu entwickeln, die synthetisch hergestellt werden können und die Gifte ganzer Schlangenfamilien neutralisieren sollen. Solche Fortschritte könnten einen entscheidenden Beitrag zur Bekämpfung der globalen Gesundheitskrise leisten, die durch Schlangenbisse verursacht wird.
Quellen: n-tv, RTL
Bildquelle: Donald Tong auf Pexels
Dieser Text wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz in Zusammenarbeit mit unserer Redaktion erstellt.








