Moderne Fahrzeuge könnten vertrauliche Gespräche aufzeichnen, warnen Sicherheitsbehörden. Der australische Geheimdienst ASIO rät, sensible Themen nicht im Auto zu besprechen, da vernetzte Technologien potenziell als Spione agieren.
Überwachung im Auto: Risiken durch Abhörtechnologien in vernetzten Fahrzeugen

Abhörrisiko im Auto? Geheimdienst warnt vor vertraulichen Gesprächen
Die zunehmende Technologisierung heutiger Fahrzeuge wirft ernsthafte Fragen hinsichtlich der Sicherheit auf. Der australische Inlandsgeheimdienst ASIO hat Politiker und Regierungsbeamte eindringlich ermahnt, vertrauliche Gespräche über staatliche Belange oder laufende Ermittlungsthemen nicht im Auto zu führen. Der Hintergrund dieser Einschätzung ist die Besorgnis, dass Fahrzeuge möglicherweise in der Lage sind, Gespräche abzuhören.
Zuletzt wurden in Australien mehrere Modelle von chinesischen Elektroautoherstellern in die Liste der steuerfinanzierten Dienstwagen für Parlamentarier aufgenommen. Aktuellen Berichten zufolge stammen etwa 32 Prozent der in Australien verfügbaren Fahrzeuge von Herstellern aus China. Die Warnung des ASIO richtet sich jedoch nicht gegen bestimmte Marken oder Herkunftsländer. Lisa Alonso Love, die stellvertretende Leiterin des ASIO, erklärte vor einem Senatsausschuss, dass vertrauliche Gespräche ausschließlich an dafür vorgesehenen Orten stattfinden sollten. Zudem wies sie darauf hin, dass vernetzte Fahrzeuge zusätzliche Möglichkeiten zur Informationsbeschaffung bieten könnten.
Autos als potenzielle Überwachungsgeräte
Diese Äußerungen verdeutlichen eine globale Entwicklung, die Sicherheitsbehörden zunehmend beschäftigt. Heutige Autos sind nicht mehr geschlossene Räume; sie sind mit Technologien ausgestattet, die Daten erfassen und übertragen können. Die entscheidende Frage ist nicht mehr, ob Fahrzeuge Informationen sammeln, sondern vielmehr, welche Daten tatsächlich erfasst werden und wer Zugang zu diesen Informationen hat.
In Deutschland haben sich Sicherheitsbehörden ebenfalls intensiv mit diesem Thema befasst. Recherchen zeigen, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz und die Sicherheitsbehörde ZITiS bereits vor über einem Jahr Fahrzeuge verschiedener chinesischer Hersteller untersucht haben. Dabei wurde erfasst, welche Daten diese Fahrzeuge sammeln, in welchem Umfang dies geschieht und ob Informationen ins Ausland weitergeleitet werden. Die Behörden äußern sich bislang nicht zu den Ergebnissen dieser Untersuchungen, was möglicherweise auf die politische Brisanz des Themas hindeutet.
Gefahren durch moderne Fahrzeugtechnologien
Die Bedenken der Sicherheitsbehörden gehen weit über den Datenschutz hinaus. Auch die Auswirkungen auf die Spionageabwehr und den Schutz sensibler Einrichtungen sind besorgniserregend. Besonders betroffen sind Fahrzeuge, die sich in der Nähe von militärischen Einrichtungen, Ministerien oder kritischer Infrastruktur bewegen.
Das Bundesverteidigungsministerium hat klargestellt, dass moderne Fahrzeugtechnologien ein potenzielles Risiko für militärische Geheimhaltung darstellen. Ein Sprecher des Ministeriums betonte, dass alle sensorischen Systeme eines Fahrzeugs, die für Ausspähungen geeignet sind, eine Bedrohung darstellen. Dazu zählen unter anderem Kamera- und Radarsysteme, Mikrofone sowie Datenübertragungssysteme.
Konkrete Maßnahmen und Einschränkungen
Bereits jetzt zeigen sich praktische Konsequenzen aus diesen Bedenken. Das Verteidigungsministerium hat bekannt gegeben, dass es in bestimmten Sicherheitsbereichen Zufahrtsverbote für bestimmte Fahrzeugtypen gibt. Für die private Nutzung von Militärangehörigen gelten jedoch derzeit keine allgemeinen Verbote. Recherchen zeigen, dass chinesische Fahrzeuge auf bestimmten Grundstücken des Bundesnachrichtendienstes nicht parken dürfen. Ähnliche Einschränkungen gelten auch beim Operativen Führungskommando der Bundeswehr in Schwielowsee. Großbritannien hat bereits vergleichbare Maßnahmen ergriffen, während Polen angekündigt hat, chinesische Fahrzeuge aus bestimmten militärischen Bereichen fernzuhalten.
Bundesinnenministerium setzt auf europäische Hersteller
Das Bundesinnenministerium verfolgt diese Entwicklungen aufmerksam und hat eine klare Haltung bei der Auswahl von Dienstwagen. Dem Ministerium zufolge werden ausschließlich europäische Fabrikate eingesetzt, und eine Anschaffung chinesischer Fahrzeuge ist derzeit nicht vorgesehen. Es wird auch die zunehmende Technologisierung von Fahrzeugen im Auge behalten, und das Ministerium befürwortet eine koordinierte Vorgehensweise in Zusammenarbeit mit anderen Bundesministerien.
Daten als Geschäftsmodell der Automobilhersteller
Unabhängig von den sicherheitstechnischen Bedenken ist offensichtlich, dass Daten zunehmend zum Geschäftsmodell der Automobilhersteller gehören. Volkswagen hat angekündigt, ab 2024 in Deutschland Informationen aus Kundenfahrzeugen zu sammeln, um Assistenzsysteme weiterzuentwickeln. Dieses Programm wird auf andere europäische Länder ausgeweitet. Auch andere Hersteller nutzen Fahrzeugdaten, um Informationen zu Bremsmanövern, Fahrtrichtung, Geschwindigkeit und weiteren Parametern zu erfassen. Die Hersteller argumentieren, dass diese Daten dazu beitragen, Assistenzsysteme zu verbessern und automatisierte Fahrfunktionen zu entwickeln. Die Verarbeitung dieser Daten erfolgt mit Zustimmung der Fahrzeughalter und innerhalb des Rahmens des europäischen Datenschutzes.
Erfassung von Fahrerdaten durch moderne Fahrzeuge
Heutige Autos sind mit einer Vielzahl von Sensoren, Mikrofonen und teilweise Kameras ausgestattet, die verschiedene Funktionen ermöglichen. Diese Technologien sind grundsätzlich positiv, da sie zur Vermeidung von Unfällen und zur Erhöhung der Sicherheit beitragen. Beispielsweise überwachen Sensoren die Straße und können bei Bedarf eingreifen. Smartphones lassen sich mit dem Infotainment-System des Fahrzeugs koppeln, was zusätzliche Funktionen bietet und Daten überträgt. Diese Entwicklungen verdeutlichen, welche umfangreichen Informationen moderne Fahrzeuge sammeln können.
Datenschützer kritisieren seit Jahren, dass viele Nutzer nicht ausreichend über die Datenverarbeitung informiert sind. Für die Autohersteller sind diese Daten entscheidend für die Entwicklung neuer Funktionen, während sie für Geheimdienste und Sicherheitsbehörden eine zusätzliche Quelle potenzieller Risiken in einer zunehmend vernetzten Welt darstellen.
Quellen: t-online, „Keine sensiblen Gespräche führen”: Geheimdienst warnt vor modernen Autos, Auto hört mit: Geheimdienst warnt vor Gesprächen am Steuer
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