Eine neue Militärreform in der Ukraine soll langgedienten Soldaten eine Pause von der Front ermöglichen. Verteidigungsminister Fedorow betont die Notwendigkeit, erfahrene Kämpfer zu halten, während Kritiker sofortige Entlassungen fordern.
Ukrainische Militärreform: Langgediente Soldaten sollen vorübergehend entlastet werden

Militärreform bietet langgedienten Soldaten in der Ukraine eine vorübergehende Auszeit
Ukrainische Soldaten, die seit über vier Jahren im Einsatz sind, erhalten durch eine neue Militärreform die Möglichkeit, für eine bestimmte Zeit von der Front zurückzukehren. Dies wurde vom Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow verkündet, der die Maßnahme als ersten Schritt hin zu mehr Gerechtigkeit bezeichnete.
Hintergrund und Notwendigkeit der Reform
Seit dem Beginn des Konflikts im Donezk-Becken vor mehr als einem Jahrzehnt sind viele Soldaten an der Front im Einsatz. Kritiker bemängeln, dass diese Soldaten nicht ausreichend abgelöst werden, was zu einer erheblichen psychischen und physischen Belastung führt. „Es ist eine schreiende Ungerechtigkeit, dass diese Soldaten nicht ersetzt werden und die Möglichkeit haben, die Armee in der Regel nicht zu verlassen“, äußern zahlreiche Angehörige der Streitkräfte.
Details zur neuen Militärreform
Fedorow erklärt, dass die Reform nicht bedeutet, dass langgediente Soldaten sofort aus dem Dienst entlassen werden. Vielmehr sollen sie einen neuen Vertrag mit der Armee unterzeichnen, der ihnen eine Entlassung nach einer bestimmten Zeit garantiert. Für Frontsoldaten könnte dies bedeuten, dass sie je nach Dauer ihres Dienstes mindestens zehn Monate weiter kämpfen müssen, während Soldaten mit geringerem Risiko für mindestens zwei Jahre in der Armee bleiben müssen.
„Wir sind in eine Situation geraten, in der wir eine Herzoperation vornehmen müssen, ohne das entsprechende Besteck zu haben“, erläuterte Fedorow. „Aber du musst das tun, damit das Herz weiter schlägt.“
Reaktionen von Soldaten und Experten
Andrij, ein 34-jähriger Kommandeur einer Einheit, die für die Abwehr von Drohnen zuständig ist, sieht in der Reform einen positiven Schritt. „Da gibt es die Perspektive auf eine temporäre Freistellung“, sagt er. „Man kann mit der Familie einfach wegfahren, nach Odessa, ins Karpatenvorland, sich ausruhen, wirklich ausruhen, vergessen, dass Krieg ist, damit der Kopf etwas abkühlen kann.“
Die Reform sieht vor, dass Soldaten nach einer Pause möglicherweise erneut eingezogen werden können. Die geplante Dauer der Auszeit beträgt mindestens sechs Monate, wobei erfahrene Soldaten länger geschont werden sollen.
Kritik an der Wehrpflicht
Eine der Hauptforderungen von Kritikern ist die sofortige Entlassung derjenigen Soldaten, die bereits viele Jahre im Einsatz sind. Verteidigungsminister Fedorow stellt dem entgegen, dass diese Soldaten das Rückgrat der ukrainischen Armee bilden. Er bezeichnet sie als unersetzlich, da sie über wertvolle Erfahrung verfügen und die neuen Rekruten anlernen.
Ökonomische Anreize für neue Rekruten
Um den Mangel an Soldaten zu beheben, plant die Armee, neue Rekruten mit höheren finanziellen Anreizen zu ködern. Infanteristen an der vordersten Front sollen monatlich bis zu 5.800 Euro verdienen, bei besonders gefährlichen Einsätzen sogar noch mehr. Fedorow ist überzeugt, dass dies auch ausländische Staatsbürger anziehen wird, sich der ukrainischen Armee anzuschließen.
Diese Reform ist ein bedeutender Schritt in der aktuellen Militärstrategie der Ukraine, die darauf abzielt, die Belastung langgedienter Soldaten zu verringern und gleichzeitig die Verteidigungsfähigkeit des Landes zu stärken.
Quellen: tagesschau
Bildquelle: depositphotos








