Am 2. Oktober 2026 wurde die 28-jährige Forscherin Darja Schipilowa im Kreiskrankenhaus von Schelechow für tot erklärt. Der Vorfall ereignete sich in einer kleinen Stadt, die circa 20 Kilometer von Irkutsk entfernt liegt.
Unklare Umstände: Forscherin in Sibirien stirbt an potenzieller Pestinfektion

Am 2. Oktober 2026 wurde die 28-jährige Forscherin Darja Schipilowa im Kreiskrankenhaus von Schelechow für tot erklärt. Der Vorfall ereignete sich in einer kleinen Stadt, die circa 20 Kilometer von Irkutsk entfernt liegt. Der plötzliche Tod der Medizinerin hat in der Region Besorgnis ausgelöst, insbesondere da sie möglicherweise mit dem Erreger der Lungenpest in Verbindung steht, den sie selbst erforschte.
Schipilowa, die aus Irkutsk stammte, hatte dort Medizin studiert und ihre Facharztausbildung in klinischer Labordiagnostik vor zwei Jahren mit Auszeichnung abgeschlossen. Seit mindestens 2022 war sie am Irkutsker Forschungsinstitut zur Pestbekämpfung tätig. Berichten zufolge könnte sie an dem Erreger gestorben sein, den sie selbst untersuchte. Die Umstände ihres Todes werfen zahlreiche Fragen auf.
Untersuchungen und verschiedene Berichte
Laut dem Exilmedium “Ljudi Baikala” sei am 25. September im Labor ein Röhrchen mit dem Erreger der Lungenpest zerbrochen. Kurze Zeit später sei sie mit einer schweren Lungenentzündung ins Krankenhaus eingeliefert worden, wo sie künstlich beatmet wurde. Wenige Tage später verstarb sie. Im Gegensatz dazu berichtete der kremlnahe Telegram-Kanal Mash zunächst, dass sie nach einer Dienstreise nach Burjatien erkrankt sei. Später wurde die Version geändert, wonach sie beim Sammeln von Proben pestinfizierter Tiere ein Gefäß zerbrochen habe. Offizielle russische Behörden haben keine dieser Erzählungen bestätigt.
Offizielle Stellungnahme und Reaktionen
Die Gesundheitsbehörde Rospotrebnadsor gab am Sonntag bekannt, dass Schipilowa an einer “Pneumonie ungeklärter Ätiologie” verstorben sei. Erweiterte Tests hätten in ihren Proben keine Mikroorganismen gefunden, mit denen sie beruflich in Kontakt stand. Eine Kommission zur Biosicherheit habe keinen Laborunfall festgestellt, und in den vergangenen zehn Tagen habe sich kein anderer Mitarbeiter mit einer Infektion gemeldet. Die Behörde betonte, dass die Situation in Irkutsk und Schelechow “stabil” sei. Diese Aussagen stehen jedoch im Widerspruch zu den Maßnahmen, die in den letzten Tagen ergriffen wurden und die nicht zu einer gewöhnlichen Lungenentzündung zu passen scheinen.
Maßnahmen der Behörden und erste Ermittlungen
Bereits am 2. Oktober reiste die Leiterin von Rospotrebnadsor, Anna Popowa, aus Moskau an, um gemeinsam mit dem Gouverneur Igor Kobsew eine Sondersitzung der regionalen Seuchenschutzkommission abzuhalten. Kobsew äußerte den Verdacht auf eine “besonders gefährliche Infektion” und hielt es für verfrüht, die Erkrankung zu benennen. Laut der Zeitung “Iswestija” haben Ermittler ein Strafverfahren wegen Verstoßes gegen Hygienevorschriften mit fahrlässiger Todesfolge eingeleitet. Das Krankenhaus in Schelechow wurde unter Quarantäne gestellt, und 189 Kontaktpersonen wurden in zwei Krankenhäusern sowie dem Pestinstitut stationär aufgenommen. Andere Berichte sprechen sogar von 197 Kontaktpersonen, wobei FSB-Beamte die Krankenwagen begleiteten, die diese Menschen zu Untersuchungen brachten. Öffentliche Veranstaltungen wurden in Irkutsk abgesagt.
Verwirrung und widersprüchliche Informationen
Der Chef der Republik Burjatien, Alexej Zydenow, hatte zunächst erklärt, dass die Forscherin “an der Pest gestorben” sei, um zu verdeutlichen, dass sie sich nicht in seiner Region angesteckt habe. Später änderte er seine Aussagen und sprach von “möglicherweise an der Pest gestorben”. Die Stadtverwaltung von Baikalsk warnte die Bürger vor Reisen nach Schelechow und verwies auf “inoffizielle Informationen” über einen Pestfall. Diese Warnung wurde jedoch nach knapp zwei Stunden wieder gelöscht.
Die Rolle der Antibiotika und die Quarantäne
In den Apotheken von Irkutsk und Schelechow scheinen Antibiotika ausverkauft zu sein. Ob auch die Stadtkliniken in Irkutsk unter Quarantäne stehen, ist umstritten; “Ljudi Baikala” berichtete über Einschränkungen in mehreren Häusern für drei Wochen, aber eine der genannten Kliniken wies dies zurück. Gouverneur Kobsew gab in einem Video an, dass alle Tests der Kontaktpersonen bislang negativ waren und die Angehörigen der Verstorbenen voraussichtlich in der kommenden Woche entlassen werden. Bislang ist somit nur ein Todesfall mit Pestverdacht bestätigt, ohne Hinweise auf einen Ausbruch. Unklar bleibt, warum die Behörden so agieren, wie sie es tun.
Historische Perspektive der Pest in Russland
In der Region ist das Schweigen der Behörden und die Dementis nicht neu. Seit Anfang September wurden im Irkutsker Umland Rinder, Ziegen und Schweine wegen der Lumpy-Skin-Krankheit getötet, die für Menschen ungefährlich ist. Die Dorfbewohner beklagen, dass sie keine Laborergebnisse sehen und auch gesunde Tiere getötet werden. Im Frühjahr wurden in mehreren russischen Regionen Zehntausende Rinder getötet, und die Behörden wiesen Vermutungen über Maul- und Klauenseuche zurück.
Das Institut, an dem Darja Schipilowa arbeitete, trägt den vollen Namen Irkutsker Forschungsinstitut zur Pestbekämpfung Sibiriens und des Fernen Ostens. Es untersteht Rospotrebnadsor, also der Behörde, die den aktuellen Fall nun bewertet. Dieses Institut wurde 1934 zum staatlichen Pestinstitut ausgebaut und ist Teil eines Netzwerks von Forschungsinstituten und Pest-Stationen, die neben der Pest auch Cholera, Milzbrand, Tularämie und Brucellose erforschen. Das sowjetische Antipest-System war zudem mit dem geheimen Biowaffenprogramm der UdSSR verknüpft.
Aktuelle Situation und internationale Reaktionen
In Russland ist die Pest nie vollständig verschwunden. Der Erreger _Yersinia pestis_ zirkuliert weiterhin in sogenannten Naturherden unter Nagetieren wie Murmeltieren und Zieseln, welche die Krankheit über Flöhe übertragen. Im Jahr 2025 wurden infizierte Tiere in verschiedenen Regionen nachgewiesen. Menschen erkranken selten an der Pest, und der letzte bestätigte Fall in Russland war 2016, als ein zehnjähriger Junge im Altai sich beim Häuten eines Murmeltiers ansteckte und überlebte.
Die Nachbarländer Russlands, darunter Kasachstan, Kirgisistan und Tadschikistan, haben ihre Gesundheitskontrollen an den Grenzübergängen verschärft. Kasachstans Gesundheitsministerium schätzt das Risiko einer Einschleppung als “niedrig” ein, da bislang keine Personen mit Fieber oder Verdacht auf eine gefährliche Infektion entdeckt wurden. Aserbaidschan hält zusätzliche Maßnahmen für unnötig.
Das Weiße Haus sowie das US-Außenministerium beobachten den Fall zusammen mit der US-Seuchenschutzbehörde CDC. Der Verlauf hängt möglicherweise von zwei entscheidenden Fragen ab: Bleiben die Kontaktpersonen gesund? Und wird Russland offenlegen, woran Darja Schipilowa verstorben ist?
Quellen: n-tv
Bildquelle: Unknown via Wikimedia Commons (Public domain)
Dieser Text wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz in Zusammenarbeit mit unserer Redaktion erstellt.








