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Vom Märchen zum Albtraum: Mette-Marits Sohn vor Gericht

Ein Skandal jagt den nächsten in Norwegen. In Oslo steht der älteste Sohn der Kronprinzessin vor Gericht. Auch Mette-Marit sorgt für Schlagzeilen. Manche sehen schon die Monarchie am Ende.

«Überlebt die Monarchie das?» titelt eine norwegische Zeitung angesichts der Skandale um Kronprinzessin Mette-Marit und ihren Sohn Marius Borg Høiby.
Foto: Julia Wäschenbach/dpa

Es ist Sommer 2022 – und Norwegens Königstochter Märtha Louise kündigt ihre Verlobung mit einem selbst ernannten Wunderheiler an. Damals ein Skandal. Heute dürfte sich das norwegische Königshaus nach solch vergleichsweise harmlosem Stoff für die Klatschpresse sehnen. Denn mittlerweile haben die Royals mit viel ernsteren Problemen zu kämpfen: Kronprinzessin Mette-Marit soll in E-Mails mit dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein über Liebesangelegenheiten gesprochen haben. Und ab heute steht ihr Sohn vor Gericht – unter anderem wegen Vergewaltigung, sexuellem Missbrauch und Körperverletzung.

«Es ist so eine traurige Geschichte» 

Ganze 38 Punkte umfasst die Anklage gegen Marius Borg Høiby – Mette-Marits Sohn aus einer früheren Beziehung, den Kronprinz Haakon als kleinen Jungen in die Familie aufgenommen haben soll wie sein eigenes Kind. «Lille Marius» – kleiner Marius wurde der niedliche Junge mit den hellblonden Haaren damals genannt. «Es ist so eine traurige Geschichte. Er hatte alle Möglichkeiten, etwas aus seinem Leben zu machen», sagt die Norwegerin Monika Skrundal, die in einer Einkaufsstraße in Oslo unterwegs ist. «Und er hat es komplett ruiniert.» 

Als junger Erwachsener gerät der Adoptivsohn des zukünftigen Königs immer öfter in Schwierigkeiten. Im August 2024 wird die Polizei zu einem Vorfall im Osloer Stadtteil Frogner gerufen. In der Wohnung einer jungen Frau herrscht Chaos, Bilder zeigen einen Kronleuchter, der zersplittert auf dem Boden liegt. Ein Messer steckt in der Wand. Unter Verdacht: Marius Borg Høiby. Später gibt er zu, unter Drogeneinfluss randaliert zu haben und gewalttätig gegenüber seiner damaligen Freundin geworden zu sein.

Vergewaltigung, Drogen, Kontaktverbot 

Es ist der erste ernste Vorwurf von vielen. In der folgenden Zeit äußern sich Ex-Freundinnen und andere Frauen über den heute 29-Jährigen. Mehrere beschuldigen Marius Borg Høiby sexueller Übergriffe gemäß dem norwegischen Vergewaltigungsparagrafen. Laut Anklage hatte der Norweger Geschlechtsverkehr mit einer Frau, während sie schlief oder betrunken war. Mehrere andere Frauen soll er in ähnlichen Zuständen sexuell belästigt haben. Zudem wird behauptet, dass Marius Borg Høiby gegen Kontaktverbote verstoßen, Drogen transportiert, Motorradrennen gefahren und ohne Führerschein unterwegs gewesen sein soll.

Viele Norweger sind entsetzt darüber, dass der Sohn der Kronprinzessin so tief fallen konnte. «Es ist schockierend, dass er damit einfach immer weiter machen konnte: seine Freundinnen zu verletzen, Kokain zu nehmen, zu trinken und ein Jetset-Leben zu führen», sagt die 61 Jahre alte Kirsti Nordvik Krohn aus Oslo. 

Schock vor Gerichtsprozess: erneute Festnahme 

Marius Borg Høiby scheint aus seiner Vergangenheit nicht viel gelernt zu haben: Kurz vor Prozessbeginn wurde er erneut von der Osloer Polizei festgenommen. Der Verdacht lautet, dass er mit einem Messer gedroht und gegen ein Kontaktverbot verstoßen hat. Aufgrund der Gefahr von Wiederholungstaten muss der Sohn der Kronprinzessin die nächsten vier Wochen in Untersuchungshaft verbringen.

Am Mittwoch wird der 29-Jährige seine Aussage vor Gericht machen – vorher werden mutmaßliche Opfer gehört. Auf die Unterstützung seiner engsten Familie kann Marius Borg Høiby zumindest im Gerichtssaal nicht zählen: Mette-Marit plant, zum Beginn des Prozesses privat zu verreisen, und auch Kronprinz Haakon hat andere Termine – so haben es die beiden angekündigt.

Ohnehin hat das Kronprinzenpaar gerade noch ganz andere Sorgen, seit Mette-Marits Name Hunderte Male in den Akten zum US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein aufgetaucht ist. Mit Epstein soll sie über Jahre privaten Mail-Kontakt gehabt haben. Viele Norweger schockiert das sogar noch mehr. «Überlebt die Monarchie das?» titelt eine norwegische Zeitung. 

«Überlebt die Monarchie das?» 

«Das Problem ist, dass das alles zeitlich zusammenfällt», sagt der norwegische Königshaus-Experte Ole-Jørgen Schulsrud-Hansen. Bislang habe man die Vorwürfe gegen Marius Borg Høiby, der zwar zur Familie, aber nicht zum Königshaus gehört, getrennt betrachten können. «Aber jetzt, wo alles gleichzeitig ans Licht kommt, geht das nicht mehr.» 

Für manche Norweger hat sich das Bild der Royals durch die vielen zeitgleichen Skandale komplett gewandelt. «Ich mochte die königliche Familie immer», sagt Kirsti Nordvik Krohn. «Aber das hier könnte das Ende unserer Königsfamilie, das Ende der Monarchie in Norwegen sein.»

dpa