Das Robert-Koch-Institut meldet täglich tausende Neuinfektionen in Deutschland. In einigen asiatischen Ländern sind die Corona-Infektionszahlen hingegen auffällig niedrig. Was machen die asiatischen Staaten anders?
Was machen die asiatischen Länder besser während der Corona-Pandemie?

Das Robert-Koch-Institut meldet täglich tausende Neuinfektionen in Deutschland. In einigen asiatischen Ländern sind die Corona-Infektionszahlen hingegen auffällig niedrig. Was machen die asiatischen Staaten anders?
Trotz des mehrwöchigen „Lockdowns“ nimmt die Zahl der Neuinfektionen nicht ab. In China, Vietnam, Südkorea, Taiwan oder Japan ist Corona zwar nicht besiegt, doch die Zahlen sind deutlich niedriger.
Während Deutschland teilweise Tage über 20.000 neue Fälle meldet, sind es in China 112, in Taiwan zwei, in Japan über 2.000, in Südkorea 677 und in Vietnam ca. zehn neue Fälle pro Tag. Sogar das öffentliche Leben läuft in diesen Ländern fast wieder normal ab. In China sind Restaurants, Bars und Clubs sogar weitestgehend geöffnet.
Was machen diese Länder anders?
Strenge Quarantänemaßnahmen
Für die Einhaltung der Regeln sorgen die Behörden dieser Länder sehr rigide. Für eine Einreise nach China benötigt man neben zahlreichen Unterlagen, die durch Corona noch wesentliche mehr geworden sind, auch einen negativen Covid-19-Test. Das Testergebnis darf nicht älter als 48 Stunden sein. In China angekommen, geht es direkt in eine zweiwöchige Quarantäne. Ähnliche Maßnahmen würden Sie bei der Einreise nach Südkorea, Japan, Taiwan und Vietnam erwarten.
Wer momentan in Deutschland einreisen will und sich in den letzten zehn Tagen in einem Risikogebiet aufgehalten hat, muss sich nach der Einreise ebenfalls an den „unmittelbaren Zielort begeben“ und zehn Tage in Quarantäne verbringen. Die Dauer kann nur verkürzt werden, wenn nach fünf Tagen ein negatives Testergebnis vorliegt.
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Erfolgreiches Handy-Tracking
In Deutschland ist der Aufschrei bei Begriffen wie „Datenspeicherung“ und „Tracking“ besonders groß. Doch ostasiatische Länder konnten beweisen, dass neue Technologien wie Big Data in Verbindung mit dem medizinischen Fortschritt umfassenden Nutzen bringen.
Am radikalsten ist mit Sicherheit die Corona-Ampel in China. Anhand eines QR-Codes werden ein Bewegungsprofil und ein bestimmter Gesundheitsstatus ermittelt. Der Status kann grün (alles gut), gelb (Vorsicht ist geboten) oder rot (Infektionsrisiko) bedeuten. Springt die Ampel auf dem Handy auf Rot, kommt man in keine öffentlichen Gebäude oder Züge und das Gesundheitsamt wird umgehend informiert.
In anderen Ländern wie Taiwan und Südkorea versucht man mithilfe von Handy-Tracking zu überprüfen, ob die Menschen ihre Quarantäne wirklich einhalten. Taiwan darf zudem auf die Gesundheitsdaten der Krankenversicherungen zugreifen und verhängt hohe Geldstrafen bei Verstößen gegen Quarantäne-Maßnahmen.
Testen, testen & testen!
In Deutschland werden wir nur unter bestimmten Umständen auf Covid-19 getestet. Etwa hat man Symptome oder stand im engen Kontakt mit einer infizierten Person. Doch auch das ist in China und Co. anders geregelt.
„Asiatische Länder testen sehr viele Menschen auf Covid-19, um schnell neue Infektionsherde in den Griff zu bekommen“, sagte die Asien-Expertin Marina Rudyak vom Institut für Sinologie an der Universität Heidelberg. „Darüber hinaus werden die Tests oftmals durch die öffentliche Hand finanziert oder sind relativ günstig frei zugänglich verfügbar.“(Quelle: Quarks)
In Japan wird zwar nicht so viel getestet, doch dort legt die Regierung großen Wert auf eine Cluster-Nachverfolgung. Ist eine Person infiziert, werden umgehend alle Kontaktperson ermittelt, ebenfalls als infiziert betrachtet und komplett isoliert. Auf Testergebnisse warten die japanischen Behörden in keinem Fall.
Dass die Corona-Zahlen in den asiatischen Ländern aktuell niedriger sind als bei uns, hängt auch an der schnellen Reaktion vieler Länder.
SARS prägte Asien bereits im Jahr 2003
Im Jahr 2003 hatten Länder wie China, Taiwan und Vietnam schon mal mit einer Epidemie zu kämpfen. Zu dieser Zeit wurde das sogenannte Schwere Akute Respiratorische Syndrom, kurz SARS-Virus, erstmals wahrgenommen. Die Infektionskrankheit führte, ähnlich wie Covid-19, zu Fieber, trockenem Husten und Atemnot. Über 700 Menschen starben weltweit.
Die Gesundheitssysteme standen dort also schon mal vor einer großen Herausforderung. In Folge der Epidemie erstellten sie Notfallpläne und investierten viel Geld in medizinisches Personal und Material.
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Höhere Bereitschaft zum Impfen und Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung
Schon vor der SARS-Epidemie ist es für den Großteil der Menschen in Asien selbstverständlich, in einigen Fällen eine Maske zu tragen. Ist man selbst krank, trägt man eine Maske und schützt so seine Mitmenschen. Das gehört zum selbstverständlichen Bestandteil einer guten Erziehung.
2017 wurde in einer Studie ein fiktives Szenario untersucht. In diesem brach eine Infektionskrankheit aus. Die Teilnehmenden aus Südkorea, Indien, Vietnam, Hongkong, Deutschland, den Niederlanden und den USA mussten sich damals entscheiden, ob sie sich impfen lassen wollen. Das Ergebnis zeigte, dass die Menschen aus Asien eine wesentlich höhere Bereitschaft haben, sich gegen die Krankheit impfen zu lassen.
Mächtige Politik
„In diesen Ländern ist der politische Apparat so mächtig, dass die Menschen gar nicht erst auf die Idee kommen, den Entscheidungen der Regierung zu widersprechen“, erklärt Reinhard Zöllner, Professor für Japanologie und Mitglied des Instituts für Orient- und Asienwissenschaften an der Friedrich-Wilhelm-Universität in Bonn. (Quelle: Quarks)
Krisen und Kriege bleiben im Gedächtnis
In den asiatischen Ländern liegen die Gründe für die Unterstützung aus der Bevölkerung in anderen Bereichen. Japan ist ein Land, das immer mehr mit Naturkatastrophen kämpfen muss. (Einfache Beispiele: Fukushima und Erdbeben). Genau deswegen herrscht in der Bevölkerung ein stärkeres Bewusstsein dafür, dass es Zeiten gibt, die man nur mit Selbstdisziplin besteht.
Was für Japan Naturkatastrophen sind, ist für Südkorea der Bürgerkrieg. Korea ist seit dem Krieg gegen Nordkorea in den 50er–Jahren gespalten. Bis heute kommt es immer wieder zu Krisen und militärischen Säbelrasseln zwischen beiden Staaten.
„Dieser Konflikt prägt die Menschen in Südkorea und sorgt dafür, dass es eine gewisse Disziplin in der Bevölkerung in Krisenzeiten gibt“, so Zöllner.








