Bereits bis zu 15 Jahre vor der letzten Monatsblutung können die ersten hormonellen Veränderungen bei Frauen auftreten. Eine aktuelle Studie belegt, dass die Symptome der Wechseljahre, wie Hitzewallungen, Schlafstörungen und Gewichtszunahme, deutlicher früher einsetzen als bislang vermutet.
Wechseljahre: Körperliche Veränderungen setzen deutlich früher ein als angenommen

Bereits bis zu 15 Jahre vor der letzten Monatsblutung können die ersten hormonellen Veränderungen bei Frauen auftreten. Eine aktuelle Studie belegt, dass die Symptome der Wechseljahre, wie Hitzewallungen, Schlafstörungen und Gewichtszunahme, deutlicher früher einsetzen als bislang vermutet.
Die Analyse, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Nature Medicine, stützt sich auf die Auswertung von 300 Millionen Laborwerten von über einer Million Frauen aus den USA und Israel. Die Forscher entdeckten markante Veränderungen in der weiblichen Physiologie, die sie als “Klippe” beschreiben. Dieses Phänomen steht im Kontrast zu den schleichenden Alterungsprozessen bei Männern, die nicht dieselbe Abruptheit aufweisen.
Katja Brenk-Franz, die an der Uniklinik Jena eine empirische Studie zur Menopause leitet, äußert sich positiv über die Ergebnisse der Untersuchung. Sie hebt hervor, dass die Menopause weitreichende Effekte hat, die über einfache hormonelle Anpassungen hinausgehen.
Insgesamt ergab die Analyse signifikante Veränderungen bei 52 von 90 untersuchten Laborparametern. In Deutschland sind schätzungsweise neun Millionen Frauen von den Wechseljahren betroffen; dennoch bleibt das Thema häufig ein Tabu.
Peyman Hadji, Leiter des Frankfurter Hormon- und Osteoporosezentrums und Professor an der Universität Marburg, betont, dass die Erfahrungen der Frauen während dieser Zeit stark variieren. Viele Frauen erleben auch Jahre nach der letzten Monatsblutung weiterhin Beschwerden im Zusammenhang mit den Wechseljahren. Hadji warnt jedoch, die Beschreibung einer “Klippe” könnte übertrieben sein, da der Östradiol-Spiegel nicht abrupt abfällt.
Ein zentrales Ergebnis der Studie ist, dass hormonelle Veränderungen bereits 15 Jahre vor der letzten Monatsblutung auftreten können. Hadji hebt hervor, dass diese Erkenntnisse in weiteren Studien überprüft werden müssen. Eine Bestätigung könnte erhebliche Bedeutung für die Prävention von Erkrankungen haben.
Die hormonellen Veränderungen nach der letzten Monatsblutung ziehen gesundheitliche Konsequenzen nach sich. Neben Schwankungen der Hormonspiegel sind auch Veränderungen in Laborwerten zu beobachten, die die Knochengesundheit sowie die Leber- und Nierenfunktion betreffen und den Fettstoffwechsel beeinflussen.
Es ist bereits länger bekannt, dass Frauen während und nach den Wechseljahren ein höheres Risiko für diverse Erkrankungen aufweisen, darunter Osteoporose, Schlaganfälle und Herzinfarkte. Auch Schlafstörungen und depressive Verstimmungen treten gehäuft auf.
Ein positiver Aspekt der Wechseljahre zeigt sich in der Verbesserung der Eisenwerte, da monatliche Blutungen ausbleiben.
Darüber hinaus belegt die Studie, dass eine Hormonersatztherapie, die den Rückgang der Sexualhormone abmildert, die Effekte des plötzlichen körperlichen Wandels nach der letzten Monatsblutung mildern kann. Dennoch sind potenzielle Nebenwirkungen, wie ein erhöhtes Risiko für Thrombosen oder Schlaganfälle, zu berücksichtigen, weshalb der Einsatz sorgfältig abgewogen werden sollte.
In Deutschland wird die Hormonersatztherapie lediglich Frauen mit Beschwerden in den Wechseljahren angeboten. Hadji sieht die veröffentlichte Studie als Grundlage für weitere Forschungen, um eventuell Frauen bereits früher die Vorteile einer Hormonersatztherapie zu ermöglichen, möglicherweise sogar präventiv, bevor erste Symptome auftreten.
Dennoch sind viele Frauen in dieser Lebensphase skeptisch gegenüber “klassischen” Hormonen.
Katja Brenk-Franz fordert ebenfalls mehr Forschung und betont, dass die Wechseljahre ein bedeutendes gesundheitliches Thema darstellen, das in der medizinischen Versorgung und Forschung bislang nicht genügend Beachtung findet. Obwohl etwa die Hälfte der Bevölkerung diese Phase durchläuft, bestehen nach wie vor Wissenslücken, besonders in Bezug auf individuelle Unterschiede, langfristige gesundheitliche Auswirkungen sowie psychische und sexuelle Veränderungen.
Quellen: tagesschau, RTL
Bildquelle: Bildquelle: Kaja Sariwating auf Unsplash
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