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Unglücklicher Neuer folgenlos: Beste Bayern-Hinserie perfekt

Vom Fehlgriff bis zum Geniestreich: Warum der FC Bayern gegen Köln zittern musste – und am Ende doch einen neuen Maßstab setzte.

Pyrotechnik sorgte in Köln für eine zehnminütige Unterbrechung.
Foto: Federico Gambarini/dpa

Die beste Hinrunde in der Geschichte des FC Bayern ist abgeschlossen. Trotz großer Mühe beim 3:1 (1:1) gegen den Aufsteiger 1. FC Köln ließ sich der Rekordmeister auch von einer knapp zehnminütigen Pyro-Unterbrechung und einem Fehler von Torhüter Manuel Neuer nicht aufhalten. Serge Gnabry (45.+5), Min-jae Kim (71.) und Lennart Karl (84.) drehten die umjubelte Führung des FC durch Linton Maina (41. Minute) zum 15. Sieg der Münchner bei zwei Unentschieden in den ersten 17 Spielen der Saison.

Das Team von Trainer Vincent Kompany beendete die Hinrunde als souveräner Halbzeitmeister mit 47 Punkten und plus 53 Toren, drei Tage nach dem 8:1 gegen den VfL Wolfsburg. In der Hinserie der Saison 2013/2014 hatte der FCB ebenfalls 47 Punkte und plus 35 Tore.

Um die Rekordmarke zu erreichen, musste jedoch eine Leistungssteigerung nach der Pause erfolgen. Wie bereits im Pokalspiel Ende Oktober war das Duell der Supertalente zunächst ausgeglichen. Obwohl Said El Mala dieses Mal wieder in der Startelf des FC stand, saß Karl bei den Bayern zunächst auf der Bank und wurde später eingewechselt. Ähnlich wie beim 4:1-Pokalsieg der Bayern zeigten die Kölner in der ersten Halbzeit eine starke Leistung. Durch schnelles und engagiertes Umschaltspiel brachte der Aufsteiger den Rekordmeister immer wieder in Bedrängnis.

Nach Ultra-Plakat: Kwasniok reagiert personell

Schon in der zweiten Minute scheiterte der schnelle El Mala aus spitzem Winkel an Manuel Neuer. Beim 2:2 in Heidenheim hatte der 19-Jährige dem FC als Joker noch einen Punkt gerettet. Vier Tage später durfte der Flügelflitzer wieder einmal von Beginn an ran. «Ich werde ihn nicht aufhalten, dass er schon in der ersten Halbzeit zeigen kann, dass er ein geiler Kicker ist», sagte Kölns Trainer Lukas Kwasniok vor dem Spiel bei DAZN.

Wohl auch wegen der Einsatzzeiten des bislang besten Kölner Saison-Torschützen (7) war zuvor Kritik am anfangs noch gefeierten FC-Coach entbrannt. In Heidenheim hatte ein Plakat der Ultras mit der Aufschrift «Kwasni Yok» für Aufsehen gesorgt. Das Wort «Yok» kann dabei aus dem Türkischen ins Deutsche mit «nein» übersetzt werden. Es kam im Nachgang sogar zu einem Treffen der FC-Bosse mit den in Köln besonders mächtigen Ultras.

Die Stärke dieser Gruppierung zeigte sich auch am Mittwoch. Beim Spielbeginn zündeten die Ultras in der Südkurve so viel Pyrotechnik, dass die massive Rauchentwicklung zu einer fast zehnminütigen Unterbrechung führte. Deshalb wurde auch vor der Pause so lange nachgespielt. Während der Unterbrechung feierte sich der FC-Anhang stolz selbst. Der Verein musste für solches Verhalten einiger Fans in der Vergangenheit bereits Strafen im höheren sechsstelligen Bereich zahlen.

Kwasniok reagierte nicht nur mit der El-Mala-Hereinnahme, sondern auch der Rückkehr der verdienten und beliebten FC-Routiniers Florian Kainz und Luca Waldschmidt in den Kader. «Ich bin unheimlich gerne Trainer dieser Mannschaft und unheimlich stolz, diesen Verein repräsentieren zu dürfen. Das macht mir total viel Freude. Ich gebe der Mannschaft diesen Glauben, dass wir für die Überraschung sorgen können», sagte der Kölner Coach bei Sky. 

Haltbarer Schuss sorgt für Kölner Führung

Da die Bayern nicht so gierig spielten wie in der überragenden Hinserie, war die Überraschung tatsächlich in der Luft. Maina belohnte die seit Anfang November sieglosen Rheinländer für ihren couragierten Auftritt. Nach einem lustlosen Zweikampf von Gnabry in der Mitte der Kölner Hälfte lief Maina bis an den gegnerischen Sechzehnmeter-Raum und schoss den durchaus haltbaren Ball über die Hände des verdutzten Neuer ins Bayern-Tor.

Der Fauxpas von Neuer reichte den Kölnern immer noch nicht für die Pausenführung. Gnabry machte mit einem Geniestreich sein zu zaghaftes Zweikampfverhalten knapp zehn Minuten zuvor wieder wett. Aus spitzem Winkel überwand er FC-Keeper Marvin Schwäbe mit einem irren Aufsetzer-Schuss.

Nach der Halbzeit wurden die Bayern wie erwartet besser und vor allem dominanter. Der Druck der Gäste nahm mit jeder Minute zu. Obwohl es keine hochkarätigen Chancen gab, glaubten die Kölner weiterhin an eine Überraschung – bis Kim stark zum 2:1 für die Bayern einköpfte. Schließlich kam auch Karl spät zu seinem Auftritt, den er mit seinem vierten Saisontor krönte.

dpa