Eine Militärübung im Kaspischen Meer endet für Kasachstan in einer Katastrophe. 17 Soldaten werden während eines Manövers ins offene Meer gerissen, nur drei von ihnen können gerettet werden. 14 Männer sterben. Präsident Kassym-Schomart Tokajew zieht nun Konsequenzen: Der Verteidigungsminister verliert seinen Posten, fünf Militärangehörige sitzen in Haft und die Führung der Streitkräfte gerät zunehmend unter Druck.
Militärübung endet in Katastrophe: 14 Soldaten sterben – Präsident feuert Verteidigungsminister

17 Soldaten werden während Militärübung ins Meer gerissen
Eine schwere Militärtragödie erschüttert Kasachstan. Bei einer Übung der Streitkräfte im Kaspischen Meer sind 14 Soldaten ums Leben gekommen. Das Unglück ereignete sich am 24. September 2026 während des Marinemanövers „Khazar Qorgany 2026“ in der südwestkasachischen Region Mangystau. Nach Angaben der Behörden befanden sich insgesamt 17 Soldaten in einer lebensgefährlichen Situation, nachdem sie beim Verlassen des Militärbootes „Kaisar“ vom Wasser erfasst und ins offene Meer getrieben worden waren. Nur drei von ihnen konnten gerettet werden.
Nach Darstellung des kasachischen Verteidigungsministeriums verschlechterten sich die Wetterbedingungen plötzlich. Der Wind nahm stark zu, während sich die Soldaten im Wasser befanden. Beim Aussteigen aus dem Boot soll das Wasser zunächst nur ungefähr einen Meter tief gewesen sein. Anschließend wurden die Männer jedoch weiter ins Meer getrieben. Zunächst wurden neun Todesopfer bestätigt. Nach umfangreichen Such- und Rettungsmaßnahmen wurden weitere Leichen geborgen, wodurch die Zahl der Toten schließlich auf 14 stieg. Am 25. September wurde in Kasachstan landesweit um die getöteten Soldaten getrauert.
An der Militärübung waren nach offiziellen Angaben mehr als 500 Soldaten beteiligt. Zum Einsatz kamen unter anderem Schiffe, Patrouillenboote, Küstenwache und Flugzeuge. Der Unfallort befand sich etwa 43 Kilometer von der Hafenstadt Aktau entfernt.
Tokajew feuert Verteidigungsminister nach der Katastrophe
Die Tragödie hat inzwischen Konsequenzen bis in die höchste Führungsebene des kasachischen Militärs. Präsident Kassym-Schomart Tokajew entließ am Sonntag Verteidigungsminister Dauren Kossanow aus seinem Amt. Einen Tag zuvor hatte Tokajew bereits die Einrichtung einer Kommission angeordnet, die die Situation im Verteidigungsministerium umfassend untersuchen soll.
Zum neuen Verteidigungsminister ernannte der Präsident Ajdos Myrsachmetow. Er hatte zuvor die Spezialkräfte der kasachischen Streitkräfte kommandiert. Tokajew forderte darüber hinaus einen Plan für eine umfassendere Militärreform. Untersucht werden soll unter anderem, wer das Konzept für die Übung entwickelt und genehmigt hatte und ob bei der Vorbereitung sowie Durchführung Fehler gemacht wurden.
Besonders schwer wiegt ein weiterer Vorwurf: Tokajew erklärte bei einer Sitzung mit der Führung des Verteidigungsministeriums, dass die Soldaten bei der Übung nicht ausreichend mit notwendiger Ausrüstung ausgestattet gewesen seien. Dabei erwähnte der Präsident ausdrücklich fehlende maritime Rettungswesten. Er kritisierte mangelnde Professionalität innerhalb der Streitkräfte und machte deutlich, dass Dienstgrade oder Positionen Verantwortliche nicht vor möglichen Konsequenzen schützen würden.
Fünf Militärangehörige nach Tod der Soldaten festgenommen
Parallel zur politischen Aufarbeitung laufen strafrechtliche Ermittlungen. Fünf Militärangehörige wurden als Verdächtige festgenommen und in eine Haftanstalt in Aktau gebracht. Unter ihnen befinden sich nach Medienberichten der Stabschef und erste stellvertretende Oberbefehlshaber der Marine, zwei Kommandeure von Militäreinheiten, der Kommandeur einer Marineinfanterie-Kompanie sowie ein Bootskommandant.
Die Ermittler prüfen unter anderem den Verdacht einer fahrlässigen Dienstausübung mit schweren Folgen sowie mögliche Verstöße gegen Vorschriften bei der Führung von Schiffen. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob Verantwortliche rechtzeitig auf die sich verschlechternden Wetterbedingungen reagiert haben und ob das Unglück durch geeignete Sicherheitsmaßnahmen hätte verhindert werden können. Mehr als 30 Militärangehörige wurden bereits befragt. Außerdem wertet die Untersuchungskommission Dokumente und Videoaufnahmen aus.
Bislang ist nicht abschließend geklärt, ob die Wetterverschlechterung tatsächlich völlig überraschend kam oder ob es bereits zuvor Hinweise auf gefährliche Bedingungen gab. Genau diese Frage dürfte für die weiteren Ermittlungen entscheidend werden.
Präsident ordnet umfassende Überprüfung des Militärs an
Die Untersuchung soll sich nicht allein auf die unmittelbar Verantwortlichen der Übung beschränken. Präsident Tokajew hat eine umfassende Überprüfung des Verteidigungsministeriums angeordnet. Dabei sollen auch die finanzielle und materielle Ausstattung der Militäreinheiten untersucht werden. Erste Ergebnisse der Prüfung sollen innerhalb weniger Tage vorgelegt werden.
Der Tod der 14 Soldaten hat damit eine weitreichende Debatte über Sicherheit, Ausbildung und Verantwortlichkeiten innerhalb der kasachischen Streitkräfte ausgelöst. Besonders die Frage nach der Sicherheitsausrüstung dürfte dabei eine zentrale Rolle spielen, nachdem der Präsident selbst öffentlich erklärte, dass notwendige Ausrüstung einschließlich Rettungswesten gefehlt habe.
Bereits vor mehr als zehn Jahren hatte es in derselben Region ein tödliches Unglück während einer Militärübung gegeben. 2015 kamen nahe Aktau vier Soldaten ums Leben, nachdem mehrere gepanzerte Fahrzeuge bei starkem Wind und hohen Wellen mit Wasser vollgelaufen waren.








