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Neue Taktiken im Iran-Konflikt: Israels Shift hin zu strategischen Militärzielen

Israel passt seine Militärtaktik im Iran-Krieg an und setzt nicht mehr auf einen Regimewechsel. Stattdessen konzentriert sich die Luftwaffe auf strategische militärische Ziele, da ein Kriegsende bevorstehen könnte.

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Regime-Change fällt wohl aus: Bericht: Israel ändert Taktik wegen möglichen Kriegsendes
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Die militärischen Auseinandersetzungen im Iran dauern weiterhin an, während die US-Regierung nach einem Ausweg aus dem Konflikt sucht. Israel hingegen geht davon aus, dass ein Ende der Kämpfe bevorsteht, was zu einer Anpassung der Luftangriffe führt. Anstelle eines angestrebten Regimewechsels konzentriert sich Jerusalem nun auf andere militärische Ziele.

Wie aus einem Bericht hervorgeht, plant Israel, den Fokus seiner Luftangriffe im Iran zu ändern. Laut dem Wall Street Journal (WSJ) geht die Netanjahu-Regierung davon aus, dass ein baldiges Ende des Krieges bevorsteht, und sieht daher keine Möglichkeit mehr für einen Regimewechsel in Teheran. Stattdessen sollen militärische Ziele ins Visier genommen werden, um die militärischen Fähigkeiten des Iran langfristig zu schwächen.

In Jerusalem hat sich offenbar die Überzeugung durchgesetzt, dass die US-Regierung aufgrund der unpopulären Kriegsführung im Iran an einer schnellen Lösung interessiert ist. Quellen, die mit der US-Politik vertraut sind, bestätigen diese Einschätzung. US-Präsident Donald Trump äußerte mehrfach, dass die meisten Ziele im Iran bereits erreicht worden seien und die USA den Konflikt gewonnen hätten. Ein abschließender Deal mit Teheran steht jedoch noch aus. Derzeit scheinen Washington und Teheran lediglich über Vermittler zu kommunizieren, ohne direkte Gespräche zu führen.

Militärische Angriffe und strategische Ziele

Für das israelische Militär bedeutet diese Situation, dass bis zum möglichen Kriegsende so viele militärische Kapazitäten des Iran wie möglich zerstört werden sollen. Seit dem 28. Februar wurden laut Berichten 18.000 Ziele von den USA und Israel angegriffen. Nachdem führende Persönlichkeiten der iranischen Regierung getötet wurden, richteten sich die Angriffe auf Stützpunkte der iranischen Sicherheitskräfte. Dazu gehören Flughäfen, Schiffe, Polizeiwaffen, Waffenlager und Rüstungsfabriken. Auch Standorte des iranischen Atomprogramms wurden angegriffen, wobei einige dieser Ziele erneut unter Beschuss genommen werden sollen, um den verursachten Schaden zu maximieren.

„Es sieht so aus, als würde sich der Fokus von einer Operation, die darauf abzielt, das Regime zu destabilisieren, hin zu einer Operation verlagern, die die militärischen Fähigkeiten des Iran schwächen soll, bevor der Konflikt endet“, zitiert das WSJ Farzin Nadimi, einen Iran-Experten des Washington Institute.

Er fügte hinzu: „Fast jede mir bekannte Fabrik des militärisch-industriellen Komplexes wurde getroffen, die meisten davon mindestens zweimal. In dieser Hinsicht gehen sie sehr systematisch und akribisch vor.“ Trotz der noch bestehenden Ziele betrachtet Israel die Angriffe als Erfolg, selbst wenn sie bald enden sollten. Berichten zufolge haben die USA und Israel einen Großteil der Anlagen, die der Iran für den Bau von Raketen, Drohnen und Kriegsschiffen nutzt, schwer beschädigt oder zerstört.

Zweifel an den Erfolgen

Allerdings gibt es auch Skepsis hinsichtlich dieser Erfolge. Einige ehemalige hochrangige israelische Sicherheitsbeamte äußern sich pessimistisch über die behaupteten Fortschritte. So habe der Iran nicht zugestimmt, die Urananreicherung einzustellen oder seine Bestände an hoch angereichertem Brennstoff auszuhändigen. Zudem habe er keine Einschränkungen seines Arsenals an ballistischen Raketen oder der Finanzierung verbündeter Milizen im Nahen Osten akzeptiert.

Geopolitische Auswirkungen

Die arabischen Golfstaaten, die auf die Angriffe des Iran reagierten, befürchten, dass ein Ende der Kämpfe die Kontrolle Teherans über die Straße von Hormus nach dem Krieg stärken könnte. Dies würde dem Iran ermöglichen, Einfluss auf die Energieindustrie zu nehmen, die für seine wirtschaftliche Existenz entscheidend ist. Ein sofortiges Ende des Krieges könnte zudem bedeuten, dass das iranische Regime die Kontrolle über die Seewege und militärischen Operationen behält.

Entgegen den Hoffnungen Israels und der USA zeigt die Führung in Teheran keine Anzeichen von Schwäche. Die Bevölkerung ist trotz der Aufforderungen nicht auf die Straße gegangen, um gegen die Revolutionsgarden oder Basidsch-Milizen zu protestieren. Seit Beginn des Krieges gab es kaum nennenswerte Proteste im Land, was auch bei den täglich stattfindenden Bombenangriffen nicht zu erwarten war.

US-Truppen und strategische Überlegungen

Die Frage, inwieweit eine mögliche Entsendung weiterer US-Truppen noch Auswirkungen haben könnte, bleibt unklar. Derzeit ist jedoch nicht davon auszugehen, dass ein Bodeneinsatz zum Sturz des Regimes geplant ist. Stattdessen könnten US-Truppen strategische Inseln in der Straße von Hormus oder im Persischen Golf besetzen, um die Blockade dort aufzulösen. Eine solche Maßnahme könnte auch die Insel Charg betreffen, über die 80 bis 90 Prozent der iranischen Ölexporte abgewickelt werden.

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TS