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Rechtsfolgen für Meta und Google: Millionen für Betroffene von Social-Media-Sucht

Ein US-Gericht verurteilt Meta und Google zu Millionen-Entschädigungen wegen der Suchtgefahr ihrer Plattformen. Die Entscheidung könnte weitreichende Folgen für die Haftung von Social-Media-Unternehmen haben.

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Strafen für Meta und Google: Schadensersatz wegen Social-Media-Sucht
The Pancake of Heaven! via Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Ein US-Gericht hat entschieden, dass die Konzerne Meta und Google für das Suchtpotenzial ihrer Plattformen zur Verantwortung gezogen werden. Eine 20-jährige Klägerin erhielt eine Entschädigung in Millionenhöhe, was als wegweisendes Urteil angesehen wird.

Mark Lanier, einer der Anwälte der Klägerin, äußerte sich vor dem Gerichtsgebäude in Los Angeles:

„Worüber wir hier sprechen, ist mehr als nur der Versuch, am meisten Geld rauszuholen, um der Klägerin zu helfen. Es geht um mehr.“

Die Klägerin wird aus Gründen des Datenschutzes nur mit ihren Initialen K.G.M. benannt.

Entschädigung in Millionenhöhe

Insgesamt müssen Google und Meta sechs Millionen Dollar zahlen, wobei Meta 4,8 Millionen Dollar und Google den Restbetrag übernimmt. Die Klägerin erhält drei Millionen Dollar als Entschädigung.

Meta ist das Unternehmen hinter Instagram, WhatsApp und Facebook, während YouTube zu Google gehört, das Teil des Alphabet-Konzerns ist. Die Geschworenen kamen zu dem Schluss, dass die Plattformen fahrlässig gehandelt und ihre Nutzer nicht ausreichend über die Risiken informiert haben.

Neue Ära für soziale Medien?

Jakob Ward, ein Wissenschafts- und Tech-Journalist, kommentierte die Entscheidung und sagte:

„Wenn man darüber nachdenkt, wie soziale Medien auf Kinder wirken. Und über die Haftung, die die Unternehmen übernehmen müssen, wenn sie mit dem Verhalten von Kindern spielen – für Profit! Das war bisher völlig legal, jetzt ist das eine völlig neue Welt.“

Klägerin spricht von Abhängigkeit

K.G.M. hat mehrere Tech-Unternehmen verklagt und behauptet, deren Plattformen seien ebenso süchtig machend wie Zigaretten oder Online-Casinos. Sie begann im Alter von sechs Jahren, YouTube-Videos anzusehen, und meldete sich mit neun Jahren bei Instagram an. Laut eigenen Angaben nutzte sie Social-Media-Apps bis zu 16 Stunden täglich, was zu Depressionen und Angstzuständen führte.

Als Beweis führte sie Funktionen wie das „infinite scrolling“ an, das endlose Scrollen durch Inhalte. Zudem werden die Feeds der Nutzer individuell angepasst, wobei Algorithmen persönliche Interessen erkennen und entsprechende Beiträge anzeigen. Je länger die Nutzer die Apps verwenden, desto mehr Einnahmen erzielen die Betreiber durch Werbeanzeigen.

Berufung der Konzerne

Google und Meta haben die Vorwürfe zurückgewiesen und planen, in Berufung zu gehen. Google argumentierte, dass YouTube keine Social-Media-Plattform sei. Im Februar trat Meta-Chef Mark Zuckerberg im Prozess als Zeuge auf und betonte, dass die Apps erst ab einem Alter von 13 Jahren genutzt werden sollten.

Meta-Sprecherin Ashly Nikkole Davis erklärte:

„Die mentale Gesundheit von Teenagern ist unglaublich komplex und kann nicht mit einer einzigen App in Verbindung gebracht werden. Wir werden uns weiter energisch verteidigen, weil jeder Fall unterschiedlich ist.“

Signalwirkung für zukünftige Fälle

Das Urteil könnte weitreichende Folgen haben und möglicherweise Tausende weitere Fälle betreffen, die sich mit der Suchtgefahr von Plattformen wie Instagram, YouTube, TikTok und Snapchat befassen. Rechtsexpertin June Grasso warnte jedoch davor, die Entscheidung in Los Angeles auf andere Fälle zu übertragen:

„Die Fälle werden mit denen der Tabakindustrie verglichen. Aber da hat es eine Weile gedauert, bis sich ein Muster herausgebildet hat. Ich denke, man muss mehrere Prozesse durchlaufen, bevor man sieht, in welche Richtung die Geschworenen entscheiden.“

Für Meta ist dies bereits die zweite Niederlage vor Gericht in dieser Woche. Ein Gericht im US-Bundesstaat New Mexico verurteilte das Unternehmen zu einer Strafe von 375 Millionen Dollar, da die Jury der Überzeugung war, dass Meta nicht ausreichend zum Schutz junger Nutzer beigetragen hat. Auch in diesem Fall plant Meta, in Berufung zu gehen.

Bildquelle: The Pancake of Heaven! via Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

TS