Das THW trainiert gemeinsam mit anderen Einheiten die Dekontamination von CBRN-Gefahrstoffen und ist fast vollständig einsatzbereit für internationale Unterstützung.
Berlin: THW für internationale Einsätze vorbereitet

Berlin (ost)
Was passiert, wenn gefährliche chemische, biologische oder radioaktive Stoffe freigesetzt werden? Und was passiert, wenn ein Staat mit den Konsequenzen eines solchen Vorfalls allein nicht umgehen kann?
Genau dieses Szenario wurde am Wochenende während eines gemeinsamen Trainings von rescEU CBRN Decon Germany geübt. Im angenommenen Szenario hatte der fiktive Staat Modulistan nach einem schweren Unfall in einer Forschungseinrichtung für radioaktive Strahler internationale Hilfe angefordert. Bei dem Unfall waren radioaktive Partikel freigesetzt worden und hatten Teile der Einrichtung sowie Fahrzeuge kontaminiert.
Für solche Szenarien besteht auf europäischer Ebene die Möglichkeit, Unterstützung anzufordern. Das Technische Hilfswerk (THW) hat in den letzten fünf Jahren gemeinsam mit dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) und der Bundespolizei eine neue Auslandseinheit aufgebaut: rescEU CBRN Decon Germany.
Die Einheit ist darauf spezialisiert, bei Schadensereignissen mit CBRN-Gefahrstoffen – also chemischen, biologischen, radiologischen oder nuklearen Gefahren – bei der Dekontamination und Bewältigung der Folgen zu helfen.
In der Übung ging es vor allem um die Bewältigung der radiologischen Kontamination. Die verschiedenen Einheiten trainierten das Zusammenspiel ihrer jeweiligen Fähigkeiten und die Abläufe, die bei einem internationalen Einsatz ineinandergreifen müssen.
Dabei übernimmt das THW verschiedene Aufgaben innerhalb der Einheit. Die Einheit 1 ist für die Dekontamination von Infrastruktur, wie Straßen und Gebäuden, vorgesehen. Die Einheit 2 konzentriert sich auf die Dekontamination von Fahrzeugen.
Die Einheiten 3 und 4 werden von der Bundespolizei besetzt. Zu ihren Aufgaben gehört unter anderem die Dekontamination und Sicherung von Beweismitteln und Kleinmaterial. Darüber hinaus können auch Personen aus der Zivilbevölkerung durch diese Einheiten dekontaminiert werden.
Gemeinsames Training für den Ernstfall
Im Mittelpunkt des vergangenen Ausbildungswochenendes stand die Einheit 2.2, die gemeinsam mit den Einsatzkräften der gesamten Einheit zusammenkam. Trainiert wurde unter möglichst realen Bedingungen: vom Aufbau der Technik über die Durchführung der Dekontamination bis zum Abbau der eingesetzten Komponenten.
Was heute wie eine hoch spezialisierte Einheit aussieht, begann deutlich einfacher. In der Anfangsphase wurde zunächst mit handelsüblichen Hochdruckreinigern, Schläuchen und Planen gearbeitet. Inzwischen verfügt die Einheit über speziell ausgestattete Fahrzeuge und eigene Dekontaminationscontainer der Kärcher Futuretech GmbH.
Mit der technischen Weiterentwicklung steigen auch die Anforderungen an die Einsatzkräfte. Die regelmäßige Ausbildung ist deshalb ein wesentlicher Bestandteil der Einsatzbereitschaft.
Auf dem Ausbildungsplan stehen unter anderem der Auf- und Abbau der Dekontaminationstechnik, die Funktionsweise der einzelnen Komponenten und die sichere Bedienung der Ausstattung. Ebenso wichtig ist die Frage, welches Dekontaminationsmittel für welchen Gefahrstoff und welche Oberfläche geeignet ist.
Vor allem aber geht es darum, die Handgriffe und Abläufe immer wieder zu trainieren. Denn wenn die Einheit tatsächlich international zum Einsatz kommt, müssen die einzelnen Schritte sitzen – auch unter Zeitdruck und schwierigen Einsatzbedingungen.
Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Einsatz
Ein weiterer Meilenstein ist inzwischen erreicht: rescEU CBRN Decon Germany ist im Union Civil Protection Mechanism (UCPM) gelistet. Für die beteiligten Einsatzkräfte ist dies ein großer Schritt. Damit ist die Einheit im europäischen Katastrophenschutzmechanismus verankert und ihrem eigentlichen Auftrag – der internationalen Unterstützung im Falle eines CBRN-Ereignisses – ein bedeutendes Stück nähergekommen.
Der Aufbau der Einheit ist damit nahezu abgeschlossen. Im Dezember soll rescEU CBRN Decon Germany vollständig einsatzbereit gemeldet werden. Bis dahin fehlen lediglich noch kleinere Ausstattungs- und Materialbestandteile.
Für die Einsatzkräfte bedeutet das: Die vergangenen Jahre des Aufbaus, der Beschaffung und vor allem der intensiven Ausbildung führen nun in die entscheidende Phase. Aus einer zunächst provisorisch zusammengestellten Einheit ist eine hoch spezialisierte und international einsetzbare Komponente des europäischen Katastrophenschutzes geworden.
Die Übung in MODULISTAN zeigt dabei, worauf es im Ernstfall ankommt: Wenn ein Staat nach einem CBRN-Ereignis Unterstützung benötigt, müssen die internationalen Einsatzkräfte schnell zusammenfinden, ihre Fähigkeiten bündeln und die Dekontamination sicher und professionell durchführen können.
Aus der Übung wird damit ein Stück gelebte Vorbereitung auf einen Einsatz, bei dem es um weit mehr geht als um Technik: Es geht darum, Menschen zu schützen, Kontamination einzudämmen und die Folgen eines schweren CBRN-Ereignisses gemeinsam zu bewältigen.
Quelle: Presseportal








