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Berliner Jugendklub soll Vergewaltigung vertuscht haben

In einem Neuköllner Jugendklub wird eine mutmaßliche Vergewaltigung einer 16-Jährigen angeblich verschwiegen. Trotz Kenntnis von den Vorwürfen entschieden sich Jugendklub und Jugendamt, keine Strafanzeige zu erstatten, um die Täter zu schützen. Die Polizei ermittelt nun gegen mehrere Jugendliche.

Berliner Jugendklub soll Vergewaltigung vertuscht haben
Markus Spiske auf Pexels

Mutmaßliche Vergewaltigung in Neuköllner Jugendklub: Vorwürfe und Vertuschung

In einem Jugendklub in Neukölln wird eine mutmaßliche Vergewaltigung sowie sexuelle Übergriffe auf eine 16-jährige Schülerin gemeldet. Berichten zufolge soll die Einrichtung die Vorfälle nicht nur ignoriert, sondern aktiv verschwiegen haben.

Recherchen haben ergeben, dass sowohl der Jugendklub als auch das zuständige Jugendamt des Bezirksamts über die Vorwürfe informiert waren, und das bereits seit mehreren Monaten.

Jugendamt entschied sich gegen Strafanzeige

Obwohl die Verantwortlichen Mitte Januar von den Vorwürfen Kenntnis erlangten, wurde die Polizei nicht eingeschaltet und es wurde keine Strafanzeige erstattet. Stattdessen entschied sich das Jugendamt bewusst gegen eine Meldung an die Polizei. Intern wurde dies damit begründet, dass eine solche Maßnahme die arabischstämmigen Jugendlichen stigmatisieren könnte. Diese Informationen wurden zuerst von einer Boulevardzeitung veröffentlicht.

Nach den Recherchen ermittelt die Polizei gegen acht Jugendliche im Alter von 15 bis 19 Jahren, die bereits polizeilich bekannt sind, insbesondere im Zusammenhang mit Jugendgruppengewalt.

Vorfall im Jugendklub

Im Januar soll die Schülerin von den Jugendlichen in einen hinteren Raum des Jugendklubs in der Wutzkyallee gebracht worden sein. Dort wurde sie auf eine Couch geworfen, sexuell bedrängt und angefasst. Ein weiterer Junge soll währenddessen an der Tür Wache gestanden haben. Der Vorfall endete erst, als eine Mitarbeiterin des Klubs aufmerksam wurde und eingriff.

Zusätzlich gab die 16-Jährige an, dass sie bereits im November im Garten der Einrichtung vergewaltigt worden sei. Der mutmaßliche Täter, ein damals 17-Jähriger, soll die Tat gefilmt und der Schülerin gedroht haben: „Ich will dich hier jeden Montag sehen, sonst schicke ich das deinen Eltern.“ Berichten zufolge hätten auch andere Jungen aus der Gruppe von dem Video erfahren und das Mädchen verfolgt.

Interne Maßnahmen des Jugendklubs

Trotz des Wissens um die Vorwürfe unternahm der Jugendklub keine Schritte zur Einbeziehung der Polizei. Intern wurde beschlossen, „den Ball flachzuhalten“, um eine pauschale Stigmatisierung der mutmaßlichen Täter zu vermeiden. Stattdessen wurde die Tür des hinteren Raums abgehängt und ein Safewort für die Besucherinnen eingeführt, um im Falle einer Bedrohung Hilfe zu rufen.

Ein Sprecher des Bezirksamts Neukölln wollte die Vorwürfe, dass der Jugendklub aus Sorge um eine Stigmatisierung der mutmaßlichen Täter nicht gehandelt habe, nicht bestätigen. Er räumte jedoch ein, dass weder die Mitarbeiter des Jugendklubs noch das Jugendamt die Polizei informiert oder eine Anzeige erstattet hatten.

Begründung des Jugendamts für das fehlende Eingreifen

Das Jugendamt erklärte, dass es keine Anzeige erstattet habe, da weder die Namen des Opfers noch des Täters bekannt gewesen seien. Der Jugendklub habe das Jugendamt jedoch unmittelbar nach Bekanntwerden der Vorwürfe informiert, was jedoch anscheinend nicht die nötige Aufmerksamkeit erhielt. Die zuständige Neuköllner Jugendstadträtin Sarah Nagel (Linke) wurde erst am 2. März über den Vorfall informiert.

Die 16-Jährige gab eine Videoaussage ab, um die Vorfälle nicht mehrfach schildern zu müssen. Polizeibeamte beschlagnahmten daraufhin das Handy des mutmaßlichen Täters. Der Vater des Mädchens erstattete nicht nur Anzeige gegen den Jugendlichen, sondern auch gegen Verantwortliche im Jugendklub und bei den Behörden.

Staatsanwaltschaft und politische Reaktionen

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft erklärte, dass die Behörde das Verfahren übernommen habe, jedoch keine weiteren Auskünfte zum Schutz der Ermittlungen erteilt werden könnten.

Innensenatorin Iris Spranger (SPD) forderte eine umfassende Aufklärung der Vorfälle. Sie betonte, dass die Polizei sofort reagiert habe und die Zusammenarbeit zwischen Polizei, Landeskriminalamt und Staatsanwaltschaft gut funktioniert habe. „Was nicht funktioniert hat, müssen das Bezirksamt, die zuständige Stadträtin und die zuständige Senatsverwaltung aufklären“, sagte Spranger.

Jugendstaatssekretär Falko Liecke (CDU) kündigte an, die Abläufe überprüfen zu wollen und mögliche aufsichtsrechtliche Maßnahmen zu prüfen. Zudem sollen strafrechtliche Konsequenzen im Hinblick auf Verstöße gegen den Kinderschutz in Betracht gezogen werden.

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Bildquelle: Markus Spiske auf Pexels

Ronny Winkler