Ein Klein-Lkw mit 62 Prozent Überladung wurde gestoppt. Hohe Überladungen entstehen durch Abänderungen der zulässigen Gesamtmasse, um Kosten zu sparen.
Fulda: Überladene Fahrzeuge auf Autobahnen

Fulda (ost)
Ein Sattelauflieger mit gefährlichen Mängeln wurde aus dem Verkehr gezogen
In Fulda fiel am Dienstagnachmittag (02.07.) einer Streife der Autobahnpolizei Petersberg auf der A7, kurz vor der Anschlussstelle Fulda Nord, ein litauischer Sattelzug auf, dessen Auflieger sich deutlich sichtbar nach rechts neigte.
Bei einer nachfolgenden Kontrolle auf einem nahegelegenen Autohof konnten die Beamten ausschließen, dass eine verrutschte oder ungleichmäßige Beladung die Ursache war, da die Ladung – bestehend aus knapp 21 Tonnen Aluminiumprofilen – gleichmäßig auf Paletten auf dem Auflieger verladen und auch entsprechend gesichert war.
Als die Polizisten den Auflieger genauer inspizierten, stellten sie fest, dass eine Querrunge über einem Rad massive Verformungen aufwies. Es schien bereits zu einem Kontakt zwischen dem Reifen und dem Unterboden gekommen zu sein.
Da das Fahrzeug in diesem Zustand offensichtlich nicht verkehrssicher war, wurde dem 35-jährigen Fahrer die Weiterfahrt untersagt und ein Pannenservice beauftragt. Dieser stellte schließlich eine Verformung des Hauptrahmens fest. Dem Wunsch des Fahrers, die Ladung vor der Reparatur noch zum Kunden zu bringen, konnte daher nicht entsprochen werden.
Am nächsten Tag bestätigte ein Sachverständiger die gefährlichen Mängel des Aufliegers, die sich insbesondere bei Kurvenfahrten und beim Bremsen negativ auf die Fahrstabilität auswirkten. Daher war an eine Weiterfahrt auf kurvigen Landstraßen nicht zu denken. Der Spediteur musste ein Ersatzfahrzeug bestellen, um die Ware weiter zu transportieren.
Der Pannenservice, auf dessen Gelände der Auflieger stand, war überrascht, als der Ersatz-Auflieger zum Umladen bereitstand. Die Luftbälge an einer Achse (Federung der Achse) waren vom Luftkreislauf des Aufliegers abgeklemmt und somit ohne Funktion. Vor der Abfahrt stand daher noch die Reparatur des Ersatz-Aufliegers an.
Ob der stillgelegte Auflieger repariert wird oder schließlich selbst als Ladung auf einem Tieflader endet, ist noch unklar.
Mit 62 Prozent Überladung auf der Autobahn unterwegs
In Petersberg wurde am Mittwoch (10.07.) eine Streife der Polizeiautobahnstation Petersberg auf der A 7 in Höhe der Anschlussstelle Fulda-Mitte auf einen Klein-Lkw aufmerksam und unterzog ihn einer Kontrolle.
Bereits bei der ersten Durchsicht der mitgeführten Dokumente war ersichtlich, dass die zulässige Gesamtmasse deutlich überschritten war. Eine Verwiegung ergab schließlich, dass dem 62-jährigen Fahrer nach Abzug der Toleranz eine Überladung von 62 Prozent vorgeworfen werden musste. Der Fahrer musste eine Sicherheitsleistung im mittleren dreistelligen Bereich hinterlegen und auch der Spediteur muss mit einer ähnlich hohen Geldbuße rechnen.
Wegen der Überladung war eine Weiterfahrt zunächst nicht möglich. Der Spediteur musste ein weiteres Fahrzeug schicken, um einen Großteil der Ladung zu übernehmen. Der „Ersatz“-Lkw traf wenige Stunden später ein, sodass der Transport fortgesetzt werden konnte.
Aber wie kommt es zu solch hohen Überladungen?
Ein großer Hersteller für entsprechende Klein-Lkw im Segment bis 7,5 Tonnen baut standardmäßig einen Lkw mit einer zulässigen Gesamtmasse von 5,2 Tonnen. Diese werden erfahrungsgemäß von den Speditionen auf 3,5 Tonnen „abgelastet“, was bedeutet, dass die zulässige Gesamtmasse in den Papieren von 5,2 Tonnen auf 3,5 Tonnen geändert wird.
Aber warum machen Firmen das? Ganz einfach, um Geld zu sparen. Ein Fahrzeug unter 3,5 Tonnen kann noch mit der Fahrerlaubnisklasse B (anstatt C1) gefahren werden. Die Fahrer benötigen auch keine Aus- und Weiterbildung nach dem Berufskraftfahrerqualifikationsgesetz. Zudem müssen keine digitalen Kontrollgeräte (Tachograph) verbaut werden, was wiederum bedeutet, dass Lenk- und Ruhezeiten manuell dokumentiert werden können. Und zu guter Letzt: Seit dem 01.07.2024 wurde die Mautpflicht auf Fahrzeuge über 3,5 Tonnen erweitert.
Aber mit den Kosten sinkt auch die Nutzlast. Viele Lkw wiegen bereits unbeladen rund 3 Tonnen, sodass für die Ladung nicht viel übrig bleibt.
Polizeiautobahnstation Petersberg
Quelle: Presseportal
Statistiken zu Verkehrsunfällen in Hessen für 2022
Im Jahr 2022 gab es in Hessen insgesamt 136.931 Verkehrsunfälle. Davon waren 19.155 Unfälle mit Personenschaden, was 13,99% aller Unfälle entspricht. Schwerwiegende Unfälle mit nur Sachschaden machten 6.406 Fälle aus, was 4,68% der Gesamtzahl entspricht. 1.202 Unfälle wurden unter dem Einfluss berauschender Mittel verursacht, was 0,88% aller Unfälle ausmacht. Die restlichen Sachschadensunfälle beliefen sich auf 110.168 Fälle, was 80,46% aller Unfälle entspricht. Innerorts ereigneten sich 90.136 Unfälle (65,83%), außerorts (ohne Autobahnen) 32.117 Unfälle (23,45%) und auf Autobahnen 14.678 Unfälle (10,72%). Insgesamt gab es 208 Getötete, 3.878 Schwerverletzte und 20.881 Leichtverletzte.
| 2022 | |
|---|---|
| Verkehrsunfälle insgesamt | 136.931 |
| Unfälle mit Personenschaden | 19.155 |
| Schwerwiegende Unfälle mit nur Sachschaden | 6.406 |
| Unfälle unter dem Einfluss berauschender Mittel | 1.202 |
| Übrige Sachschadensunfälle | 110.168 |
| Ortslage – innerorts | 90.136 |
| Ortslage – außerorts (ohne Autobahnen) | 32.117 |
| Ortslage – auf Autobahnen | 14.678 |
| Getötete | 208 |
| Schwerverletzte | 3.878 |
| Leichtverletzte | 20.881 |
Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis)








