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Giessen: Warnung vor Lovescamming in Mittelhessen/Wetteraukreis

Ein Mann wurde um über 80.000 EUR betrogen, indem er einer falschen US-Soldatin vertraute und Kredite aufnahm.

Foto: unsplash

Giessen (ost)

Mittelhessen / Wetteraukreis: Vorsicht vor Lovescamming – Mann um über 80.000 EUR betrogen

Häufig beginnt es mit einer scheinbar harmlosen Anfrage in einem sozialen Netzwerk. Eine angeblich einsame Person, die beispielsweise vorgibt, als Angehörige der US-Streitkräfte im Ausland stationiert zu sein, sucht Kontakt und einen netten Austausch. Nachdem die Kommunikation schließlich auf andere Kanäle verlagert wird, kommt es zu einer Annäherung. Es entstehen Gefühle und schließlich behauptet man, sich in den neuen Gesprächspartner verliebt zu haben. Dieser Annäherungsprozess kann durchaus mehrere Tage oder Wochen dauern. Schließlich träumt man von einer gemeinsamen Zukunft, wenn der Einsatz im Ausland vorbei ist. Dies dient auch direkt als Erklärung und Entschuldigung, warum es mit einem persönlichen Treffen noch nicht geklappt hat. Zu einem bestimmten Zeitpunkt wird dann eine Geschichte erzählt, bei der die Hilfe des neuen Partners benötigt wird – in finanzieller Hinsicht. Dieser soll Geld per Bargeldtransfer für ein Paket mit wertvollem Inhalt, ein Erbe, gestohlene oder beschlagnahmte Pässe, einen Krankenhausaufenthalt nach einem Unfall oder Probleme mit Kreditkarten senden. Später wird das Geld auf jeden Fall zurückgezahlt.

Betrüger nutzen die Einsamkeit von Menschen und ihr Bedürfnis nach Nähe und Vertrautheit aus. Sie führen die Masche so lange fort, wie sie Geld von ihren Opfern erhalten können. Was früher allgemein als Heiratsschwindel bekannt war und teilweise über Zeitungsanzeigen ablief, wird heute unter dem Begriff „Lovescam“ zusammengefasst und für die Betrüger geht es deutlich schneller und einfacher über soziale Medien und Dating-Plattformen im Internet.

Ein 61-jähriger Mann aus dem östlichen Wetteraukreis fiel genau auf eine solche Masche herein. Im August letzten Jahres trat eine Frau über Facebook an ihn heran und gab vor, als US-Soldatin im Jemen stationiert zu sein. Die Kommunikation wechselte auf WhatsApp und man tauschte sich längere Zeit aus, nachdem die Betrügerin vorgab, Gefühle für den Mann zu haben. Schließlich behauptete sie, ein Erbe im Wert von über vier Millionen Euro von ihrem Vater erhalten zu haben. Dies umfasste neben Geld auch mehrere Goldbarren. Die Goldbarren hatte die angebliche Soldatin bei sich im Jemen in einer Kiste. Da diese jedoch dort nicht sicher seien, wollte sie die Kiste nach Deutschland zu dem 61-Jährigen schicken. Er sollte sie aufbewahren, bis die Frau aus dem Einsatz zurückkehrte und sie schließlich ein gemeinsames Leben in Deutschland beginnen könnten. Zunächst musste der Mann jedoch ein englisches Transportunternehmen bezahlen. Anschließend wurden Kosten für den Zoll in verschiedenen Ländern gefordert, die der Wetterauer begleichen musste, damit die Kiste weitergeschickt werden konnte. Im Glauben an die tatsächliche Existenz der angeblichen US-Soldatin und ihres Erbes zahlte der 61-Jährige alle Forderungen und nahm schließlich sogar Kredite dafür auf. Nach ersten Schätzungen überwies er über 80.000 EUR an die Gauner. Der Betrug, der sich über ein Jahr erstreckte, flog erst Anfang dieser Woche auf.

Die Betrüger schaffen es, sich im täglichen Leben ihrer Opfer unverzichtbar zu machen – und das ohne ein einziges Treffen. Morgens eine romantische Nachricht, am Mittag vielleicht ein kurzes Telefonat und nach Feierabend stundenlanges Chatten oder Telefonieren. Dabei geht es nicht zwingend um Geld, sondern um Beruf, Familie, Liebe oder eine gemeinsame Zukunft. Love-Scammer sind beispielsweise an der Art der Kontaktaufnahme zu erkennen. Über soziale Netzwerke oder Dating-Seiten schreiben die Betrüger ihre Opfer meist in gutem Englisch an. Frauen locken ihre Opfer oft mit schönen Fotos, auf denen sie oft leicht bekleidet zu sehen sind, während Männer häufig Bilder von Uniformierten verwenden. Außerdem überhäufen Scammer ihre Opfer manchmal schon nach dem ersten Kontakt mit langen E-Mails voller schwülstiger Liebesschwüre und bezeichnen ihren neuen „Partner“ bald als „Ehemann“ oder „Ehefrau“ und schmieden Heiratspläne. Schließlich kommen die Geldforderungen.

Um zu überprüfen, ob es sich bei der neuen Online-Bekanntschaft möglicherweise um einen Betrüger handelt, kann es hilfreich sein, den Namen mit dem Zusatz „Scammer“ in eine Suchmaschine einzugeben. Falls ein Bild gesendet wurde, können über die Rückwärtssuche nach zusätzlichen Informationen zu dem Bild gesucht werden. Weitere Informationen zum Thema „Lovescam“ finden Sie unter www.polizei-beratung.de – „Themen & Tipps“ – „Betrug“ – „Scamming“. Seien Sie wachsam und prüfen Sie kritisch. Sprechen Sie im Zweifelsfall mit Vertrauenspersonen, die aus einem anderen Blickwinkel auf die Sache schauen, oder wenden Sie sich an die Polizei, um nicht Opfer von dreisten Betrügern zu werden.

Tobias Schwarz, Pressesprecher

Quelle: Presseportal

Cybercrime-Statistiken in Hessen für 2022/2023

Die Cyberkriminalitätsraten in Hessen stiegen zwischen 2022 und 2023 leicht an. Im Jahr 2022 wurden 9798 Fälle registriert, wovon 3961 gelöst wurden. Die Anzahl der Verdächtigen betrug 2653, darunter 1806 männliche und 847 weibliche Verdächtige sowie 851 nicht-deutsche Verdächtige. Im Jahr 2023 stieg die Anzahl der registrierten Fälle auf 10106, wobei 4224 Fälle gelöst wurden. Die Anzahl der Verdächtigen erhöhte sich auf 2828, darunter 1918 männliche und 910 weibliche Verdächtige sowie 915 nicht-deutsche Verdächtige. Im Vergleich dazu verzeichnete Berlin im Jahr 2023 die höchste Anzahl von Cyberkriminalitätsfällen in Deutschland mit 22125 Fällen.

2022 2023
Anzahl erfasste Fälle 9.798 10.106
Anzahl der aufgeklärten Fälle 3.961 4.224
Anzahl der Verdächtigen 2.653 2.828
Anzahl der männlichen Verdächtigen 1.806 1.918
Anzahl der weiblichen Verdächtigen 847 910
Anzahl der nichtdeutschen Verdächtigen 851 915

Quelle: Bundeskriminalamt

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